21.10.2019 13:05 |

Island als Vorbild

„Recht auf gleichen Lohn soll ins Gesetz!“

Gleiches Geld für gleiche Arbeit - klingt einleuchtend, ist aber längst nicht Realität: Bis zum 21. Oktober verdient ein Mann in Österreich so viel wie eine Frau das ganze Jahr über. Die Jugendorganisation der SPÖ protestierte deswegen am Montag vor dem Parlament unter dem Motto „Frauen, legt die Arbeit nieder!“. Gefordert wird ein Gesetz nach dem Vorbild Islands. Dort müssen Unternehmen belegen, dass Männer und Frauen gleich entlohnt werden.

Auch in Island, das zu den fortschrittlichsten Ländern bei der Gleichbehandlung von Männern und Frauen gehört, klaffte eine Lohnlücke. Um das zu ändern, gibt es seit Jänner 2018 ein Gesetz, das den Arbeitgebern eine Beweislast auflegt.

Arbeitgeber muss Diskriminierung widerlegen
Firmen mit mehr als 25 Angestellten müssen schriftlich dokumentieren können, dass Männer und Frauen auf den gleichen Posten mit den gleichen Aufgaben dasselbe Gehalt bekommen. Nicht mehr dem Arbeitnehmer obliegt die Aufgabe, Diskriminierung zu beweisen, sondern den Firmen, sie zu widerlegen. Existiert tatsächlich eine unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen, müssen sie glaubhaft darlegen, dass sie nicht aufgrund des Geschlechts erfolgt.

Geldstrafen von bis zu 400 Euro am Tag
Dazu müssen die Unternehmen Anforderungen an den Job und Leistung der Arbeitnehmer transparent offenlegen. In die Einschätzung fließen unter anderem das Alter der Angestellten, ihre Ausbildung und Erfahrung, ihre Wertschöpfung und ihre Arbeitsbelastung ein. Bei Nichtbeachtung drohen den Firmen Geldstrafen von bis zu 400 Euro am Tag.


„Es braucht dringend eine gesetzliche Regelung“
„Frauen in Österreich verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen“, meint Nora Waldhör, Frauensprecherin des Verbands Sozialistischer Studierender (VSStÖ). Deswegen brauche es auch in Österreich dringend eine gesetzliche Regelung. 

Aktion gegen ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit
Auch Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und die Wiener Frauenstadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) haben am Montag in Wien auf den österreichweiten Equal Pay Day aufmerksam gemacht. Sie forderten unter anderem mehr Lohntransparenz in Betrieben sowie einen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Bei einem Infostand auf der Mariahilfer Straße erhielten Passanten einen Haushaltsplan zum Ausfüllen, der helfen soll, Hausarbeit fair zu organisieren. AK-Präsidentin Renate Anderl sprach sich gegenüber der APA außerdem für mehr Lohntransparenz auf betrieblicher Ebene aus. Hier müsse „nachjustiert“ werden.

Aktuell sind nur Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeitern verpflichtet, einen Einkommensbericht zu erstellen. Zur Kontrolle dieser Berichte brauche es zudem eine unabhängige Kommission, forderte Anderl.

„Wir wollen nicht umsonst arbeiten!“
„Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen beginnen für Frauen heute die 71 Tage, an denen sie ohne Lohn in die Arbeit gehen müssen. Wir wollen nicht umsonst arbeiten!“, kritisiert auch Junge-Generation-Frauensprecherin Patricia Katsulis. Mit einer Schilderaktion vor dem Parlament forderten die SPÖ-Jugendorganisationen das gesetzliche Recht auf gleiche Entlohnung.

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