24.02.2019 07:00 |

„Krone“-Interview

Phil Collins: „Toll, dass man mich hören will“

Am 2. Juni kommt einer der größten Popstars aller Zeiten endlich wieder nach Österreich: Phil Collins wird im Zuge seiner „Still Not Dead Yet“-Tour die größten Hits seiner imposanten Karriere zum Besten geben. im Vorfeld sprachen wir mit dem Kultstar u.a. über seinen Gesundheitszustand, die Familienbande in seiner Band und natürlich auch über eine etwaige Reunion der legendären Genesis.

„Krone“: Phil, vor ein paar Jahren hast du in einem Interview gesagt, dass du vor einem Comeback u.a. deshalb Angst hattest, weil du dir unsicher warst, ob noch jemand kommen würde. Die Sorge war angesichts deiner Liveerfolge wohl gänzlich unberechtigt.
Phil Collins:
Damals war es wohl ein Problem für mich. Ich brauchte einfach die Zeit abseits der Bühne. Ich wollte meine Kinder aufziehen und das Leben läuft nicht immer so, wie man es sich ausmalt. Meine Frau und die Kids sind dann wieder zu mir nach Miami gezogen und das Letzte was ich tun wollte, war damals auf Tour zu gehen. Ich habe mich dann für mehr Shows entschieden, weil mich die Kids dazu animierten und außerdem war es besser als das zu tun, was ich sonst tat - nämlich nichts. Wir haben immer nur kleine Touren gemacht mit wenigen ausgewählten Shows oder zumindest mit ausreichend Pausen dazwischen. Das passt derzeit sehr gut für mich. Es läuft alles fantastisch. Die Band und ich haben verdammt viel Spaß und bleiben am Ball.

Aufgrund deines Gesundheitszustands kannst du nicht mehr trommeln und musst die Konzerte sitzend singen. Ist das noch ein Problem, oder konntest du dich daran gewöhnen?
Anfangs war ich dahingehend sehr besorgt, denn ich war immer als eine Art „Bühnenverrückter“ bekannt. Ich spielte Schlagzeug, rannte dauernd wo durch die Gegend und verhielt mich generell ziemlich albern auf der Bühne. Ich war mir nicht sicher, wie die Leute die neue Lage aufnehmen würden. Die Kritiker reden natürlich darüber, aber keiner beschwert sich. Auch die Band arbeitet dadurch noch härter. Im Endeffekt nimmt diese Situation etwas vom visuellen Druck und es geht noch mehr um die Musik.

Deinen Schlagzeugpart hat dein Sohn Nicholas übernommen, der sich bislang ganz außerordentlich schlägt. Wie speziell ist es, mit dem eigenen Fleisch und Blut durch die Welt zu touren?
Natürlich ist es speziell. Ich war mir immer ziemlich sicher, dass er diese Fußstapfen füllen und das machen kann, was von ihm erwartet werden würde. Er wurde dann mit jeder Show besser und besser und die Band hat mir auch täglich vermittelt, dass er sich rasant entwickelt. Man darf nicht vergessen, dass Nicholas erst 17 ist, wirklich enorme Fortschritte macht und mit jedem Konzert neue Höhen erreicht. Ich wüsste nicht, wo ich ohne ihn einen Drummer gefunden hätte. Natürlich gibt es unzählige Weltklasse-Drummer, aber Nick spielt ein bisschen so wie ich und seine Fähigkeiten, während eines Songs sehr lange sehr simpel zu spielen, sind nicht so leicht von anderen zu kriegen. Normalerweise braucht das einige Zeit, bis man es beherrscht. Gerade die Zurückhaltung fällt vielen schwer. Ich rede da speziell vom Song „Can’t Turn Back The Years“, wo er wirklich großartig spielt. Er hat sehr viel Disziplin und ich bewundere ihn sehr.

Siehst du dich in ihm selbst? Dein junges Alter Ego, das damals ebenfalls hungrig und motiviert die Musikwelt erobern wollte?
Er könnte genauso gut auch nach John Bonham klingen, aber in dem Umfeld, in dem wir uns befinden, klingt er stark wie ich damals. Ich brauche mir dadurch auch keine Gedanken darüber machen, ob ich dieses oder jenes in meinem Leben verpasst habe, weil er es auf der Bühne repräsentiert. Für sein Alter ist er unglaublich weit.

Bei deinen Live-Konzerten sagt Nicholas gerne, dass er nur zwei Songs aus deinem legendären Backkatalog mag - natürlich mit einer gehörigen Dosis Humor. Hat sich das schon verändert?
(lacht) Das ist ein lustiger Witz, der sich ein bisschen durch die Tour zieht. Seit er mit mir Konzerte spielt, hat Nicholas auch viel mehr über mich herausgefunden. Er hatte mich immer eher als Sänger, denn als Schlagzeuger gesehen und kam irgendwann drauf, dass ich mehr Schlagzeuger als alles andere war. Wir haben speziell damit sehr viel Spaß auf der Bühne - das werdet ihr auch in Österreich sehen.

