So, 19. Mai 2019
21.04.2019 06:01

Fertigstellung 2022

Bau-Desaster in Wien: „Löcher sind das Schlimmste“

Der Anblick ist erschütternd: Der Neue Markt in Wien ist zur Gänze aufgegraben. Für den Bau einer Garage liegt der Platz in Schutt und Asche. Für Jahre! Die Geschäfte und Lokale leiden jetzt schon ...

Tagsüber hat das Szenelokal Johann Frank seit April gar nicht mehr geöffnet. „Die Zahl der Besucher am Neuen Markt ist stark zurückgegangen. Der Zugang ist massiv beschränkt“, erzählt Geschäftsführer Yoshi Ercin. Sein Lokal ist quasi eingezäunt, vor dem Eingang stehen metertiefe Baugruben offen. „Die Löcher sind das Schlimmste“, sagt er. Der Neue Markt ist von vorne bis hinten komplett aufgegraben.

Ebenso ist die Tegetthofstraße, die zum Platz führt, gänzlich gesperrt und aufgerissen. Schon beim Albertinaplatz reihen sich riesige Baucontainer neben der Tourist-Info aneinander. Wo früher der Donnerbrunnen stand, liegt am ganzen Platz jetzt Bauschutt. Monströse Bohranlagen und Bagger wirbeln Staub auf. Der Lärm donnert im Schädel. Rohre und Leitungen liegen frei, Schotterhaufen, Schlammgräben und Baugerüste so weit das Auge reicht. Die Bauhölle vor den Türen kleiner Geschäfte und beliebter Gastronomen ist eine Zumutung für alle. Dabei ist das erst der Anfang. Der seit Jahrzehnten umstrittene Garagenbau und die Neugestaltung der Oberfläche zur Flanierzone dauern noch bis 2022 an.

„Würde den Platz auch meiden“
„Wenn ich nicht jeden Tag herkommen müsste, würde ich den Platz auch meiden“, sagt Omar Shoukry, Eigentümer des Top-Restaurants Le Bol. So wie alle Lokale, hat auch er heuer ein Baugerüst anstelle eines Schanigartens vor der Tür. Dass die private Tiefgarage für 364 Autos und 39 Motorräder errichtet wird „ist so“, aber die Mega-Baustelle ohne Einfriedung, Lärm- oder Staubschutz müsse doch wirklich nicht sein. Es gibt auch sonst für alles in Wien Vorschriften.

Wiener wie Touristen, die sich dem Neuen Markt nähern, blicken auf das Schottergrab vor ihnen und drehen wieder um. „Wahnsinn! Da wird eine Garage gebaut“, sagt ein Mann seiner Begleiterin. Besucher der Kapuzinergruft haben keine Wahl, als sich ihren Weg durch die Baustelle zu bahnen. Beim „Krone“-Lokalaugenschein berichten ausnahmslos alle Geschäfte und Lokale von geringerer Kundenfrequenz. Die Stimmung ist schlecht, die Zweifel am Garagenbau groß. Der Anblick des Wiener Aushängeschilds ist eine Schande.

Fertigstellung erst 2022
Es wurde Jahrzehnte debattiert. Noch 2006 ließ Ex-City-Chefin Ursula Stenzel über die Tiefgarage abstimmen. Ergebnis: negativ! 2012 ließ sie noch einmal abstimmen. Ergebnis: positiv für eine Garage, samt Verkehrsberuhigung der Oberfläche. Für Anrainer soll es günstige Stellplätze geben. An der Sinnhaftigkeit scheiden sich in der Inneren Stadt die Geister.

Fest steht, dass Garage und Flanierzone bis 2022 fertig sein sollen. „Mir ist klar, dass momentan wichtige Routen in der Inneren Stadt erheblich beeinträchtigt sind“, sagt Bezirksvorsteher Figl (ÖVP). Der Bezirk hat jedenfalls konsumfreie Sitzplätze, Trinkbrunnen und Pflanzentröge für die Oberfläche beantragt. Die Gestaltung wird derzeit aber erst noch ausgearbeitet. Der aktuelle Stand der Planung umfasst einen Teil als Fußgängerzone und einen Teil als Durchfahrts- und Haltemöglichkeit entlang der Citybus-Route.

Maida Dedagic, Kronen Zeitung

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