20.12.2019 11:00 |

Martin Grubinger

Umjubeltes Konzert heute nochmals im Festspielhaus

Wem das Innenohr inzwischen wegen des Adventgedudels allerorten (von ’Leise rieselt’ über ’White...’ bis ’Last Christmas’) erschlafft, dem ist heute um 19.30 Uhr Martin Grubingers Percussions-Parforce-Ritt im Großen Festspielhaus anzuraten. 15 Gerätschaften entlockte er schon am Mittwoch Trommelwirbel fürs Trommelfell!

Wer sich unter Trommeln etwas Gemütliches mit ein paar Armschwingungen pro Notenblatt vorstellt, der liegt bei Grubinger aber sowas von falsch: Der Multi-Percussionist zischt, haut und wischt quer über die Bühne, entlockt mehr als einem Dutzend Schlagwerkvorrichtungen ein Klanggewitter, ehe es in die ausklingende Meditation geht. Den Anfang der Komposition macht eine Art archaischer Buschtrommelsound, gefolgt von nahezu orientalischen, sanften Sequenzen, dann denkt man an heftiges Peitschenknallen, manchmal kommt nordische Romantik auf. Mystische Magie, dann ein Stakkato, das wie der Chor tollwütiger Spechte anmutet.

Fast 40 Minuten ohne Pause, kurzes Durchatmen beim Instrumentenwechsel. „Immer wieder ist dieses Stück von Kalevi Aho eine spannende Herausforderung, ich freue mich auf die zwei noch ausstehenden Konzerte“, lächelt Grubinger Donnerstagmittag. In seinem schwarzen Bühnen-Pulli ist erkennbar, dass der Mann auch athletisch einiges drauf haben muss. „Britische Wissenschaftler haben heraus gefunden, dass man in so einem Konzert konditionell mehr gefordert ist als Fußballer der Premier League. Mein Puls schnellt auf 195, 160 bis 170 ist der Dauerpegel“, erklärt Grubinger, der bei diesem Parforceritt um die 2500 Kalorein verbrennt. Also den Gegenwert von zwei Wiener Schnitzeln mit Pommes? Er lacht: „Schnitzel eher selten, die Weihnachtskekse sind eher mein Problem.“

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Solche Konzerte gehen auch körperlich an die Substanz, ich halte mich mit sportlichem Radfahren und im Winter mit Langlaufen fit.

Grubinger zur physischen Anforderung

Rund um das finnische Kernstück gab das Bruckner Orchester Linz Anton Bruckners Ouvertüre g-Moll, und nach der perkussiven Infusion noch Richard Strauss’ ’Heldenleben’. Für die meisten Besucher im vollen Großen Haus war die Heldenrolle des Abends besetzt: Mit jenem Salzburg-Oberösterreicher, der auch noch eine Zugabe mit Professor und Studienkollegen bot. Alles vom Allerfeinsten.

Roland Ruess
Roland Ruess
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