Wenn du am 2. Juni ins Ernst-Happel-Stadion kommst, wird das dein erstes Wien-Konzert seit fast auf den Tag genau 15 Jahren sein. Woran erinnerst du dich noch?
Als ich einmal in Wien spielte, habe ich mich mit sehr gut mit Charles Aznavour angefreundet, der mittlerweile leider verstorben ist. Es gibt viele tolle Restaurants und es hat mir immer sehr gut bei euch gefallen.

Seit einiger Zeit lebst du nun bereits in Miami - wieder zusammen mit deiner Familie. Ist das mediterrane Klima auch deiner Gesundheit zuträglich?
Nicht wirklich, manchmal ist es auch viel zu heiß. Ich bin hauptsächlich wegen meiner Familie dort. Ich würde mich auch in der Schweiz wieder wohlfühlen, wo viel Schnee liegt. Das Wetter macht mir nichts aus, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Außerdem geht es mir derzeit sehr gut, ich fühle mich ausgezeichnet.

Nach all den Jahren ist es nun endlich soweit, dass du rundum als cooler Musiker giltst. Das war nicht immer so und hat früher auch an dir genagt. Bist du heute glücklich darüber, dass du anders wahrgenommen wirst?
Das ist sehr nett und dass ich schon in Pension ging und quasi verschwand, war der Sache mit Sicherheit zuträglich. Das Buch „Not Dead Yet“ hat mir dahingehend sicher auch stark geholfen. Die Kritiker wird es immer geben und das ist auch okay, aber sogar Leute, die keine Fans von mir waren, konnten mich irgendwann besser schätzen. Ich habe mich nicht deshalb zehn Jahre aus dem Licht der Öffentlichkeit zurückgezogen, aber es ist schön zu sehen, dass die Wahrnehmung heute, durch das Comeback, eine andere ist.

Du hast in den letzten Jahren immer davon gesprochen, dass du offen wärst für eine Genesis-Reunion. Ist diese Meinung 2019 unverändert?
Ich bin immer offen, wenn etwas funktioniert. Ich sehe Mike Rutherford relativ oft und er spielt auch mit Mike And The Mechanics auch in unserem Vorprogramm bei euch. Auch mit Tony Banks bin ich immer in Kontakt. Es ist alles möglich, aber ich will jetzt nichts Positives dazu sagen, außer, dass wir vielleicht ab einem gewissen Zeitpunkt etwas zusammen machen werden.

Worauf bist du rückblickend auf deine erfolgreiche Karriere am meisten stolz?
Ich bin 68 und habe niemals davon geträumt, dass ich in dem Alter noch immer auf der Bühne stehe. Das freut mich ungemein. Ich bin stolz darauf, dass wir noch immer abends die Bühne entern können und die Leute die Musik genießen. Die Band spielt großartig zusammen, neben meinem Sohn spielen auch viele alte Freunde von mir bei uns mit. Ich bin einfach glücklich darüber, dass man uns noch immer hören will.

Welchen Song deiner aktuellen Setlist spielst du am liebsten?
Manchmal spielen wir von der „No Jacket Required“ den Song „Who Said I Would“ und der macht mir wirklich irrsinnig viel Spaß. Er ist im Mittelteil der Show verankert, bevor ich normalerweise die Band vorstelle. Danach kommen die großen Hits.

Spürst du auch noch das Feuer in dir, neue Songs zu schreiben oder gar ein neues Album aufnehmen zu wollen?
Ich würde das nicht ausschließen, aber ich muss die Zeit dazu finden und auch den Willen, ins Studio zu gehen und die Ideen abzuschließen. Seit wir zu touren begonnen haben, habe ich nicht einmal darüber nachgedacht, aber ich bin mir sicher, dass ich bald hungrig sein werde.

Du hast mit so unterschiedlichen Größen wie Robert Plant, Eric Clapton, David Crosby oder Frida von ABBA zusammengearbeitet. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse, die du selbst aus all diesen Kooperationen für dich herausziehen konntest?
Sie alle sind sehr unterschiedlich. Manchen habe ich nur geholfen, ihre eigenen Alben zu erschaffen. Eric Clapton ist ein guter Freund von mir, das gilt auch für Robert Plant. Die Jungs kenne ich mittlerweile 30 oder 40 Jahre. Die Wege kreuzen sich oft und ich habe mit den meisten noch immer regelmäßigen Kontakt. Man lernt von anderen  sehr gut, wie sie ihre Dinge erledigen oder sich in ihrer Musik entwickeln. Manchmal kann da etwas auf dich abfärben, das dich prägt.

Live in Wien
Am 2. Juni kommt Phil Collins im Zuge seiner ironisch betitelten „Still Not Dead Yet“-Tour endlich wieder nach Wien. Er gibt ein exklusives Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion und wird die größten Hits seiner beeindruckenden Karriere spielen. Im Vorprogramm ist sein einstige Genesis-Kollege Mike Rutherford mit seiner Band Mike And The Mechanics zu sehen. Alle weiteren Infos und Karten erhalten Sie unter www.oeticket.com

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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