13.10.2019 18:15 |

Nach WM-Bronze

Verena Preiner: Plötzlich Weltspitze

Sie errang überraschend. Bronze. Und das in der Königsdisziplin einer Weltsportart. Verena Preiner (24) wurde Dritte beim WM-Siebenkampf. Wer ist unser neuer Stern im Sport?

Endlich Urlaub, endlich daheim. Es war schon etwas viel Stress und Rummel, dem Verena Preiner (24) in den letzten Wochen ausgesetzt war. Kein Wunder nach ihrem fulminanten Höhenflug zur sensationellen Bronzemedaille im Siebenkampf bei der Leichtathletik-WM in Doha. Mit diesem grandiosen Auftritt kam unweigerlich der Sprung ins Rampenlicht. „Ich werde immer noch rot bei jedem Termin“, lächelt sie schüchtern.

Einst zu schwach
Es ist der Preis eines Märchens, den sie zahlen muss. Eines Märchens, das selbst sie bis vor Kurzem kaum für möglich gehalten hat. Als sie 2010 die Arbeit mit Trainer Wolfgang Adler begann, hatte Verena, die schon in jungen Jahren dem Leichtathletik-Verein in ihrer Heimat Ebensee beigetreten war, nur das Ziel, einmal bei einer WM dabei zu sein. Zu schwach war sie damals auch noch im Hochsprung gewesen. Bei der Junioren-WM 2014 in Eugene hatte sie im Hochsprung die 1,60 Meter nicht gepackt.

Woraufhin sie Adler drei Jahre ins Turntraining steckte. Und selbst nach Platz acht bei der EM 2018 hatte Preiner sicher nicht mit einer WM-Medaille spekuliert. Denn allein im eigenen Land war mit Ivona Dadic eine Konkurrentin gewesen, die immer ein Stück voraus war. Eine Konkurrentin im eigenen Stall, da Adler sie auch mitbetreute. Bis er sich Ende 2018 entschied, sich ganz auf Preiner zu konzentrieren. Vielleicht war das auch ein ganz entscheidender Faktor, der Verena endgültig entfesselte. Sie musste sich nicht mehr als Nummer zwei fühlen.

Wiedersprüchliches Gespann?
Auf den ersten Blick ist es ein widersprüchliches Gespann, das in Doha den großen Wurf vollbracht hat. Wie Feuer und Eis. Hier der aufbrausende Wolfgang Adler, da die stets abgebrühte Verena Preiner. Gemeinsam hatten sie schon Sitzungen bei einem Sportpsychologen, der ebenfalls im „Team Preiner“ ist. „Da ging es auch darum, dass ich mich im Wettkampf zurückhalte. Ihr die Emotionen im entscheidenden Moment vermittle“, erzählt Adler. Der momentan auf den Seychellen urlaubt, damit die Medaillenfeier in Leonding verpasste. „Weil ich auch nicht richtig mit der Medaille gerechnet habe“

Während der Coach in der Ferne weilt, urlaubt der neue Star in Österreichs Leichtathletik-Szene daheim. Dort, wo sich Verena am wohlsten fühlt. „Auch meine zwei Katzen ,Maxi’ und ,Charly’ haben sich extrem gefreut, dass ich wieder da bin“, lacht sie. Und endlich kann sie den kleinen Garten hinter dem neuen Haus in Leonding, unweit des Waldes, umgraben. „Ich bin schon gespannt, ob ich einen grünen Daumen habe.“ Ferien daheim sind auch Pflicht, weil Freund Thomas keine mehr hat. Er opferte seinen ganzen Urlaub, um Verena bei ihren Bewerben und den Trainingslagern zu begleiten. Er ist der Fels, an den sich die erfolgreiche Siebenkämpferin lehnt, der ihr Ruhe gibt. Darum ist er auch für Trainer Wolfgang Adler im Team unverzichtbar. „Verena muss sich immer wie daheim fühlen.“

 Dann ist noch viel möglich. Gefragt nach einem Ziel im Sport, nennt Verena prompt: „7000 Punkte.“ Eine für sie ungewöhnlich mutige Ansage. Diese Schallmauer haben erst vier Siebenkämpferinnen je geknackt. Doch dieses stille Wasser aus Oberösterreich hat schon oft gezeigt, welch unglaublich reichhaltiges Leistungspotenzial es hat.

Gernot Bachler, Kronen Zeitung

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