Fr, 19. April 2019
08.04.2019 19:30

Bestseller-Musical

Bei Musical das Unmögliche möglich gemacht

Ein Wagnis, das zu hundert Prozent aufgegangen ist: Das Landestheater Linz machte aus dem vielschichtigen Bestseller „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ von Edmund de Waal ein Musical und zeigte bei dessen Uraufführung, wie das Unmögliche möglich wird.

Der weit verzweigte Stammbaum der Ephrussi-Familie prangt vor Beginn der Vorstellung riesengroß am Vorhang, fast zweihundert Jahre Geschichte über die ganze Welt verstreut, unzählige Charaktere – das soll ein Musical werden? Klingt ziemlich anstrengend.

Ein Meister des Geschichtenerzählens
Doch die Zweifel sind völlig unangebracht: Denn Henry Mason, der den Weltbestseller „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ dramatisierte und Regie führte, ist ein Meister des Geschichtenerzählens und hat hundert kleine Kniffe parat, wenn es darum geht, zwischen Zeiten, Orten und Generationen zu wechseln. Mit Leichtigkeit führt er die Zuschauer durch die Familiengeschichte der Ephrussi, die einst steinreich waren und dann von den Nazis vertrieben und enteignet wurden.

Flotte Ohrwürmer
Thomas Zaufke schuf die fantastische Musik zum Stück, mit flotten Ohrwürmern, musiziert vom in luftiger Höhe sitzenden Orchester unter Christopher Mundy. Das Musical-Ensemble fegte stimmlich gut in Schuss mit traumwandlerischer Sicherheit durch die ständig wechselnden Szenen (Choreografie: Francesc Abós, Bühne und Kostüme: Jan Meier, Video: Valentin Huber). Immer präsent ist Christof Messner als Autor Edmund de Waal, der gleichzeitig als Erzähler fungiert.

„Man erbt keine Dinge, sondern Geschichten.“
Die humorvollen Momente gibt es vor allem zwischen ihm und Anaïs Lueken als seine Ehefrau Sue (außerdem als energische Elisabeth). Eine gönnerhafte Note verleiht Carsten Lepper seinem Charles in Paris, Riccardo Greco mimt den immer ernsten Viktor in Wien und Gernot Romic einen flotten Iggie in den USA. Ergreifend Myrthes Monteiro als Emmy, die die Vertreibung durch die Nazis nicht verkraftet – im zweiten Teil des Stücks weicht die Leichtigkeit großen Emotionen: „Man erbt keine Dinge, sondern Geschichten.“

Klug und gefühlvoll verpackt
Edmund de Waal hat eine große Geschichte geerbt, die am Landestheater klug und gefühlvoll verpackt wurde. Unbedingt hingehen!

Jasmin Gaderer, Kronen Zeitung

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