03.07.2004 19:32 |

Viel Glück!

Zeit lassen beim Zusammenziehen

Eigentlich steckt man ohnehin fast jede Nacht zusammen. Also warum nicht gleich eine von beiden Wohnungen aufgeben? Mit Mitte zwanzig ziehen viele Paare zum ersten Mal in eine gemeinsame Wohnung. Nicht allen fällt das leicht. Doch wenn der Schritt erst einmal gewagt ist und sich prompt als Fehler herausstellt, sind viele Beziehungen nicht mehr zu retten.
"Zusammenziehen bedeutet ein höheres Maßan Verbindlichkeit", sagt der Paartherapeut Hans Jellouschek.Die Entscheidung für eine gemeinsame Wohnung darf man nichtleichtfertig treffen, sie stellt eine entscheidende Wende in derBeziehung dar - ob es nun gut geht oder nicht. "Man soll sichhier nicht drängen lassen, aber den rechten Zeitpunkt auchnicht verpassen. Sonst plätschere die Beziehung vor sichhin.
 
Realistisch bleiben
Unrealistische Erwartungen bedeuten das sichere Scheitern."Wer glaubt, jetzt in den siebten Himmel einzuziehen, wird schnellauf den Boden der Tatsachen zurückgeholt", sagte die FreiburgerPsychologin Alexandra Hipfner-Sonntag der Agentur ddp.
 
In Gewohnheiten zurückstecken
Plötzlich sitzt der Partner da, wenn man gestresstvon der Arbeit kommt. Anstatt sich, wie üblich, erst maldie Lieblingsserie im Fernsehen anzuschauen und ein paar ScheibenToast zu essen, wird man mit anderen Vorstellungen und Erwartungenkonfrontiert. "Man muss auch ein Stück in seinen Gewohnheitenzurückstecken", empfiehlt Hipfner-Sonntag. Gelingt das nicht,können harmlose Alltagssituationen schnell im Streit enden.
 
1+1=1
"Jeder bringt seine eigene 'Welt' mit und beide müssenjetzt aus diesen beiden Welten eine schaffen" erläutert Jellouschek.Eine nicht ganz einfache Aufgabe. Manches muss man einfach akzeptieren."Andere Dinge sind nicht akzeptabel und für diese muss eineRegelung gefunden werden", rät die Psychologin.
 
Fair streiten
"Konflikte über Dinge des täglichen Lebenssind nach dem Zusammenziehen wahrscheinlich unvermeidlich", glaubtJellouschek. Es komme jedoch darauf an, diese Konflikte fair undoffen auszutragen. "Man darf nicht aufrechnen und denken, dassder Partner manches nur tut, um einen zu ärgern", rätHipfner-Sonntag. Mit ein wenig Humor ist es leichter, die Mackendes anderen zu tolerieren und Streit zu vermeiden.
 
Planen und trotzdem flexibel sein
Es kann nützlich sein, einiges im Vorfeld zubesprechen und festzulegen: Neben Putz- und Einkaufsregeln solltedas Paar überlegen, ob wirklich jeden Abend der Fernseherlaufen soll und wie oft Freunde eingeladen werden. Laut Jellouschekbraucht es jedoch "über alle Regeln hinaus die Bereitschaft,auch mal zu improvisieren, für den anderen einzuspringenund flexibel auf unerwartete Situationen zu reagieren".
 
Räume richtig aufteilen
Gerade junge Paare können sich meist keine großeWohnung leisten. In manchen Fällen ist es daher ratsam, dassjeder ein eigenes Zimmer hat, statt die klassische Aufteilungmit gemeinsamem Wohn- und Schlafzimmer zu wählen.
 
"Die Raumaufteilung sollte so sein, dass beiderBedürfnis nach Individualität und Gemeinsamkeit Rechnunggetragen wird", empfiehlt der Paartherapeut. Wenn der Freund sicheinmal zurückzieht, sollte die Freundin nicht beleidigt seinoder an seiner Liebe zweifeln. Andererseits sollten Paare aberauch darauf achten, dass sie wirklich miteinander und nicht nebeneinanderleben", sagt Hipfner-Sonntag.
 
Inseln im Alltag
Doch egal wie man das gemeinsame Leben einrichtet,ein Stück Alltag wird unvermeidlich einkehren. "Und das istja auch erwünscht", sagt Jellouschek. Als Ausgleich fürden Alltag dürften Paare jedoch nicht aus dem Blick verlieren,Zeiten für bewusste Zweisamkeit zu reservieren.
 
Ob es nun das gemeinsame Abendessen, das Joggenim Park oder aber das sonntägliche Frühstück imBett ist - das Zusammenleben darf nicht nur aus Haushaltpflichtenbestehen. Gemeinsame Aktivitäten, die beiden Spaß machen,gehören dazu. "Das hält auch die Erotik lebendig", verrätder Experte.
Samstag, 19. Juni 2021
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