01.07.2019 06:26

Konsequenzen gefordert

Japan „harpuniert“ kommerzielles Walfangverbot

Mit 1. Juli gibt die japanische Regierung grünes Licht für die Wiederaufnahme kommerzieller Walfangaktivitäten und bricht dabei mehrere Tabus. Der Inselstaat, dessen Austritt aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) nach 68 Jahren Mitgliedschaft mit Monatsende wirksam wird, widersetzt sich dem Walfangmoratorium, einem international gültigen Verbot der kommerziellen Jagd auf Großwale.

Japan ist somit der erste Staat, der außerhalb des international für die Regulierung des Walfangs zuständigen Gremiums für kommerzielle Zwecke Bartenwale tötet. Während sich die beiden europäischen Länder Island und Norwegen mittels Vorbehalten gegenüber der Übereinkunft ebenfalls Walfangquoten für kommerzielle Zwecke genehmigen und dafür nicht minder in der Kritik von Walschützern stehen, verlässt Japan nun gänzlich die internationale Bühne der Zusammenarbeit. Die Meeresschutzorganisation „OceanCare“ ruft die internationale Staatengemeinschaft auf, Japans Alleingang nicht reaktionslos zu akzeptieren und gleichzeitig für eine fundamentale Neuausrichtung der IWC einzutreten.

„OceanCare“ wünscht klares Signal anderer Länder
„Japan harpuniert Wale und mit dazu die Walfangkommission“, sagt Nicolas Entrup, Senior Ocean Policy Expert von „OceanCare“, und sorgt sich über die Folgewirkungen von Japans Alleingang. „Jetzt wird sich zeigen, welchen Stellenwert der Walschutz für die internationale Staatengemeinschaft hat. Wir erwarten uns ein erstes klares Signal am G20-Gipfel, der diese Woche in Osaka, Japan, beginnt.“

Übereinkommen zeigt Wirkung
Die Übereinkunft zählt zu den größten Errungenschaften des internationalen Artenschutzes. Wurden vor Inkrafttreten durchschnittlich mehr als 30.000 Großwale pro Jahr erlegt, so sind es heute noch etwa 1500 weltweit. „OceanCare“ zeigt sich auch besorgt über die Tatsache, dass alle drei Walfangstaaten – Island, Norwegen und Japan – auch das international gültige Verbot des Handels mit Walprodukten nicht akzeptieren und umgehen.

Neuorientierung der Internationalen Walfangkommission?
„So wird die internationale Zusammenarbeit für die Erhaltung gefährdeter Arten ausgehöhlt und untergraben“, kritisiert Fabienne McLellan, Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei „OceanCare“. Die Organisation fordert von den IWC-Mitgliedstaaten eine vollständige Neuorientierung der Internationalen Walfangkommission, die sämtliche Formen des Walfangs -  ausgenommen sind indigene Völker, die sich damit versorgen - dauerhaft unterbindet. Außerdem wird eine Neuausrichtung erwartet, durch die sich die IWC den zahlreichen weiteren Gefahren widmet, welche die Waltiere bedrohen. Auch soll die Kommission mit einem Vollzugsgremium ausgerüstet werden, das die Implementierung von Beschlüssen prüft und bei Nichteinhaltung Sanktionen setzen kann.

„Der Austritt darf nicht folgenlos bleiben!“
„Die Wirkung internationaler Beschlüsse steht und fällt mit ihrer Umsetzung. Das gilt für sämtliche Artenschutzübereinkommen. Bleibt Japans IWC-Austritt ohne Folgen, verliert der internationale Artenschutz seine Glaubwürdigkeit. Ein zu hoher Preis“, moniert Entrup.

„OceanCare“ präsentiert Zahlen und Fakten:

  • Auf der Abschussliste stehen Bartenwale wie Zwerg-, Sei- und Brydewale
  • Gejagt wird in den Küstengewässern und in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, 200 Meilen) Japans
  • Die Jagd wird das ganze Jahr hindurch erlaubt sein, bis die Quoten erreicht sind
  • Mit dem IWC-Austritt werden die Walfänger nicht mehr dem Verbot des Fangs bestimmter Arten unterliegen. Damit geraten auch andere Arten ins Visier der Waljäger, wie zum Beispiel Grindwale und Zahnwale wie Baird-Schnabelwale. Aktuell lässt sich nicht einschätzen, wie viele Wale Japan künftig töten wird
  • Seit Inkrafttreten des kommerziellen Walfangverbots 1986 hat Japan über 17.000 Wale zu wissenschaftlichen Zwecken getötet
  • Dieser „wissenschaftliche“ Walfang hat kaum Publikationen in begutachteten (peer reviewed) Fachzeitschriften erbracht
  • Auch der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat 2014 Japans Walfang in der Antarktis wegen fehlender Wissenschaftlichkeit verurteilt und Japan aufgefordert, dieses Programm einzustellen.
  • Japan importiert auch weiterhin Tausende Tonnen Walfleisch aus Island und Norwegen. Die drei Länder haben jeweils einen Vorbehalt gegenüber dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) eingereicht und sind damit formal nicht an das Handelsverbot gebunden. Seit Jahren streben die Walfangnationen danach, neben dem Walfangmoratorium auch das Handelsverbot aufzuheben. Nimmt dieser unregulierte Handel weiter zu, wird die Wirksamkeit von CITES massiv beeinträchtigt
  • Japans kommerziellen Walfangansprüchen steht kein Bedarf an Walfleisch in Japan oder anderswo auf der Welt gegenüber
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