22.06.2019 19:00 |

styriarte in Graz:

Fux-Oper als göttlicher Triumph der Tugend

Als Schöpfer von geistlichen Kompositionen ist der Steirer Johann Joseph Fux hinlänglich bekannt. Mit seinem Bühnenwerk „Dafne in Lauro“ tritt die styriarte zum Auftakt ihres Festivals dieses Jahr erneut den Beweis an, dass auch seine musikdramatischen Stücke es wert sind, wiederentdeckt zu werden.

Der Meister höchstpersönlich betritt die Bühne. Es ist ein irritierender Moment, wenn Schauspieler Christoph Steiner als Johann Joseph Fux halb erklärend, halb in vorauseilendem Gehorsam besänftigend und leider auch Sponsoren nennend die Oper monologisch eröffnet. Nötig wäre dieser kleine szenische Einwurf an einem ansonsten gelungenen Abend nicht gewesen.

Pure Freude im Orchester
Und so ahnt man nichts Gutes, als sich Dirigent Alfredo Bernardini beim Auftritt auch noch kurz in einer Dekoration verheddert. Sollten die rhythmischen Fallstricke in Fuxens Partitur noch für weitere Fauxpas sorgen? Doch die Angst erweist sich glücklicherweise als unbegründet, denn wie das Barockorchester Zefiro die Partitur in Folge entwirrt, ist pure Freude. Vom großzügig ausgekosteten Adagio in Apollos Arie „Ferma, o cara“ bis hin zum lyrischen Zwitschern in Dafnes „Và prigioniero“ werden alle musikalischen Feinheiten dieses göttlichen Siegs der Tugend über das Begehren klar herausgearbeitet.

Die Primadonna und der eitle Gockel
Das Sängerensemble steht dem famosen Orchester dabei in nichts nach. Arianna Vendittelli ist eine veritable Primadonna, die strahlen kann, wenn es die Arie erfordert, aber gerade in den Duetten und im Lamento die große Kunst der Zurücknahme beherrscht. Nicht von ihrer Seite weichend brilliert Raffaele Pe als eitler Gockel Apollo mit dunkel timbriertem Altus, der aber locker die nötige Sicherheit für die hohen Lagen besitzt. Monica Piccinini als Diana und Sonia Tedla als Amor komplettieren die hohen Stimmlagen, der wandlungsfähige Tenor von Valerio Contaldo als Mercurio rundet das famose Ensemble ab.

Zufriedene Premierengäste
Szenisch weiß Regisseur Wolfgang Atzenhofer zunächst nicht allzu viel mit dieser Oper anzufangen. Erst im zweiten Teil des Abends fügen sich seine Ideen mit den variantenreichen Videobildern und den von Jörg Weinöhl hervorragend einstudierten Tänzerinnen zu einem stimmigen Ganzen. Die Ausstattung von Lilli Hartmann hilft bei der Charakterzeichnung, dass genau Dafne mehr an Froschkönigin auf der Müllhalde als an eine tugendhafte Nymphe erinnert, ist jedoch schade.

Dem Erfolg des Abends tat dies jedoch keinen Abbruch. Man darf annehmen, dass Meister Fux (der echte!) zufrieden gewesen wäre. Die Premierengäste waren es - zu Recht.

Roland Schwarz

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