09.07.2019 06:38

Gorkis „Sommergäste“

Titovs Festspieldebüt: Vom Besucher zum Regisseur

Ein starker Platzregen bot Montagvormittag Maxim Gorkis „Sommergäste“ wahrlich keinen schönen Empfang. Der russische Regisseur Evgeny Titov, der das Stück auf der Pernerinsel zu Aufführung bringt, machte die düstere Wetterlage mit seiner erfrischenden Art allerdings schnell zur Nebensache.

„Ich bin ein bisschen nervös“, gestand er zu Beginn des Gesprächs in der Salzburg Kulisse. Verständlicherweise, so ist der 39-jährige doch erst vor sechs Wochen für Regisseurin Mateja Koležnik – sie musste krankheitsbedingt absagen - eingesprungen.

„Ich war total überrascht, als mich Bettina Hering kontaktierte, und kann es auch jetzt noch gar nicht fassen. Letztes Jahr war ich ganz normaler Besucher der Festspiele – ich erinnere mich noch, wie ich an einem heißen Sommertag mit dem klimatisierten Bus zu Frank Castorfs Aufführung auf die Pernerinsel gefahren bin – und jetzt darf ich hier inszenieren.

Es ist Wahnsinn“, sprudelt es ganz euphorisch aus ihm heraus.

Wenn er über seine Biografie spricht, wundert es allerdings kaum, dass er beim bedeutendsten Theaterfestival gelandet ist. Der gebürtige Kasache absolvierte zunächst eine Schauspielausbildung in St. Petersburg – Schläge beim Tanzunterricht inklusive. „Ich hatte Verständnis dafür, ich wollte schließlich was lernen.“

Das wurde ihm allerdings schnell „zu eng“. Also entschloss er sich für ein Regiestudium am Max Reinhardt Seminar in Wien.

„Ich habe wie verrückt Deutsch gelernt, wurde jedoch beim ersten Versuch abgelehnt und war zu Tode betrübt. Aber ich glaubte an mich und schaffte es beim zweiten Anlauf “, erzählt er.

Seine Willensstärke und Disziplin haben ihn mittlerweile an die besten Häuser gebracht: Er inszenierte unter anderem Arthur Millers „Hexenjagd“ am Düsseldorfer Schauspielhaus, oder zuletzt Molières „Der eingebildete Kranke“ am Staatstheater Wiesbaden.

Und was erwartet nun das Salzburger Festspielpublikum? „Gorki spiegelte mit seinen „Sommergästen“, die elitäre, neureiche, russische Gesellschaft kurz vor der russischen Revolution wider, die während eines Landurlaubs aus Langeweile und mit viel Alkohol übers Leben, die Liebe und Zukunft sinniert, allerdings aber keine Taten folgen lässt. Im Endeffekt spricht er aber uns alle damit an. Wir sind alle Sommergäste solange wir über große Themen wie Klimawandel, Rassismus oder Hyperkapitalismus nur groß reden. Bewirken kann man letztendlich aber nur etwas, wenn jeder im Kleinen für sich handelt“, so Titov.

Den Zeigefinger will er dennoch nicht heben und auch Lösungsvorschläge bietet er keine an.

„Ich gebe keine Antworten. Ich möchte vielmehr jeden Einzelnen zum Nachdenken anregen.“

Unweigerlich wird auch dem Thema Feminismus eine Bühne und somit rege Diskussion geboten.

Tina Laske

Tina Laske
Tina Laske

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