Mi, 20. März 2019
14.02.2019 17:00

Kunsthaus Graz:

Vom China-Restaurant zum Mond mit Jun Yang

Wenn ein Künstler von einer Institution wie dem Grazer Kunsthaus zu einer Personale geladen wird, nutzt er diese im Normalfall für die Zementierung seiner künstlerischen Identität. Nicht so Jun Yang. Er erweitert seine erste große Werkschau zur Gruppenausstellung, in der sich die Grenzen des Individuums auflösen und klischeehafte Blicke auf China entlarvt werden.

Wer bin ich, und was mache ich da eigentlich? Auf diese Fragen sollte die Personale eines Künstlers eigentlich klare Antworten geben. Doch Jun Yang, in China geboren und in Wien als Sohn der Besitzer eines Chinalokals aufgewachsen, hat kein Interesse an klaren Antworten. Viel lieber hinterfragt er in „Der Künstler, das Werk und die Ausstellung“ seine Identität als Kunstschaffender und seine kulturelle Identität.

Kulturelle Klischees
Was ist „typisch“ für China? Was für Österreich? Beeinflussen diese Klischees, wie Yang arbeitet? Wie er wahrgenommen wird? Muss er also Wiener Schnitzel mit Stäbchen essen, um als authentisch zu gelten? Mit Fragen wie diesen jongliert Yang – weithin sichtbar prangt sein Name in leuchtenden Schriftzeichen an der Fassade des Kunsthauses: Egomanische Eigenwerbung oder Zeichen einer kulturellen Einverleibung? Denn auch das ist ein Klischee: Die Chinesen kommen und übernehmen alles!

Auftritt der „Doppelgänger“
Begrüßt werden die Besucher in der Schau selbst von einem Foto, das den Künstler mit Namensvettern zeigt. Es gibt nicht nur einen Jun Yang auf dieser Welt, ja der Austro-Chinese ist nicht einmal der einzige Künstler mit diesem Namen. So finden sich in der Ausstellung auch die Bilder eines US-taiwanesischen „Doppelgängers“.

Humorvolles Verwirrspiel
Klingt kompliziert? Yang treibt das Verwirrspiel noch viel weiter. Er hat auch zahlreiche andere Künstler in die Schau inkludiert, die sich mit seinem Werk, kulturellen Eigenheiten sowie dem Wesen einer Ausstellung beschäftigen. Dabei kann man Hollywoods Blick auf Chinarestaurants erkunden, Kopien von Porzellan-Figuren auf den Kopf stellen und Primaten beim Lesen zusehen.

So entwickelt sich diese Personale Schritt für Schritt weg von Yang, landet am Ende am Mond und blickt auf eine Welt voller unklarer Identitäten. Eine humorvolle und pointierte Schau, die mitten ins Herz dessen trifft, was Kunst und Kultur ausmacht – zu sehen bis zum 19. Mai.

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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