Di, 18. Juni 2019
23.06.2010 18:22

Übergriffe nehmen zu

"Lockjuden" sollen in Amsterdam Antisemiten stellen

Die Behörden in Amsterdam wollen wegen einer deutlichen Zunahme antisemitischer Übergriffe zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen: Sie erwägen den Einsatz von "Lockjuden". Dabei sollen als orthodoxe Juden verkleidete Undercover-Polizisten Tatverdächtige bei Pöbeleien oder gewalttätigen Attacken sofort festnehmen und damit für Abschreckung sorgen. Dieselbe Methode wurde - mit "Lockschwulen" - bereits im Kampf gegen Angriffe auf Homosexuelle erfolgreich eingesetzt.

"Wir prüfen ernsthaft, wie uns unorthodoxe Maßnahmen wie der Einsatz sogenannter Lockjuden helfen können, Diskriminierung und Gewalt gegen Juden zu unterbinden", sagte der Sprecher des Amsterdamer Bürgermeisters Lodewijk Asscher am Mittwoch.

Heimlich gefilmte Muslime bedrohten Rabbiner
Das Vorhaben wird von der niederländischen Stiftung Information und Dokumentation Israel (CIDI) ausdrücklich unterstützt. Der Einsatz von "Lockjuden" war kürzlich von dem sozialdemokratischen Amsterdamer Politiker Ahmed Marcouch vorgeschlagen worden. Der aus Marokko stammende Muslim reagierte damit auf eine TV-Sendung, in der heimlich gefilmte muslimische Jugendliche gezeigt wurden, die einen Rabbiner auf offener Straße mit dem Hitlergruß anpöbelten und bedrohten.

Nach Angaben von CIDI haben derartige Angriffe in den Niederlanden besorgniserregend zugenommen. Bei der Organisation "Meldpunt Discriminatie" gingen 2009 allein für Amsterdam 41 entsprechende Meldungen ein - gegenüber 17 im Vorjahr. Die Zahl nicht gemeldeter Vorfälle ist nach Einschätzung der Organisation weit höher. In den meisten Fällen werden derartige Attacken von Gruppen marokkanisch-stämmiger Jugendlicher verübt.

"Angepöbelt, bespuckt, mit Steinen beworfen"
Die Angst davor sei unter den etwa 40.000 in den Niederlanden lebenden Juden - etwa die Hälfte wohnt in Amsterdam und Umgebung - spürbar gewachsen, sagte die Antisemitismus-Expertin des CIDI, Elise Friedman. Um zu verhindern, dass sie auf der Straße "angepöbelt, bespuckt oder mit Steinen beworfen werden", sähen sich immer mehr Juden gezwungen, in der Öffentlichkeit auf Kippot oder andere Anzeichen für ihren Glauben zu verzichten.

Die Überlegungen, als Juden verkleidete Polizisten auf die Straßen zu schicken, gingen von bisher guten Erfahrungen mit "Lockschwulen" bei der Bekämpfung von Angriffen auf Homosexuelle aus, erläuterte der Bürgermeister-Sprecher. "Zusammen mit der Staatsanwaltschaft und der Polizeiführung prüft die Gemeinde Amsterdam, ob Lockvogel-Einsätze auch im Kampf gegen Übergriffe auf Juden effektiv und zugleich juristisch vertretbar sind." Entschieden werde darüber voraussichtlich nach dem Sommer.

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