Katzen wirken Wunder

Das Glück kommt auf samtigen Pfoten

In 1,6 Millionen österreichischen Haushalten leben Katzen, tierische Therapeuten mit viel Einfühlungsvermögen und Kuschelfaktor.

Kater „Cäsar“ umstreicht seinen zweibeinigen Mitbewohner. Immer und immer wieder. Der 51-jährige Peter B. liegt erschöpft auf der Couch, ein Herzinfarkt in jungen Jahren und darauffolgende Angstattacken machen dem Wiener zu schaffen. „Cäsar“ gibt nicht auf. Obwohl er noch ein „Katzenteenager“ ist, schnurrt und kuschelt er, wärmt den Oberkörper des Rekonvaleszenten, beschützt sogar dessen Kopf mit seinem weichen Bäuchlein. Die Panik bei Peter lässt nach, sein Lebenswille kommt zurück.

Heute, zehn Jahre später, teilen beide, Kater und Katzenhalter, immer noch denselben Haushalt. Peter ist voll genesen. Jetzt benötigt sein schwarz-weißer vierbeiniger Freund Hilfe. „Cäsar“ hat mittlerweile ein chronisches Schmerzleiden entwickelt und muss Medikamente einnehmen. Obwohl er sich dadurch öfter aggressiv verhält und manchmal unsauber ist, wird er von „seinem“ Menschen liebevoll gepflegt.

Wie Mensch und Tier einander unterstützen
Nur eines von vielen Beispielen, wie Mensch und Tier in Synergie leben und einander unterstützen können. Die zertifizierte Tierpsychologin „Pet Coach“ Elke Söllner hat dies unzählige Male erfahren. Nun wurde daraus sogar ein Buch. „Die heilende Kraft der Katzen“ wird von der Expertin aus vielfacher Perspektive dargestellt und postuliert, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, was Katzenfreunden sowieso schon immer klar war: Tiere können Gefühle empfinden und Stubentiger vermögen bei inniger Bindung sogar unsere Emotionen aufzufangen.

Wer schon einmal einer Katze beim Einschlafen zugesehen hat, wird rasch bemerkt haben, dass sich ihre meditative Ruhe überträgt und wohltuend wirkt. Das lässt den Alltagsstress zurücktreten, erzeugt eine innere Wärme und nimmt Anspannung. Dabei wirken sich auch Schnurrlaute heilsam aus und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist zwar immer noch nicht gänzlich geklärt, wie die Töne tatsächlich zustande kommen (ein komplizierter anatomischer Vorgang an dem Zungenbein, Kehlkopf und Nervenimpulse beteiligt sind).

Als bewiesen gilt hingegen, dass die durch Schnurren ausgelösten Vibrationen Selbstheilungsprozesse beim Tier anstoßen. Zudem dürften damit vermehrt Endorphine, Botenstoffe im Gehirn, produziert werden, die entspannen, beruhigen und schmerzlindernd wirken. „Katzen schnurren also nicht nur, wenn sie zufrieden sind, sondern auch bei Schmerzen, Angst oder Stress“, warnt Elke Söllner vor Missverständnissen. Für Kinder ist der Umgang mit Samtpfoten allemal eine Bereicherung. Das Zusammenleben fördert die Entwicklung sowie das emotionale Wohlgefühl, wie sozialpsychologische Studien zeigen. Der Nachwuchs lernt Respekt, Rücksichtnahme, erlebt Urvertrauen. In sich gekehrte Kinder bekommen einen felligen Seelentröster und ziehen Selbstvertrauen aus der Mensch-Tier-Beziehung.

Mit „Sally“ kam endlich Ruhe ins Haus
Das trifft übrigens auch auf ältere Personen zu, die Freude und Lebenssinn durch den tierischen Hausgenossen wiedererlangen. Und zu guter Letzt therapieren sich unsere vierbeinigen Freunde bisweilen gegenseitig. Elke Söllner erzählt von einem großen, dreijährigen Rüden, der in ihre Familie kam, weil er aufgrund seiner ungestümen Art kein dauerhaftes Zuhause fand. Der Hund erzeugte viel Stress, die Situation war auch für die anwesenden Katzen belastend.

Bis „Sally“ kam. Sie wurde ausgesetzt gefunden und von einem Freund der Tierpsychologin übergeben. Die „Kätzin“ brachte vom ersten Moment an Ruhe in die Gemeinschaft. Sie umschmeichelte den Hund, verstand sich mit ihren Artgenossen und lehrte die Zweibeiner, sich in Geduld zu üben. „Lassen wir uns von unserer Katze inspirieren, die eine oder andere Einstellung zum Leben zu überdenken und uns von den Miezen in die Welt der Unbeschwertheit des gegenwärtigen Augenblicks entführen“, so Elke Söllner. Ein guter Rat in jeder Lebenslage.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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