11.07.2019 12:00 |

LR Beate Palfrader:

„So etwas darf sich nicht mehr wiederholen!“

Wie ein Blitz eingeschlagen hat das Prüfungsergebnis der Gleichbehandlungskommission, die sexuelle Übergriffe bei den Tiroler Festspielen Erl durch den ehemaligen künstlerischen Leiter Gustav Kuhn bestätigte. „Das Ergebnis ist erschütternd und irritierend gleichermaßen“, stellte LR Beate Palfrader gestern sichtlich betroffen im Gespräch mit der „Tiroler Krone“ fest.

Die künstlerischen Leistungen der letzten Jahrzehnte bei den Tiroler Festspielen Erl lobte kein geringerer als Bernd Loebe, Direktor der Frankfurter Oper und Nachfolger von Gustav Kuhn in Erl ab Herbst. Und auch Festspiel-Präsident Hans Peter Haselsteiner schlägt in diese Kerbe.

Aber beim Blick hinter die Kulissen tun sich Abgründe auf! Am Faschingsdienstag 2018 ist es losgegangen: Da hat der Oberländer Blogger Markus Wilhelm einen anonymen Brief gepostet, der von desaströsen Zuständen bei den Tiroler Festspielen Erl sprach. In den folgenden Wochen bröckelte die Fassade des Festivals, das Jahr für Jahr Tausende Besucher auf die grüne Wiese lockte. Die Hauptvorwürfe richteten sich gegen den künstlerischen Leiter Gustav Kuhn. Sängerinnen warfen ihm sexuelle Übergriffe vor.

„Von Anfang an für lückenlose Aufklärung bemüht“
Gustav Kuhn schwieg eisern. Letztlich wurde der Druck zu groß. Er wurde erst als künstlerischer Leiter des Amtes enthoben und trat schließlich auch als Dirigent zurück. „Ich persönlich habe mich von Anfang an für lückenlose Aufklärung bemüht. Der Stiftungsvorstand hat selbst die Einschaltung der Gleichbehandlungskommission beschlossen“, ruft Palfrader in Erinnerung. Und die Kultur-Landesrätin weiter: „Die Konsequenzen seitens der Stiftung wurden nicht zuletzt durch meine Hartnäckigkeit im Vorstand gezogen. Für rechtliche Konsequenzen sind nunmehr andere Instanzen zuständig!“

Bei der Innsbrucker Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen gegen Gustav Kuhn bereits seit Monaten. Da der Fall von besonderem öffentlichem Interesse sei, wurde dem Justizministerium berichtet. Bisher habe man noch keine Rückmeldung erhalten. Wie lange dies noch dauert, könne man nicht sagen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber der APA.

Keine Folgen
Wichtig: Die Beurteilung der Gleichbehandlungskommission zieht, wie die „Tiroler Krone“ bereits gestern berichtete, keine rechtlichen Konsequenzen nach sich, da es sich nur um eine gutachterliche Feststellung handelt. Das heißt für die Geschäftsführerin der Tiroler Festspiele, Natascha Müllauer, auch, dass es keine Folgen haben wird. Maßnahmen wie die Einrichtung der Ombudsstelle, die Erstellung des Code of Conduct und die fristlose Entbindung von Kuhn von seinen Funktionen wurden von den Festspielen ja bereits ergriffen und werden vom Senat der Gleichbehandlungskommission auch dementsprechend begrüßt.

„Es ist eine Schande, was Kuhn in Erl über Jahre aufgeführt hat und dass es so lange gedauert hat, bis alles ans Tageslicht gekommen ist. Die Betroffenen sind durch die Hölle gegangen. Zuerst wurden sie belästigt und dann wurde auch noch versucht, ihre öffentlichen Aussagen anzuzweifeln und ihren Ruf zu ruinieren. Wir müssen alles daran setzen, dass sich so etwas nicht wiederholt“, appelliert der Grüne Kultursprecher Georg Kaltschmid, der Erl unter der neuen Führung auf einem gutem Weg sieht.

„Die Causa Erl, aber auch die Vorfälle in der Ballettschule der Staatsoper zeigen, dass der Kulturbereich für Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt offenbar sehr anfällig ist. Wir fordern deshalb eine unabhängige Opferschutzkommission mit einem Klagsrecht vor Gericht“, erklärt die Tiroler SPÖ-Abgeordnete Selma Yildirimzu den Vorfällen.

Moni Brüggeller, Kronen Zeitung

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