12.06.2019 10:55 |

Trauer um Theaterstar

Elfriede Ott im Alter von 94 Jahren gestorben

Elfriede Ott stand 70 Jahre lang auf der Bühne, spielte 60 Jahre lang Soloprogramme und ebenso lange TV-Rollen. In Erinnerung ist vielen vor allem ihr komisches Talent. In der Nacht auf Mittwoch verstarb die Doyenne des Theaters an der Josefstadt und eine der beliebtesten und vielseitigsten Schauspielerinnen des Landes mit 94 Jahren.

Hilde Spiel sagte einmal: „Sie besitzt die Fähigkeit, alle Seiten des wienerischen Temperaments, das Graziöse wie das Grantige, das Maliziöse wie das Sentimentale, das Raimund‘sche Gemüt wie das Nestroy‘sche Gift in rascher Aufeinanderfolge abzuwandeln.“ Die Wiener Uhrmacherstochter, die nach eigenen Angaben das Theaterspielen schon als Kind dem Verstecken oder Tempelhüpfen vorzog, brachte das Publikum in all diesen Varianten jahrzehntelang zum Lachen und Weinen.

Von der Uhrmacherin zum Theaterstar
Dabei schien ihr Weg nicht vorgezeichnet. Die gelernte Uhrmacherin Elfriede Ott kam am 11. Juni 1925 als Tochter eines Goldschmiedes in Wien zur Welt. Ihre Liebe zum Theater überwog trotz elterlicher Bedenken, und 1944 debütierte sie am Burgtheater in Gerhart Hauptmanns „Die goldene Harfe“. Ott spielte auch in Goethes „Stella“, in Grillparzers „Sappho“ oder in Shakespeares „Sommernachtstraum“. Ihre Partner waren Kapazunder wie Raoul Aslan, Oskar Werner und Curd Jürgens.

„Mein Theater war und ist die Josefstadt“, bekannte Ott einmal in einem Interview. Dort fand sie 1958 ihre künstlerische Heimat und gehörte seit damals als Ensemble- und Ehrenmitglied zu den unangefochtenen Publikumslieblingen. „Ich hab‘ so viel nicht gemacht, was ich gerne getan hätte. Ein Stück von Ibsen spielen oder einen Schnitzler. Ich war aufs Komödiantische festgelegt, die ernsten Rollen hat man mir vielleicht nicht zugetraut“, sagte sie. 

Kabarettstar, Indentantin und Publikumsliebling
Otts zweite Karriere begann in den 1950er-Jahren als Kabarettistin, unter anderem an der Seite ihres einstigen Ehemannes Ernst Waldbrunn. Nach der Scheidung 1964 schlug die Spezialistin des klassisch-wienerischen Genres die nächste Richtung ein und gab Abende als Diseuse, gemeinsam mit Julius Patzak oder Waldemar Kmentt.

Ihre Soloprogramme wurden großteils von „Lebensmensch Hans Weigel“ zusammengestellt, mit dem sie bis zu seinem Tod 1991 liiert und das gemeinsame letzte halbe Jahr auch verheiratet war. Er galt als Otts „Erfinder“ und gestaltete für sie das legendäre Programm „Phantasie in Ö-Dur“, das zu einem Markenzeichen der Partnerschaft Ott-Weigel wurde. Mit Weigel gründete Ott 1983 auch die Festspiele „Nestroy auf Liechtenstein“, deren Intendantin sie bis zur letzten Vorstellung 2012 war.

1985 gründete Ott die Schauspielabteilung des Wiener Konservatoriums und leitete sie bis 2004, danach folgte das „Studio der Erfahrungen“. Ott kann auf viele Schüler stolz sein, darunter Andre Heller, Nicolas Ofczarek, Christoph Friedl oder Sandra Cervik.

2013 gab Ott Abschied von der Bühne bekannt
Ott wurde unter anderem mit dem Professorentitel, dem Titel Kammerschauspielerin, dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, der Josef Kainz Medaille, dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich oder der Goldenen Ehrenmedaille der Stadt Wien ausgezeichnet. Anlässlich ihres 60-Jahr-Jubiläums im Theater in der Josefstadt erhielt sie den Titel „Doyenne der Josefstadt“.

Gebeutelt von einigen körperlichen Gebrechen gab Ott 2013 ihren endgültigen Abschied von der Bühne bekannt. Untätig blieb die Frau mit dem vitalen Naturell aber auch danach nicht: Sie malte und schrieb einige populäre Bücher. Ihr später Wunsch, das Publikum solle von ihr in Erinnerung behalten, „dass ich viele Menschen zum Lachen gebracht haben“, dürfte der Schauspiellegende jedenfalls gelungen sein.

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