26.07.2019 17:00 |

Bewegte Geschichte

Südtiroler Siedlungen: Heimat für Heimatlose

Donnerstag feierte Felix Mitterers Stück „Verkaufte Heimat“ in der Südtiroler Siedlung in Telfs Premiere. Damit wird der Geschichte der Südtiroler Optanten, die vor 80 Jahren ihre Heimat verließen, gedacht. Mussolini wollte die österreichische Minderheit in Südtirol damals loswerden. Durch Umsiedlung. Bis Herbst 1943 wanderten rund 75.000 Menschen aus ins Deutsche Reich. Die Mehrzahl von ihnen blieb in Nordtirol - in den 22 Südtiroler Siedlungen der Neuen Heimat. Viele der Gebäude werden jetzt abgerissen, aber die Vergangenheit bleibt präsent. 

„Tatsächlich war die Vereinbarung der deutschen SS und der italienischen Polizei-Spitze von Juni 1939, das lästige Problem der österreichischen Minderheit in Südtirol durch Umsiedlung loszuwerden und durch ethnische Flurbereinigung aus der Welt zu schaffen, eine Perfidie sondergleichen“, brachte es Benedikt Erhard bei der Eröffnung der Ausstellung von Walter Pichler in der Telfer Villa Schindler vergangene Woche auf den Punkt. Bis heute belasten diese dramatischen Ereignisse die Südtiroler Gesellschaft – und auch manche Beziehungen zwischen den zwei Landesteilen.

Bis Ende 1939 sollte sich die Bevölkerung der nie ganz eindeutig definierten Optionsgebiete entscheiden: Für die reichsdeutsche Staatsbürgerschaft optieren und „heim ins Reich“ auswandern oder italienische Staatsbürger und in der Heimat bleiben. 75.000 wollten „heim ins Reich“.

22 Südtiroler Siedlungen in Nordtirol
In 22 Tiroler Gemeinden wurden für die, die kamen, Südtiroler Siedlungen von der Neuen Heimat, die „Siedlungsgesellschaft der Deutschen Arbeitsfront“, errichtet. In Telfs war der Bau von 150 Wohnungen geplant. Insgesamt entstanden 33 Häuser. Als Arbeitskräfte waren die Südtiroler Aussiedler willkommen. Bei der Bevölkerung stießen sie auf Ablehnung. Zeitzeugen wissen von Diffamierungen, erzählen von Anfeindungen. Einer der Gründe: Die Wohnungen der Zugezogenen waren auf dem modernsten Stand. Die Telfer Bevölkerung, darunter viele Textilarbeiter, aber war teilweise höchst prekär untergebracht. Das schürte Neid – und Missgunst. Nach dem Kriegsende kehrten viele Südtiroler wieder in ihre Heimat zurück. Aber willkommen waren sie auch dort wieder nicht!

Neue Heimat trägt der Geschichte Rechnung
Vor 80 Jahren wurden die Südtiroler Siedlungen gebaut. Die Gebäude sind in die Jahre gekommen. Die Modernisierung ist derzeit das größte Projekt der Neuen Heimat Tirol. Kein Projekt wie jedes andere. „Der Geschichte wird Rechnung getragen“, betont NHT-Chef Hannes Gschwentner. In Telfs werden die alten Häuser nach dem letzten Vorhang bei den Volksschauspielen abgerissen, ab 2020 dort Neubauten entstehen. „Die Modernisierung der insgesamt 17 von uns verwalteten Südtiroler Siedlungen ist aktuell unser größtes Bauprojekt. In Summe investieren wir hier in einem Zeitraum von 15 Jahren rund 260 bis 300 Millionen Euro“, verweist NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner auf die „dringende“ Notwendigkeit der Erneuerung. 

Kunst als Verbindung zur Vergangenheit
Jetzt verschwinden viele der alten Häuser. Einige sollen aber als sichtbares Zeichen eines prägenden Kapitels Tiroler Geschichte stehen bleiben. Gschwentner nennt etwa die Südtiroler Siedlung in Kematen. Diese steht unter Denkmalschutz und soll nun aufwendig saniert werden. Wo Gebäude verschwinden, da wird auf andere Weise erinnert. Gschwentner zählt zahlreiche Kunstprojekte auf, die die Geschichte der Optanten trotz Neubauten nicht vergessen lassen. In Telfs hat der Tiroler Künstler Franz Wassermann eine entwurzelte Weide kopfüber eingesetzt. Die Hoffnung: sie soll neu austreiben und Wurzeln schlagen. Ein starkes Symbol!

Monika Brüggeller
Monika Brüggeller
Claudia Thurner
Claudia Thurner
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