23.06.2019 14:15 |

996 Mal am Gipfel

Der „Mister Großvenediger“ aus Prägraten

Nur vier Besteigungen fehlen für die runde Zahl : Bergführer Sigi Hatzer hält derzeit bei 996 (!) Gipfelsiegen auf dem Großvenediger. Im Juli soll die 1000er-Schallmauer fallen.

Mit 3657 Metern ist der „Venediger“, wie ihn die Einheimischen kurz nennen, der vierthöchste Berg Österreichs. Er prägt auch den Namen des Heimatorts von Sigi Hatzer – Prägraten am Großvenediger. Dort dreht sich sehr viel um den dank seiner ebenmäßigen Form mit vier Graten möglicherweise schönsten rot-weiß-roten Berg. Im Leben des heute 54-jährigen hauptberuflichen Bergführers Hatzer nimmt er in jedem Fall eine dominierende Rolle ein. Kein Wunder – im Alter von 14 stand Sigi zum ersten Mal ganz oben. Weitere 995 Gipfelsiege folgten seither. So viele, wie wohl kaum ein anderer Alpinist in den Beinen hat.

Die meisten Venedigertouren machte Hatzer im Sommer und mit Gästen. Kein Wunder, dass Sigi auch Chef der Vereinigung der „Venediger Bergführer“ ist.


„Technisch weist der Venediger keine sonderlich großen Schwierigkeiten auf. Die vielen Spalten auf den riesigen Gletscherflächen sind jedoch sehr tückisch“, weiß Sigi Hatzer. So erfordert die Spuranlage gerade nach Neuschneefällen viel Gespür und Erfahrung.

Start im Defreggerhaus
Über all das verfügt der zweifache Familienvater, der sich bei geführten Touren mit seinen Gästen aus aller Welt in der Regel am Defreggerhaus (2964 m) trifft, um am folgenden Tag mit ihnen in maximal drei Stunden den Venediger zu „machen“. Dabei stellt der Gipfelgrat das Kriterium dar, der sich im Spätsommer – sobald er völlig ausgeapert ist – eisig und manchmal nur zwei Schuhe breit präsentiert. Daneben „pfeift“ es ungefähr 400 Meter in die Tiefe.


„Bei solchen Verhältnissen weiche ich mit Gästen, wenn sie sich nicht wohl fühlen, über ein Felsband aus“, sagt Sigi, einer der wenigen hauptberuflichen Bergführer Tirols. Ohne Anseilen geht am Venediger an sich gar nichts. Dennoch trifft Hatzer oft auf Bergsteiger, die darauf verzichten. Während er selbst und seine Gäste den Gipfel bisher stets unfallfrei erreichten und wieder sicher ins Tal kamen, erlebte er auf seinen Venedigertouren zahlreiche Tragödien.

Bittere Tragödien
„Wir Bergführer kommen oft zu Unfällen, sehen Tote oder müssen in den Spalten eingeklemmte Alpinisten befreien.“ Welch bitterer Kontrast zum großartigen Gipfelglück, das bei den Sonnenaufgangstouren der Venediger Bergführer besonders intensiv ausfällt. Intensiv war es auch, als Sigi in jüngeren Jahren an einem Tag zwei Skitouren vom Tal aus zum Venediger unternahm. Rund 4500 Höhenmeter und 70 Kilometer (Aufstiege und Abfahrten) macht man schließlich nicht so nebenbei. Zweimal pro Tag vom Defreggerhaus zum Gipfel gehörte früher ebenfalls fast zum Standard.

Nicht vergessen wird Sigi außerdem die erste gemeinsame Venedigertour mit Gattin Michaela und den beiden Söhnen Lorenz (13) und Felix (9), die im August des Vorjahrs stattfand. Eine weitere Tour mit der bergbegeisterten Familie plant „Mister Großvenediger“ übrigens wieder für Besteigung Nummer 1000. „Die wird vermutlich heuer im Juli stattfinden“, lächelt er.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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