Do, 21. März 2019
06.03.2019 12:00

Katias Kolumne

Darf man wirklich über alles und jeden lachen?

Von Köln bis Düsseldorf feierte Deutschland Karneval. Kostüme, Kölsch und Aalaaf - das Land war tagelang im närrischen Ausnahmezustand. Mittendrin statt nur dabei war auch die neue Parteivorsitzende der konservativen CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer. Doch ihr Besuch beim „Stockacher Narrengericht“ ging ordentlich in die Hose: sie sorgte mit ihrem Faschingsauftritt und einem Transgender-Witz für mächtig viel Wirbel. Deutschland diskutiert: darf man im Karneval wirklich über alles und jeden lachen?

„Wer war denn von euch vor Kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen“, polterte die als Putzfrau verkleidete Parteichefin auf der Karnevals-Bühne. Sie präzisiert: „Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette“. Im Saal folgten Tusch, Gelächter und Applaus. Auf Twitter folgte vor allem empörte Kritik.

„Zum Fremdschämen“, „menschenverachtend“ und ein „billiger Kalauer auf Kosten von inter- und transsexuellen Menschen“ lautete der aufgebrachte Social-Media-Tenor und der CDU-Verband der Lesben und Schwulen forderte prompt eine Entschuldigung. Schließlich gebe es auch im Fasching Grenzen und eine davon sei es, über eine Minderheit - in diesem Fall über Transgender - zu lachen. Karneval im Jahr 2019 - nunmehr ein Fest der Korrekten?

Deutsche und Humor - ohnehin eine Sache für sich …
So oder so war der Toiletten-Flachwitz von Annegret Kramp-Karrenbauer nur mäßig lustig. Da half auch das alberne Kostüm mit schiefer Baskenmütze wenig, auch das leicht biedere, leicht unsichere Auftreten von „AKK“ tat in Sachen Humorigkeit ihr Übriges. Man kann in Folge des Spaß-Auftritts durchaus in Frage stellen, ob es einer Spitzenpolitikerin angemessen ist, vor einem biertrunken grölendem Publikum den Kasperl runter zu reißen - und das auch noch schlecht. Der Auftritt war somit in mehrerlei Hinsicht entbehrlich.

Das Echo hätte ihr ebenso bewusst sein müssen. Es grenzt an Shitstorm-Harakiri, sich als konservative Politikerin ausgerechnet über Transgender-Toiletten lustig zu machen. Auch dann, wenn Karneval ist.

… die Hysterie in der Debatte ist aber bei weitem überzogen
Trotz allem ist es aber bemerkenswert, mit welchem Bierernst nun angesichts eines missglückten Faschingsgags der mahnende Zeigefinger der Überkorrekten erhoben wird. Ja, der Witz war schlecht, vielleicht auch unangemessen und in jedem Fall nicht besonders bedacht - aber muss man deswegen gleich in Empörung verfallen?

Auffällig ist auch: Ausgerechnet jene, die sonst bei jedem untergriffigen Schmäh die Maxime „Satire darf alles“ propagieren, ziehen nun die Grenze des Satirischen bei Transgender-Toiletten - frei nach dem Motto: lustig ist alles, solange es nur den Gesinnungsgegner trifft. Das ist willkürlich und entlarvt eine gewisse Doppelmoral. Dabei gehört der Fasching den Narren, denen man ein Stück weit (Narren-)Freiheit zugestehen kann - auch oder gerade in Zeiten der Political Correctness.

Katia Wagner

 krone.at
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