06.12.2019 05:50 |

Mädchen-Initiativen:

Der steinige Weg in den Spitzensport

Mädchen machen viel zu wenig Bewegung. Die steirische Sport-Verbände müssen um die Talente kämpfen. Die „Krone“ hat ein Aushängeschild besucht und sich die Entwicklungen in den Bereichen Tennis, Ski und Fußball näher angeschaut.

Knapp 85% der steirischen Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren machen nicht einmal 60 Minuten pro Tag Bewegung. Klar, dass da der Kampf um die Talente in den Sportverbänden größer wird. So hat etwa der Tennisverband das Projekt „Ready Schett Go“ gestartet. Wir haben ein Aushängeschild besucht.

Nina Schwarzenberger ist 14, ihr Heimatklub der UTC Wildon. Sie wird im Leistungszentrum Leibnitz von der einstigen Weltklasse-Spielerin Evelyn Fauth trainiert. Und sie hat ein klares Ziel vor Augen: Profi werden! „Tennis ist schließlich mein Leben.“

Und dafür schuftet das Mädchen Tag für Tag. Tagesablauf: Training, Schule (HIB Liebenau Graz), Training, Lernen. „Vor 20 Uhr habe ich eigentlich nie meine Ruhe. Aber das bin ich gewohnt.“ Und die Fünftklässlerin betont: „Die Schule ist mir ganz wichtig.“ An den Wochenenden tingelt Nina regelmäßig von Turnier zu Turnier. Und zwischen den Spielen wird wieder gelernt.

Im Vorjahr gab es einen herben Rückschlag für das aufstrebende Talent: Bänderriss im Knöchel, Operation, sechs Wochen Pause! „Aber auch das gehört zum Sportlerleben dazu!“ – für 14 ist Nina sehr reif und gelassen. „Ich will mich täglich weiterentwickeln, immer weiterkommen.“ Und dafür tut Nina alles: Sie beschäftigt sich viel mit dem Thema Ernährung, holt sich via WhatsApp immer wieder Tipps von Barbara Schett, der ehemaligen Nummer sieben der Welt.

Fazit von Evi Fauth: „Nina kann es schaffen!“

Wie schaut es im Skisport aus?
Hütter, Schmidhofer, Siebenhofer, Tippler, Heider, Scheib – der Weltcup-Kader ist voll mit Steirerinnen. „In der Vergangenheit wurde eben gut gearbeitet“, erklärt Verbandsvizepräsidentin Renate Götschl. Und auch heute ist der Zulauf an Talenten ungebrochen, die Landeskader sind voll. Was immer mehr fehlt, ist die Breite. Es gibt ja kaum mehr Skikurse, viele Lehrer tun sich diese aus Angst vor Haftungen nicht mehr an. „Wir müssen die Kleinsten wieder auf die Pisten bringen, starten Schwerpunkte in Kindergärten und Volksschulen.“

Was sagt die Ex-Speed-Queen zum Thema Schule? „Skifahren ist beinhart! Wir betreiben einen höchst gefährlichen, verletzungsanfälligen Sport. Und bei uns gibt es keine zweite Chance. Deswegen ist die Ausbildung bei uns noch viel wichtiger.“

Wie ist die Situation im Mädchen-Fußball?
Elisabeth Tieber hat 24 Länderspiele absolviert, war als Legionärin in der Schweiz und in Deutschland aktiv, ist jetzt TV-Expertin und Geschäftsführerin der steirischen Mädchen-Akademie des SK Sturm und des Fußballverbandes.

„Wir haben jetzt 22 Mädels in der Akademie, sichten schon wieder neue“, ist die 29-Jährige mit dem Start zufrieden. Auch als Verbandsreferentin ist sie zufrieden: „In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Frauen fast verfünffacht.“

Was Tieber ärgert: „Die Einstellung der Mädels passt oft nicht. Da fehlt es an Ehrgeiz und Leistungsorientierung.“ Und eines fordert die Expertin klipp und klar: „Der Sport muss endlich einen viel höheren Stellenwert in unseren Schulen bekommen. Fünf Stunden pro Woche sind das absolute Minimum.“

Michael Jakl
Michael Jakl
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