05.11.2019 12:28 |

„Kriegsfantasien“

FPÖ will SPÖ mit in Liederbuch-Skandal ziehen

Die FPÖ setzt im Ablenkungsmanöver rund um die Liederbuch-Affäre einen drauf: Nachdem sich die Blauen zunächst über das „kommunistische Liedgut“ der Sozialistischen Jugend empörten, ärgert man sich nun auch über das Lied der „Internationalen Brigaden“ auf der Homepage einer SPÖ-Ortsgruppe im Weinviertel. Es verherrliche den „grauenhaften“ Bürgerkrieg in Spanien von 1936 bis 1939, so Generalsekretär Christian Hafenecker am Dienstag. Der steirische FPÖ-Chef Mario Kunasek wiederum empfiehlt vor allem der ÖVP Steiermark, auch in ihren Reihen nach ähnlichen Texten zu suchen.

Bis Montag habe die SPÖ-Ortsgruppe Sulz im Weinviertel dieses Lied noch auf seiner Homepage gehabt, so Hafenecker. Wortwörtlich sei wie folgt in „Bürgerkriegsfantasien“ geschwärmt worden: „Mit Gewehren, Bomben und Granaten wird das Ungeziefer ausgebrannt“, empörte sich der freiheitliche Generalsekretär am Dienstag in einer Aussendung.

„Kleine Spitze des kommunistischen Eisbergs der SPÖ“
„Neben einer Sozialistischen Jugend, die sich offen zum Marxismus bekennt, einer SPÖ-Ortsgruppe in Langenzersdorf, die sich auf Facebook in ‚Rot-Front SDÖ Langenzersdorf‘ umbenannt hat“, sei die rote Ortsgruppe Sulz im Weinviertel „wohl nur eine kleine Spitze des kommunistischen Eisberges in der SPÖ“, schoss Hafenecker nach. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner werde alle Mühe haben, ihre „Titanic“ nicht an diesem Eisberg zerschellen zu lassen.

SPÖ Gänserndorf: Text wurde umgehend entfernt
SPÖ-Bezirksgeschäftsführer David Schramm führte gegenüber krone.at aus, dass die Ortsgruppe Sulz das Lied der „Internationalen Brigaden“ nach dem Aufzeigen von der Homepage entfernt habe. Der Text sei mit weiteren Arbeiterliedern bereits im Jahr 2009 online gestellt worden, wohl ohne dass jede Textzeile kontrolliert worden sein dürfte. Von Gewaltaufrufen gegen Menschen distanziere man sich deutlich, das Thema werde in den Gremien weiter besprochen.

Kunasek: „Es ist alles gesagt“
Auch Kunasek zeigt nach dem Skandal in der eigenen Partei mit dem Finger auf andere Liederbücher bzw. die anderen Parteien. Der steirische FPÖ-Chef nahm gegenüber der „Steirerkrone“ am Montagabend allen voran die ÖVP in die Pflicht, auch in ihren Reihen nach ähnlichen Liederbüchern zu suchen: „Wir haben alle Bedarf, über dieses Thema nachzudenken.“ Solche Liedtexte hätten jedenfalls bei den Freiheitlichen keinen Platz.

Kunasek sieht in der Affäre einen „Versuch, die blaue Wahlbewegung zu bremsen“. Zur Sache selbst „ist alles gesagt“, allerdings sei es im Moment schwieriger, mit freiheitlichen Themen durchzukommen, sagte er rund drei Wochen vor der Landtagswahl. „Unser Ziel muss es sein, um die 20 Prozent zu bekommen, um aus einer Position der Stärke heraus zu verhandeln. Es darf nicht wieder passieren, dass uns etwa die ÖVP einfach übersieht“, sagte der ehemalige Verteidigungsminister. 

FPÖ macht Zanger weiter die Mauer
Die „Krone“ hatte Ende Oktober über das NS-Liederbuch der schlagenden Schülerverbindung Pennales Corps Austria zu Knittelfeld berichtet, der der steirische FPÖ-Nationalratsabgeordnete Wolfgang Zanger angehört. Die Freiheitlichen gerieten daraufhin schwer in Bedrängnis. Trotz herber Kritik und zahlreicher Rücktrittsaufforderungen stellt sich die Partei von Obmann Norbert Hofer abwärts allerdings weiterhin hinter Zanger, der ein Exemplar dieses Buches besitzt.

 krone.at
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