15.01.2020 15:33 |

Bildgewaltiges Epos

„1917“: Sam Mendes nimmt Zuschauer mit in Krieg!

Vom Geheimdienst Ihrer Majestät in die Wirren des Weltkriegs: Der preisgekrönte Regisseur Sam Mendes setzt nach seinen zwei Bond-Filmen „Skyfall“ und „Spectre“ in „1917“ seinen visionären Stil ein, um einen modernen Blick auf die Schrecken des Ersten Weltkriegs zu werfen. Die zermürbenden Kriegsjahre verdichtet er auf einen einzigen Tag, der über Leben und Tod von 1600 Menschen entscheidet. Ein bildgewaltigtes Epos, das unter die Haut geht - und auch den Zuschauern im Kino nach dem Motto „Mittendrin statt nur dabei“ keine noch so kleine Atempause vergönnt!

1917 im Schützengraben in Frankreich: Die beiden jungen Soldaten Schofield (George MacKay, „Pride“) und Blake (Dean-Charles Chapman, „Game of Thrones“) bekommen den Auftrag, das Feindgebiet entlang der deutschen Front zu durchqueren, um eine wichtige Nachricht zu überbringen. Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit, denn die Botschaft könnte ein drohendes Massaker an den britischen Truppen verhindern.

Einen einzigen Tag lang verfolgt die Kamera daraufhin als ständiger Begleiter die beiden Briten, deren Schicksal über das Leben und Sterben von mehr als 1600 Menschen entscheidet. Dass sich unter den vom Tod bedrohten Männern auch Blakes älterer Bruder befindet, verleiht der Rettungsaktion der beiden Soldaten eine persönliche Ebene, die an „Der Soldat James Ryan“ erinnert, und die Dringlichkeit der Mission noch intensiver erscheinen lässt.

Film als physisch erlebbares Ereignis
Doch nicht die Handlung macht „1917“ zu einem einzigartigen Monumentalwerk, sondern die technische Umsetzung von Regisseur Sam Mendes und seinem Team, dem es gelungen ist, einen Film als regelrecht physisch erlebbares Ereignis auf die große Leinwand zu bringen. Vermeintlich ganz ohne Schnitt wird dem Zuseher ebenso wie den beiden Protagonisten keine Atempause bis zum Ziel gegönnt, so überzeugend und scheinbar nahtlos sind die einzelnen Szenen aneinandergefügt (siehe auch Video unten) - ohne dabei aber auch nur eine Sekunde lang wie ein bloßes Videospiel zu wirken.

Wenn der Auftrag das Soldaten-Duo durch das Niemandsland aus Dreck, Schlamm und Körperteilen führt, gibt es auch für das Publikum kein Entkommen. Im Schützengraben kommen Gefühle von Klaustrophobie in einem hoch, und aufgedunsene Leichen im Wasser werden zum Test der eigenen Ekelgrenze. Der Krieg war selten so realitätsnah, wie in diesem Film.

Kamera folgt Soldaten auf Schritt und Tritt
Die Kamera, für die der geniale Roger Deakins, der mit Mendes bereits bei „Skyfall“ zusammenarbeitete, verantwortlich zeichnet, folgt den beiden Protagonisten auf Schritt und Tritt. Selten ist es einem Film dermaßen bildgewaltig gelungen, ein solch intensives Gefühl von „Mittendrin statt nur dabei“ zu vermitteln. Stars wie Colin Firth oder Benedict Cumberbatch bleiben dabei nur kleine Nebenfiguren.

Den Schnitt-Trick hatte Mendes bereits bei Bond, konkret bei der Eröffnungssequenz von „Spectre“, eingesetzt. Die Szene wurde so inszeniert, als sei sie in einer einzigen Einstellung am Stück gedreht worden, wenn sich Bond am „Tag der Toten“ durch ein überfülltes Mexiko-Stadt drängelen muss, um einen Anschlag zu verhindern. Dieses Prinzip wendet Mendes nun auch in „1917“ an - allerdings diesmal auf Spielfilmlänge. Ein Trick, der die Zuschauer auf jeden Fall stärker ins Geschehen hineinzieht, wie „1917“ eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Von eigenem Großvater inspiriert
Ausgangspunkt für ihn seien die Kriegserzählungen seines Großvaters gewesen, so Mendes über seine Beweggründe, einen Film über den Ersten Weltkrieg zu drehen. Der Brite Alfred H. Mendes kämpfte als Lance Corporal im Ersten Weltkrieg an der Westfront und wurde aufgrund seiner kleinen und unauffälligen Statur, die in Kriegszeiten eine Überlebensversicherung war, als Bote für Eilmeldungen rekrutiert. „Diesen Preis widme ich meinem Großvater Alfred Hubert Mendes, der diesen Film inspiriert hat“, unterstrich der Regisseur denn auch in seiner Danksagung für den Gewinn des Golden Globes als bester Regisseur. Der Oscar ist definitiv in Reichweite ...

Kinostart von „1917“: 17. Jänner.

Harald Dragan
Harald Dragan
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