So, 26. Mai 2019
25.04.2019 14:23

„Wollen faire Regeln“

Kartoffelbauern warnen vor weiteren Ernteausfällen

Die Angst in der Landwirtschaft wegen der Trockenheit in Teilen Österreichs steigt. Besondere Nervosität ist wegen trockenheitsbedingten Ernteausfällen im Vorjahr gegeben. Betroffen waren hier etwa Erdäpfel. 130.000 Tonnen waren nicht mehr zum Verzehr geeignet, weshalb es einen Versorgungsengpass mit heimischen Erdäpfeln gibt. Bei der heurigen Ernte drohen ähnliche Sorgen.

„Die Ernte vom Vorjahr fällt aus“, bedauerte Franz Wanzenböck, Obmann der Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau (IGE), im Gespräch mit der APA. „Die Zeit bis Ende Mai/Anfang Juni, bis es wieder heimische heurige Erdäpfel gibt, muss mit ausländischer Ware überbrückt werden.“

„Können ohne Pflanzenschutz Versorgung nicht sichern“
Wanzenböck und Vertreter des Niederösterreichischen ÖVP-Bauernbunds hatten am Donnerstag zum Aktionstag für gesunde Lebensmittel gerufen und dort symbolisch die letzten einheimischen Erdäpfel am Heldenplatz in Wien an Passanten verteilt, die auch über die heimische Landwirtschaft informiert wurden. „Wir wollen sagen, dass wir ohne sinnvollen Pflanzenschutz die Versorgung nicht mehr sicherstellen können.“

Unfair finden die heimischen Bauern - nicht nur die Kartoffelbauern - dass sie selbst mit strengen Vorschriften arbeiten, dann aber ausländische Ware importiert wird, die unter keineswegs so hohen Standards produziert wird. Die meisten Austro-Erdäpfel kommen aus Niederösterreich. Die dortigen rund 4000 Erdäpfelbauern bauen auf rund 20.000 Hektar gut 80 Prozent aller heimischen Kartoffel an.

„Es fehlt an sinnvollem Pflanzenschutz“
Der Erdäpfelbauer aus dem Raum Stockerau kritisierte, dass es eben an einem solchen „sinnvollem Pflanzenschutz“ fehle. Das habe im Rahmen der Trockenheit für die Ausbreitung des Drahtwurms gesorgt. Wanzenböck fordert „neue Mittel mit guten Wirkstoffen, die man in der Zulassung durchbringen kann“. Im Zulassungsprozess dürften nicht nur potenzielle Gefahren wie eine Bienengefährlichkeit gesehen werden, auch das Risiko, „das gleich Null ist“, müsse mitbewertet werden, so Wanzenböck.

„Das ist unsere Hoffnung. Zurzeit ist kein Mittel in Aussicht.“ Mittel, die zurzeit zur Verfügung stünden, „haben einen sehr schwachen Wirkungsgrad“. Was bedeutet das für die nächsten Erdäpfelernten heuer? „Dass das Risiko genauso hoch ist, wie voriges Jahr“, warnte Wanzenböck. Alexander Bernhuber - Spitzenkandidat des Niederösterreichischen Bauernbundes bei der EU-Wahl - fordert „faire Spielregeln für unsere Bauern, um die Versorgung mit heimischen Erdäpfeln weiterhin sichern zu können“.

Für die Kartoffeln ist die aktuelle Trockenheit aber immerhin vorerst noch nicht problematisch. Laut Wanzenböck brauchen die Grundbirnen erst ab der ersten Maiwoche mehr Wasser.

Drahtwurm-Ausbreitung durch Trockenheit begünstigt
Die Trockenheit und die Klimaerwärmung wird von wärmeliebenden Drahtwurm-Arten so stark ausgenützt, dass sie sich quasi explosionsartig auf dem Vormarsch befinden, sagte der Leiter des Instituts für Bioforschung Austria, Bernhard Kromp, im Ö1-„Mittagsjournal“. Besonders stark betroffen sind das Weinviertel, Marchfeld, Burgenland, Teile der Steiermark und Kärnten.

Kritik an der Bauernbund-Aktion kam vom Verband Alternativer Bauern Via Campesina. Wetterextreme, Ertragsschwankungen und Ernteverluste würden in Zukunft zunehmen. Die Ursache dafür liege aber nicht im Verbot von Pflanzenschutzmitteln, sondern in der Klimakrise und in der Handelspolitik. „Es ist es hoch an der Zeit, die Ursachen anzugehen.“

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