Idee vom Bürgermeister

Wien will jetzt eigene Tarife nur für Einheimische

Wien
17.11.2025 18:00

Wiens Kassen sind leer, die Preise steigen – und nun stellt Bürgermeister Michael Ludwig ein Modell in Aussicht, das Einheimische entlasten und Touristen stärker zur Kasse bitten könnte. Doch noch steht die EU im Weg. Warum das heikle Vorhaben jetzt Fahrt aufnimmt und warum das jeder Wiener mit offenen Armen begrüßen sollte. 

Die Diskussionen um die sogenannten Einheimischentarife werden ursprünglich auf anderen Höhenmetern geführt – Skigebiete wollen der eigenen Bevölkerung günstigere Tickets anbieten und verstärkt Touristen zur Kasse bitten. Geht nicht, sagt die EU, womit es für alle teurer bleibt. Denn diese Österreicher-zuerst-Karten würden gegen das EU-Diskriminierungsverbot verstoßen.

Zarte Signale aus der EU
Nun aber gibt es die ersten Hinweise darauf, dass dieses starre Geht-nicht-Prinzip aus Brüssel aufgeweicht wird. Erst vor wenigen Wochen hatte sich EU-Tourismuskommissar Apostolos Tzitzikostas in Innsbruck für Einheimischentarife in gewissen Regionen ausgesprochen. In den kommenden Monaten werde man die Situation neu bewerten.

Wiens Bürgermeister macht hier Druck
Bürgermeister Ludwig (SPÖ) kann sich ein solches Modell für die Stadt vorstellen, selbst wenn wir nicht mit vielen Skigebieten gesegnet sind. Er sagt: „Wir haben ja bereits in einigen Bereichen den Wienbonus. Den könnte man natürlich auf weitere Bereiche ausdehnen, vorausgesetzt die rechtlichen Rahmenbedingungen lassen es zu.“ Sein „vordringliches Ziel“, so sagt er, sei immer die „Unterstützung der Wiener Bevölkerung“. Vor allem angesichts der immer stärker steigenden Preise wäre eine Entlastung wünschenswert.

Wann wird das neue Budget beschlossen?

Der Budgetvoranschlag für das Jahr 2026 wird voraussichtlich Mitte Dezember im Gemeinderat behandelt. Mit dem formellen Beschluss in dieser Sitzung tritt das Budget mit 1. Jänner 2026 in Kraft und ist damit endgültig fix.

Wo könnten Wiener profitieren?
Wo die Einheimischentarife gelten könnten, ist allerdings noch völlig offen. Beispiele in anderen Ländern und Städten geben Möglichkeiten vor: günstigere Preise für Museen, Sportveranstaltungen, Stadtführungen, Events usw. In Venedig etwa zahlen Touristen weitaus mehr für die Öffis als die Lokalbevölkerung.

Wiens Schuldenberg wächst 
-15,137.977.172 Euro

Warum dieser Vorschlag aus dem Rathaus zu begrüßen ist, zeigt ein Blick den Budgetvoranschlag für das kommende Jahr. Eine Zahl mit neun Stellen nach dem Komma – so hoch sind die Schulden der Stadt. Tendenz steigend. Schon Renate Brauner hat dem Geldbörsel der Stadt Wien kein Glück gebracht. 2007 als SPÖ-Finanzstadträtin ins Amt gehievt, lag das Gesamtminus ein Jahr später bei 1,46 Milliarden Euro – und ist danach regelrecht explodiert. Von Wirtschaftskrise und Brauner hat sich das Budget nicht mehr erholt.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Rekordverschuldung im Jahr 2025
Mit Stand 2025 liegt Wien mit unglaublichen 15,1 Milliarden in den roten Zahlen. Minus 3,8 Milliarden Euro wurden für heuer angedroht, nach dem Spar-Diktat des Bürgermeisters konnte das auf 3,2 Milliarden etwas abgefedert werden.

Für nächstes Jahr ist keine Erholung in Sicht: „Das prognostizierte Defizit für die Stadt Wien nach Beschluss zahlreicher Konsolidierungsmaßnahmen wird 2026 rund 2,7 Milliarden Euro betragen“, heißt es aus dem Büro von Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ). Damit wäre Wien dann mit fast 18 Milliarden in den Miesen.

Zitat Icon

Die aktuellen Herausforderungen sind vor allem eine Folge der Finanzpolitik der vorigen Bundesregierung, die Steuerentlastungen umgesetzt hat, ohne für eine entsprechende Gegenfinanzierung zu sorgen.

Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ).

„Herausforderung für alle Länder und Gemeinden“
Für die Stadt sind die Probleme klar definiert: „Die aktuellen Herausforderungen betreffen alle Länder und Gemeinden. Die Ausgabendynamik bei den Kosten hat sich vor allem in jenen Bereichen wie Elementarpädagogik, Pflege und Gesundheit beschleunigt, die in den Kompetenzen der Länder liegen. Dazu gibt es auch eine WIFO-Studie, die das klar belegt.“

Und weiter: „Gleichzeitig steht die Republik vor dem größten Konsolidierungsbedarf seit 1945 und durchläuft derzeit, mit Ausnahme Wiens, die längste Rezession seit 1945.“ Alleine die Abschaffung der kalten Progression ohne Gegenfinanzierung würde die Stadt eine Milliarde Euro kosten – auf fünf Jahre gerechnet.

Auch die Zinsen fressen gewaltige Summen

Ein Schuldenberg von 15 Milliarden Euro verursacht natürlich enorme Kosten in Form von Zinsen. Im Fall von Wien sind dafür alleine für das Jahr 2026 sagenhafte 284 Millionen Euro budgetiert. Das ist mehr Geld als manchen Städten als Budget zur Verfügung steht. 

Noch weitere Teuerungen zu befürchten
Zu spüren bekommen das nun alle Wiener mit voller Wucht: Eine Jahreskarte kostet ab 2026 rund 100 Euro mehr, die Kosten für Einzelfahrscheine steigen um ein Drittel, Parkscheine verteuern sich um 30 Prozent, das Parkpickerl schlägt mit 156 Euro pro Jahr zu Buche. Der Wohnbauförderungsbeitrag wird um 50 Prozent erhöht und frisst 0,75 Prozent jedes Lohnzettels, während Fehlalarme bei der Feuerwehr um 50 Prozent mehr kosten.

Für viele Haushalte bedeutet das im Jahr mehrere Hundert Euro Zusatzbelastung – in einer Zeit, in der Mieten, Energie und Lebensmittel ohnehin Rekordhöhen erreichen. Und es ist zu befürchten, dass noch einige weitere Teuerungen auf die Wiener zukommen.

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