27.11.2019 11:30 |

Welt-AIDS-Tag

Einst tödliche Gefahr, jetzt gut behandelbar

Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Er soll Solidarität mit Menschen, die von HIV und AIDS betroffen sind, fördern, Bewusstsein schaffen und Diskriminierung entgegenwirken. Denn obwohl die Krankheit heute gut behandelbar ist, wird sie noch immer stark stigmatisiert.

„HIV-positive Menschen können heutzutage mit der Krankheit leben - und sterben nicht mehr an AIDS“, stellt die bisherige Leiterin der AIDS-Hilfe-Tirol, Lydia Domoradzki, gleich zu Beginn des Gesprächs klar. „Denn vor allem in der Behandlung gab es in den vergangenen 30 Jahren enorme Fortschritte.“ Aus einer einst tödlichen Gefahr wurde eine Krankheit, die heute sehr gut behandelbar ist - „Betroffene haben durch die richtigen Medikamente nicht nur eine normale Lebenserwartung, auch die Teilhabe an allen Lebensbereichen kann heute bei stabiler, meist guter Gesundheit gewährleistet werden“, sagt Domoradzki. Zudem seien die Nebenwirkungen der Behandlungsmethoden drastisch gesunken.

Kondome schützen, Medikamente auch
Vor allem aber schützt die richtige Behandlung vor der Weitergabe der Infektion: „Werden die Medikamente sachgerecht und regelmäßig eingenommen, sinkt die Viruslast im Blut unter die Nachweisgrenze. Der Betroffene ist nicht mehr infektiös“, so Domoradzki. Kurz gesagt: Kondome schützen, Medikamente auch.

Diskriminierung: Stigma macht krank
Doch trotz guter Behandelbarkeit und der Schutzwirkung der Medikamente sei eine Sache gleich geblieben: „HIV–positive Menschen werden nach wie vor stigmatisiert und erfahren Zurückweisung und Ausgrenzung aufgrund ihrer Krankheit“, sagt Fritz Aull, der in Beratung und Prävention der AIDS–Hilfe-Tirol tätig ist. „Aus Angst vor den Konsequenzen verschweigen viele ihre HIV–Infektion“, schildertAull. Die Konsequenz: Depressionen, erhöhte Angstwerte und weniger Lebensqualität. Österreichweit setzen sich die AIDS-Hilfen deshalb gegen die Diskriminierung und für mehr Bewusstsein ein.

Eine Pille, die vor HIV-Ansteckungen schützt
Der größte Teil der Arbeit in den AIDS-Hilfen liegt aber in der Prävention, etwa durch anonyme und kostenlose HIV-Testungen (siehe auch Daten und Fakten). Durch die riesigen Fortschritte in der Medizin gibt es seit einiger Zeit – neben dem Kondom als Schutzmaßnahme – auch Medikamente, die vor einer HIV-Ansteckung schützen. „In Ländern, in denen die so genannte PrEP-Pille von der öffentlichen Hand finanziert wird, konnte ein Absinken der Neuinfektionen festgestellt werden. In Paris etwa beträgt der Rückgang der Neudiagnosen bei homo- und bisexuellen Männern 22 Prozent“, schildert Matthäus Recheis von der AIDS-Hilfe Tirol. Auch in Deutschland werden die Medikamente seit September von den Krankenkassen bezahlt. In Österreich nicht.

Klassische Geschlechtskrankheiten nehmen zu
Einen Haken hat die Sache aber: Durch die vermehrte Einnahme der PrEP und dem damit oftmals einhergehenden Verzicht auf Kondome, sind andere sexuell übertragbare Krankheiten wieder auf dem Vormarsch. Die PrEP-Pille schützt nämlich ausschließlich vor HIV – „klassische“ Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Gonorrhö verbreiten sich dadurch wieder vermehrt. Die AIDS-Hilfe Tirol reagiert auf diese Entwicklung: Seit vergangenem Jahr werden neben HIV-, Hepatitis- und Syphilis-Tests auch Untersuchungen auf Gonorrhö und Chlamydien angeboten.

Daten und Fakten

  • Die europaweite HIV/Hepatitis-Testwoche findet vom 22.-29.November statt. In Tirol wird am 28. November von 20 - 21.30 Uhr in der HOSI Tirol anonym und gratis getestet.
  • Mehr als 750 Organisationen aus 53 europäischen Ländern sind an der Initiative beteiligt.
  • In Österreich wird derzeit von ca. 10.000 HIV-Infizierten, 28.000 Hepatitis C-Betroffenen und ca. 42.000 chronisch erkrankten oder das Virus tragenden Personen mit Hepatitis B ausgegangen.
  • In Tirol gab es im Vorjahr 21 HIV-Neudiagnosen, 2017 waren es 46, 2016 insgesamt 37.
  • Ca. 40% der HIV-Diagnosen werden in Österreich spät gestellt. Besonders betroffen von später Diagnosestellung sind Personen, die älter als 50 Jahre sind (57%) sowie Frauen und Männer, die sich auf heterosexuellem Weg infiziert haben.
  • Eine niedrigere Rate an Spätdiagnosen (33%) findet sich bei jungen Erwachsenen und homosexuellen Männern.
  • Mehr als 50% der Neuinfektionen erfolgen durch Menschen, die nicht wissen, dass sie HIV-positiv sind.
  • Ein Großteil der Hepatitis C-Infektionen bleibt undiagnostiziert, dabei ist es heilbar.
Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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