Di, 21. Mai 2019
14.05.2019 11:00

Studie

Jugendliche sehen EU positiver als Ältere

Europas „Junge“ im Alter von 14 bis 24 Jahren sind zwar pro-europäischer eingestellt als die Älteren (25 bis 50), beteiligen sich aber weniger an den EU-Wahlen. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage im Rahmen eines EU-Projektes, an dem die Fachhochschule (FH) Salzburg als Partner beteiligt ist.

Weiters sind junge Europäer mit dem Phänomen einer anti-demokratischen Radikalisierung stärker konfrontiert als die Älteren. Das gilt auch für Österreich.

Die Einstellungen zu Politik und Gesellschaft unter Jugendlichen, die Gründe für anti-demokratische Radikalisierung sowie Strategien für eine demokratische Inklusion sind Gegenstand des EU-Projekts „Partnership Against Violent Radicalization in the Cities“ (PRACTICIES). Qualitative und quantitative Analysen unter Jugendlichen zeigen ein differenziertes Bild. Die Umfrage unter 12.000 Personen in zwölf Ländern (Deutschland, Österreich, Belgien, Dänemark, Spanien, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Polen, Portugal und Tschechien) wurde in diesem Kontext im Frühjahr 2018 vom Meinungsforschungsinstitut TNS Kantar mit besonderem Blick auf Jugendliche (14 bis 24 Jahre) durchgeführt.

Bei der bevorstehenden EU-Wahl am 26. Mai werde sich das bisherige Wahlverhalten der Jungen in der EU aller Voraussicht nach nicht gravierend ändern, auch nicht in Österreich, erklärte Markus Pausch, Professor an der FH Salzburg. 29 Prozent der wahlberechtigten Jugendlichen unter 25 Jahren beteiligten sich in Österreich an der EU-Wahl im Jahr 2014. Österreich lag hier im EU-weiten Schnitt. Der Studie zufolge sind die 14- bis 24-Jährigen in Österreich aber überdurchschnittlich „stolz “darauf, Europäer zu sein. 42 Prozent kreuzten diese Frage mit „Ja“ an, das sind um fast zehn Prozentpunkte mehr als der europaweite Schnitt in dieser Altersgruppe, der bei 33 Prozent liegt.

Allerdings ist die Gruppe der 14- bis 24-Jährigen vom politischen Parteiensystem weiter entfernt als die Gruppe der Älteren. Wenn die „Jungen“ zur Wahlurne gehen, „dann wählen sie polarisierter“. Die jungen Wähler mit einem „geringeren formalen Bildungsabschluss“, also mit einem Pflichtschul- oder Lehrabschluss, wählten eher die Freiheitlichen, die für einen Rückzug auf den Nationalstaat plädierten, so Pausch. Junge Wähler mit einem „höheren formalen Bildungsabschluss“ - einer Matura oder einem Studium - tendierten zu den Grünen oder liberalen Parteien wie den NEOS, also jenen politischen Bewegungen, die progressive Vorstellungen hätten, was die Zukunft der EU betrifft .

Diese Tendenz sei bei allen europäischen Wählern im Alter von 14 bis 24 Jahren feststellbar, sagte Pausch. Die Parteien der Mitte wie die Volkspartei oder die Sozialdemokratische Partei „verlieren in dieser Altersgruppe an Bedeutung“. „Die Großparteien werden mit einem unpopulär gewordenen Parteienapparat assoziiert.“ Die Ansicht, dass man ohne Parteibuch weniger Chancen im Leben habe, gelte nicht mehr für die junge Generation in Europa. Das geringere Interesse an der EU-Wahl habe auch mit der Globalisierung zu tun. „Viele haben den Eindruck, die EU sei ein Agent der Globalisierung und die nationalen Regierungen hätten ohnehin wenig Spielraum. Es gibt in Europa die Tendenz, dass neue Parteien bei den Jüngeren mehr Zulauf haben.“

Was das Wertesystem der 14- bis 24-Jährigen betrifft, so seien in dieser Altersgruppe in Österreich einige kleine „Ausreißer“ im Vergleich zum EU-Schnitt feststellbar. Auf die Frage, wie wichtig die Rechtsstaatlichkeit für sie sei, antworteten 85 Prozent mit „sehr wichtig“. Der EU-Schnitt liegt hier bei 89 Prozent. Die Zustimmung der 25- bis 50-Jährigen sei mit 94 Prozent in der EU und auch in Österreich mit 93 Prozent deutlich höher, erklärte Pausch. Seine Interpretation: Einerseits würden Werte wie Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bei den Jüngeren als selbstverständlich erachtet, anderseits sei bei ihnen die Skepsis gegenüber den Institutionen der repräsentativen Demokratien und gegenüber den etablierten Großparteien stärker ausgeprägt als bei den Älteren.

Auffallend sei auch, dass in Österreich bereits 17 Prozent der 14- bis 24-Jährigen eine radikalisierte Person kennen, bei den 25- bis 50-Jährigen sind es mit 8,3 Prozent „deutlich weniger“. „Wir in Österreich haben hauptsächlich ein Problem mit dem Rechtsextremismus“, sagte Pausch. 37 Prozent der 14- bis 24-Jährigen und auch der 25- bis 50-Jährigen kennen der Studie zufolge mindestens eine Person in ihrem Umfeld, die solche Ideen vertreten. Europaweit sind es 27 beziehungsweise 32 Prozent. Dieses Phänomen habe die Flüchtlingsbewegung noch verstärkt, meinte Pausch. 30 Prozent von Österreichs Jungen würden auch mindestens eine Person kennen, die eine fundamentalistische religiöse Idee vertritt, bei den Älteren seien es 17 Prozent. EU-weit kennen 24,5 Prozent der Jüngeren und 24 Prozent der Älteren eine solche Person.

Die 14- bis 24-Jährigen in Österreich legen auch weniger Nationalstolz an den Tag als ihre Altersgruppe im EU-Schnitt (64 Prozent/75 Prozent). Auch die Religion ist ihnen weniger wichtig. „Die postmodernen Werte sind in Österreich wichtiger geworden. Länder mit einem hohen Wohlstand wie Österreich haben auch eine höhere Säkularisierung“, sagte Pausch.

Die FH Salzburg hat Präventionsmaßnahmen gegen radikale und extreme Tendenzen bei den Jüngeren mit verschiedenen Städten ausgearbeitet. Das „Practices“-Projekt läuft bis April 2020. Die Umfrage wurde im Frühjahr 2018 bei jeweils 500 Personen im Alter von 14 bis 24 Jahren und von 25 bis 50 Jahren durchgeführt.

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