Interview mit Tom

Muster versteht das “Tam-Tam” um Melzer nicht

Sport
02.06.2010 13:23
Thomas Muster, der in Paris im Legenden-Doppel im Einsatz ist, hat sich zum French-Open-Erfolgslauf von Jürgen Melzer geäußert. Demnach kann der Steirer den Wirbel um Melzer nicht ganz nachvollziehen. Geplaudert hat Muster außerdem über seine gar nicht sentimentalen Gefühle und das geschlossene Kapitel in Sachen Einbindung ins österreichische Tennis.

Jürgen Melzer ist ein wenig auf Ihrer Spur hier, steht im Viertelfinale. Was sagen Sie dazu?
Thomas Muster: "Das ist nicht besonders überraschend für mich. Ich weiß nicht, was das große Tam-Tam ist. Erstens einmal hat er eine Super-Auslosung gehabt, und den schweren Brocken Ferrer hat er aus dem Weg geräumt. Da hat er sehr, sehr gut gespielt. Bis jetzt kann er für eine Grand-Slam-Auslosung nicht meckern. Ich glaube, dass er auch sehr gute Chancen gegen Djokovic hat."

Mit David Ferrer hat er allerdings den zweitbesten Sandplatz-Spieler dieser Saison geschlagen.
Muster: "Sage ich ja, den schweren Brocken hat er aus dem Weg geräumt, aber es ist jetzt nicht so, dass ich da jetzt groß überrascht bin. Er hat sehr passable Leistungen gebracht, überhaupt das ganze Jahr schon. Ich glaube mit dem Selbstvertrauen und einem Spiel, das er hat und jetzt besser ausnützt, ist das schon in Ordnung."

Sie glauben also, dass er gegen Djokovic eine gute Chance hat?Muster: "Glaube ich schon. Ich sehe es als offenes Match. Es würde mich nicht überraschen, wenn er den jetzt auch schlägt. Das ist sicher drinnen. Wer im Viertelfinale steht, kann ins Halbfinale auch kommen. Nadal wäre dann eine andere Größe."

Glauben Sie, hat Melzer die schwedische Schule von Trainer Joakim Nyström den letzten Schliff gegeben?
Muster: "Es ist ein Reifeprozess, den man durchmacht. Man muss halt lernen, wann es richtig ist zurückzunehmen wann es richtig ist zu attackieren. Der Joke ist ja nicht seit gestern sein Coach. Ich glaube nicht, dass das die großen Auswirkungen sind. Ich glaube, dass man einfach als Spieler lernt und reifer wird."

Sie spielen selbst hier Legenden-Doppel mit Mark Woodforde, ein sehr guter Doppelspieler.
Muster: "Das ist richtig, aber ich bin kein guter. Gegen Stich/Ivansevic wird es eher schwer."

15 Jahre sind seit Ihrem Titel hier vergangen – unglaublich wie die Zeit vergangen ist. Kommen Sie immer noch mit einem speziellen Gefühl her, oder ist das irgendwie schon weit weg?
Muster: "Nein, wenn du einmal so ein Turnier schon gewonnen hast... Ich war ja im Halbfinale auch einmal. Ich habe hier immer recht gut gespielt. Man kennt alle Leute, es ist eine vertraute Umgebung, klar verändern sich die Gegebenheiten. Im Prinzip ist es ein schöner Augenblick, da zu sein, die Atmosphäre zu genießen. Es ist nicht so, dass ich jetzt sentimental wäre. Die Zeit bleibt nicht stehen."

Alles, was Sie dem Tennis einmal zurückgeben wollten in Österreich. Ist das eigentlich endgültig ad acta gelegt oder könnte es sein, dass Sie sich irgendwann noch einmal einschalten?
Muster: "Nein. Ich habe meinen Teil versucht. Ich habe sechs Jahre um etwas gekämpft, was dann beerdigt und begraben worden ist. Ich sehe keine Veranlassung, das noch einmal zu tun. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste, solche Projekte dauern zehn, 15, 20 Jahre und ich sehe mich mit Mitte 60 nicht mehr auf dem Tennisplatz. Die Zeit, die da vergangen ist, ist vergeudet. Aber man wollte es halt nicht annehmen, dadurch wird meine Einbindung ins österreichische Tennis eher gering sein."

Gratuliere noch einmal herzlich zum Nachwuchs. Wie ist denn das Familienleben?
Muster: "Das ist schön, eine schöne Sache. Der Kleinen geht's gut."

Die Fußball-WM steht vor der Tür. Gibt es einen Tipp und werden Sie die WM verfolgen?
Muster: "Ich schaue es mir schon an. Ich tippe auf Brasilien oder Spanien. Die Fußball-WM schaue ich normal schon sehr interessiert, aber auch Champions League, Grand Slam oder Golf-Masters. Wenn man sportinteressiert ist..."

Werden Sie Melzers Viertelfinale auf dem Platz anschauen?
Muster: "Klar, wenn ich nicht grad selbst spiele, schaue ich es mir an. Wenn ich eine Karte kriege."

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