28.02.2019 06:00 |

Ein wahrer Lügenbaron

Luxus-Betrüger schweigt - und muss ins Gefängnis

Lügenbaron Münchhausen ist ein Lehrbub gegen den Angeklagten in Wien. Das einzige Echte an ihm war die teure Armbanduhr und - bedingt - sein Auto, ein Bentley. Titel, Geschäftsideen, das Konto in München, die schwarz-titanene Amex-Kreditkarte waren allesamt „Luftgeschäfte in einer Scheinwelt“, so der Staatsanwalt.

46 Jahre ist der Mann, der wahlweise gerne als Doktor oder Diplomingenieur auftrat. Oder beides. Und aus einem durchaus begüterten Elternhaus stammte, „aber Konkurs und Tod des Vaters nie verwunden hat“ (so die Verteidigung) und „sich nie der Realität gestellt hat“ (so der Staatsanwalt). Mit Betrügereien habe sich der Wiener „seinen Lifestyle in der Welt der Reichen und Schönen finanziert!“

Dazu gehörte z.B. eine tolle Reise nach Mexiko mit einer Internet-Bekanntschaft. Keine Frage, dass die Dame alles blechte, summa summarum knapp 13.000 Euro. Dazu gehörte der Bentley - aber auch die Schulden in der Autowerkstatt. Der Betrüger verpfändete den Wagen und verkaufte ihn auch noch!

Doktoren blechten für „unbedingt notwendige Homepage“
Dazu gehörte die Geschäftsidee, betuchte Patienten, etwa UNO-Mitarbeiter mit hiesigen Ärzten zu vernetzen. Wer blechte für die „unbedingt erforderliche Homepage?“ Richtig, die Doktoren, denn die UNO winkte gleich einmal ab. Das Geschäftskonto in München? Überzogen mit 64.000 Euro, genauso wie diese spezielle Kreditkarte. Tiefstpunkt: Zechprellerei, aber wenigstens im Nobellokal in Wien.

Hemmungslos geständig ist der Mann, will aber nichts sagen. Zu sehr schäme er sich. Und so dauert der Prozess, der für sechs Tage anberaumt war, gerade einmal zwei Stunden - und endet mit drei Jahren, davon eines im Gefängnis.

Gabriela Gödel, Kronen Zeitung

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