26.03.2010 16:53 |

Unterirdisch

Gruseln in der Moskauer U-Bahn mit "Metro 2033"

Menschen mit Angst vor engen, dunklen Räumen brauchen gar nicht erst weiterzulesen. Sie werden mit "Metro 2033" ohnehin keine Freude haben. Allen anderen sei der mit der Ur-Angst des Menschen vor der Dunkelheit spielende Horror-Shooter aus dem Hause THQ wärmstens empfohlen.

Wir schreiben das Jahr 2013. Der von Hollywood-Regisseur Roland Emmerich prognostizierte Weltuntergang ist ausgeblieben, doch die Menschheit hat es kaum besser erwischt. Kernspaltung sei Dank, wurde die Erdoberfläche in eine giftige Wüste verwandelt. Wer noch lebt, flüchtet sich in die Tiefen der Moskauer U-Bahn.

Dort, in den dunklen und beklemmenden Tunneln der Metro, erblickt Artjom das Licht der Welt. Im Untergrund aufgewachsen, ist er 20 Jahre nach der atomaren Apokalypse dazu bestimmt, die Grenzen seiner Metrostation zu verlassen und die Menschheit vor einer neuen Bedrohung zu bewahren.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman des russischen Autors Dmitri Alexejewitsch Gluchowski aus dem Jahr 2007, beginnt ein verstörender Trip durch die vor Mutanten, Banditen und anderen Gefahren nur so wimmelnden Katakomben der U-Bahn bis hin zu den nicht minder abstoßenden Ödnissen darüber. Ein paar notdürftig zusammengeflickte Waffen, eine Taschenlampe sowie eine Atemmaske sind dabei nahezu alles, was Artjom zum Überleben in dieser menschenfeindlichen Umwelt bleibt.

Munition statt Rubel
"Metro 2033" entpuppt sich dabei als Mix aus Survial-Horror und Shooter, bei dem die ukrainischen Entwickler von 4A Games großes Augenmerk darauf gelegt haben, die an allen Ecken und Enden vorherrschende Ressourcenknappheit des postapokalyptischen Szenarios realistisch darzustellen. Der Rubel rollt demnach auch schon lange nicht mehr, stattdessen werden in den heruntergekommenen Metrostationen Waren aller Art, darunter Medipacks oder Waffen-Upgrades wie Schalldämpfer, gegen die einzig relevante Währung an einem solch gottverlassenem Ort wie diesem eingetauscht: Munition.

Da war doch was, oder?
Fernab der Menschenansammlungen und wieder auf sich allein gestellt, entpuppt sich das Spiel - vor allem auf Geräuschebene - als Lehrstück in Sachen subtiler Horror. Akustische Schrecken, die aus nahezu jedem dunklen Winkel hervorzukriechen scheinen, das langsam aber stetig an den Nerven zerrende Dröhnen der Stromgeneratoren unter Tage oder der metallische Klang des eigenen Keuchens in der Gasmaske sind nur ein paar Beispiele dafür, wie "Metro 2033" die Psyche des Spielers attackiert.

Damit das Grauen auch in optischer Hinsicht perfekt wird und der Spieler voll und ganz in die Geschichte eintauchen kann, wurde zudem weitgehend auf direkte Anzeigen verzichtet. Die Mini-Map präsentiert sich etwa als Kompass, der auf Knopfdruck hervorgeholt und notfalls mit Hilfe eines antiquierten Feuerzeuges in der Linken beleuchtet werden kann. Feines Kondenswasser an der Innenseite der Gasmaske oder Sprünge in deren Glas deuten hingegen darauf hin, dass der Filter oder besser gleich die ganze Maske ausgetauscht werden sollte, insofern man nicht vor hat, einen qualvollen Erstickungstod zu sterben.

Unten hui, oben pfui
Auch fernab solcher Details macht "Metro 2033" über weite Strecken eine optisch gute Figur und punktet vor allem mit seinem hübschen Schattenspiel sowie dem detailliert in Szene gesetzten "Stadtleben" in den Metrostationen. An der Oberfläche lässt das Texturniveau zuweilen jedoch zu wünschen übrig und wirkt etwas mau.

Treffen leicht gemacht
Wirklich haarsträubend ist jedoch nur die KI der menschlichen Gegner, was immer wieder dazu führt, dass diese Artjom bereitwillig ihren Rücken als Zielscheibe entgegenhalten, konfus umherlaufen oder das Feuer gleich ganz einstellen. Amüsanterweise gilt dies nicht für die offenbar von niederen Instinkten getriebenen Mutanten. Die Biester sind vielmehr oftmals so zäh und zahlreich, dass Flucht oder die Suche nach einem Versteck häufig als sinnvollere Option erscheint.

Fazit: Eine gute Geschichte, ein spannendes Szenario und jede Menge Grusel der unterschwelligen Sorte heben "Metro 2033" positiv von der Masse des Shooter-Einheitsbreis ab. Dass bei der KI etwas zu offensichtlich geschlampt wurde, ist zwar schade; anspielen sollte man den Titel allein der Atmosphäre wegen aber trotzdem. 

Plattform: Xbox 360 (getestet), PC
Publisher: THQ
krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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