29.04.2019 08:21 |

Bub (11) tauchte unter

Kritik an Abschiebung von gut integrierter Familie

Gesetz ist Gesetz, aber Recht nicht immer Gerechtigkeit. Das empfinden viele, die eine armenische Familie kennen, die in Graz lebte und sich bestens integriert hatte. Doch nach einem dreijährigen Verfahren fiel der Bescheid negativ aus, und das bedeutete Abschiebung. In Panik flüchtete der Sohn (11) nach Wien. Sonntagabend wurde die Familie abgeschoben.

„Was für eine nette Familie“, sagt Robert O. (64), der die Armenier vor einigen Monaten kennengelernt hatte: „Ich hab’ sie gerne finanziell unterstützt und war dabei, wie sich alle vorbildlich integriert haben. Der Vater hat den Führerschein gemacht, hätte bei einer Spedition anfangen können. Die Kinder haben Deutsch gesprochen, und jetzt sind sie auf einmal alle weg. Ich stehe der Migration kritisch gegenüber, aber im konkreten Fall fehlen mir Verständnis und Akzeptanz.“

Vater bereits vor zwei Wochen abgeschoben
Seit dem Vorjahr gilt Armenien wieder als sicheres Land, und damit nahm für die sechsköpfige Familie das Schicksal seinen Lauf. Dem drei Jahre dauernden Verfahren um das Bleiberecht folgte nun ein negativer Bescheid. Das Familienoberhaupt (44) wurde bereits vor zwei Wochen in Schubhaft genommen und zurück nach Armenien geflogen.

Polizei vor Volksschule und einem Gymnasium
Am Freitag führten Polizeibeamte weiter ihre Befehle aus. In Graz-Liebenau wurden die Ehefrau (38) und eine Tochter (15) im Flüchtlingsheim, danach die sieben Jahre alten Zwillinge in der Volksschule abgeholt. Der elf Jahre alte Sohn sollte vor dem Keplergymnasium in Gewahrsam genommen werden, aber er konnte flüchten.

Mit dem Bus fuhr er nach Wien, versteckte sich bei einem Freund und wurde am Sonntag von der Polizei abgeführt. In den späten Abendstunden hob dann die Abschiebemaschine nach Jerewan ab.

„Die Ehrlichen müssen verschwinden. Warum?“
Zurück blieben Freunde, die das Gesetz nicht verstehen. Rechtskräftig verurteilte Asylwerber - Einbrecher, Diebe, Mörder - , sie bleiben oft in Österreich. Robert O.: „Und die Ehrlichen müssen verschwinden. Warum?“

Bischof für humanitäres Bleiberecht
Am Sonntag meldete sich auch der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl zu Wort: "Mit Betroffenheit haben wir in der katholischen Kirche Steiermark von der geplanten Abschiebung einer sehr gut integrierten Familie in Graz erfahren. Das Untertauchen des 11-jährigen Jungen, der in der Osterzeit noch als Ministrant am Altar seinen Dienst tat, ist dabei ein trauriger Höhepunkt. Einmal mehr bitten wir das humanitäre Bleiberecht auch zur Anwendung zu bringen. Auf vielen Ebenen und immer wieder haben Bischof, Caritasdirektor und diözesaner Integrationsbeauftragter das humanitäre Bleiberecht eingefordert. Wir werden das weiterhin tun, bis die Verantwortlichen erkennen, dass solche Fälle nur dann verhindert werden können, wenn bei aller Politik, das Augenmaß für Menschlichkeit nicht verlorengehen darf.

Manfred Niederl
Manfred Niederl
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