01.06.2019 19:06 |

Drama auf der Donau

Kapitän hätte Überholmanöver ankündigen müssen

Nach dem dramatischen Untergang eines Ausflugsdampfers in Budapest ist der Kapitän des Donau-Kreuzfahrtschiffes am Samstag offiziell zum Verdächtigen geworden. Die Justiz habe Ermittlungen wegen „grober Fahrlässigkeit“ aufgenommen, teilte ein ungarischer Gerichtsvertreter mit. Bei dem Unglück waren am Mittwochabend sieben südkoreanische Touristen gestorben, 21 Menschen werden noch immer vermisst.

Der 64-jährige ukrainische Kapitän der Viking Sigyn war am Donnerstag in Gewahrsam genommen worden, gegen ihn wird wegen „krimineller Fahrlässigkeit auf einer öffentlichen Wasserstraße“ ermittelt. Der Anwalt des Kapitäns erklärte, dass das Gericht seinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution abgewiesen habe.

Überholmanöver hätte angekündigt werden müssen
Der Verdacht gegen den Kapitän begründet sich ungarischen Medien zufolge darauf, dass die Besatzung der Sigyn laut den Schifffahrtsbestimmungen Funkkontakt zum Ausflugsdampfer aufnehmen hätte müssen, da dieser vor dem Kreuzfahrtschiff fuhr. Demnach müsse das hintere dem vorderen bzw. parallel fahrenden Schiff ein geplantes Überholmanöver ankündigen, ebenso, auf welcher Seite dies erfolgen soll.

Die Daten des elektronischen Navigationssystems des Kreuzfahrtschiffes und die im Steuerhaus gesicherte Tonaufnahme würden beweisen, dass der Kapitän nicht einmal den Versuch einer Kontaktaufnahme unternommen habe. Die Sigyn-Mannschaft habe auch nicht die Sirene betätigt, um andere in der Nähe fahrende Schiffe zu warnen. Auch die Polizei sei nicht informiert worden.

„Kapitän verantwortlich für Tragödie“
In diesem Fall trage der Kapitän eindeutig die Verantwortung für die Tragödie, so ungarische Medien. Er habe sich anstelle der Hilfeleistung vielmehr mit seinem Schiff 500 Meter vom Unfallort entfernt und Anker geworfen. Die Polizei sei erst zehn Minuten nach dem Zusammenstoß vom Passagier eines anderen Ausflugsdampfers informiert worden. Die Rettung wiederum hätten die Besatzungen und Passagiere anderer Ausflugsdampfer begonnen.

Zu dem Unglück war es am Mittwochabend gekommen, als das kleine Ausflugsschiff Hableany (Nixe) mit dem wesentlich größeren Flusskreuzfahrtschiff Viking Sigyn zusammenstieß. Das Ausflugsschiff versank binnen Sekunden.

Elitetaucher suchen nach Opfer
Die Suche nach den 21 Vermissten wurde unterdessen ausgedehnt. Da es sich bei den meisten Opfern um südkoreanische Touristen handelte, unterstützten Spezialisten von Marine und nationaler Feuerwehr aus Südkorea die Rettungsaktion der ungarischen Behörden. Weiters stehen zehn Cobra-Taucher in Budapest bereit.

Die Suche an der Oberfläche der Donau soll auf einer Strecke von bis zu 50 Kilometern flussabwärts fortgesetzt werden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Ungarns Behörden arbeiten auch mit Serbien zusammen, weil nicht ausgeschlossen werde, dass Leichen bis in das Nachbarland treiben könnten.

 krone.at
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