Ehefrau getötet

38 Stiche: Verdächtiger nicht zurechnungsfähig?

War er bei der Tat nicht zurechnungsfähig? Jener 37-Jährige, der Anfang Jänner im niederösterreichischen Amstetten mit einem Messer auf seine 40 Jahre alte Ehefrau losging und bis zu 38-mal auf sie einstach - der Angriff spielte sich vor den Augen von drei der insgesamt vier gemeinsamen Kinder ab -, befindet sich mittlerweile nicht mehr in U-Haft. Diese wurde in eine vorläufige Anhaltung umgewandelt. Ein Gutachten rund um den Geisteszustand des Verdächtigen ist noch in Arbeit.

Die Untersuchungshaft wurde umgewandelt, weil davon ausgegangen werden müsse, dass der Verdächtige „im Zustand der Zurechnungsunfähigkeit“ gehandelt habe, erklärte Leopold Bien, der Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, am Mittwoch. Ein neurologisch-psychiatrisches Gutachten wurde in Auftrag gegeben, Ergebnisse liegen bislang aber noch nicht vor. „Nach derzeitigem Stand ist eine abschließende Einschätzung nicht möglich“, hielt Bien auf Nachfrage fest. Dies liege vor allem daran, dass der Betroffene „nicht mitwirkt“.

„Islamistischer Fundamentalist“
Am 8. Jänner hatte Senol D. in der gemeinsamen Wohnung in Amstetten mutmaßlich zu einem Messer gegriffen und in einem regelrechten „Overkill“ seine Ehefrau getötet. Der Verdächtige war in der Nachbarschaft in der Vergangenheit immer wieder negativ aufgefallen und hatte für Unruhe g
esorgt, mit radikalem Verhalten seine Mitmenschen belästigt und wollte diese zum Islam bekehren. Er gilt als „islamistischer Fundamentalist“.

Zwar wurden gegen den 37-Jährigen seit Sommer 2018 insgesamt 30 Anzeigen wegen Ordnungsstörungen erstattet. Da jedoch kein strafrechtlich relevanter Tatbestand dabei erfüllt wurde - der Mann beispielsweise nicht aggressiv gegen seine Mitmenschen vorging -, waren der Polizei bezüglich weiterer Schritte gegen den Verdächtigen die Hände gebunden.

Serie an tödichen Gewaltverbrechen
Die Tat reiht sich in eine ganze Reihe von Gewaltverbrechen gegen Frauen ein - seit Anfang des Jahres wurden in Österreich zumindest fünf Frauen getötet, der mutmaßliche Täter war dabei stets im näheren Umfeld des Opfers zu finden. Bezüglich zweier „bedenklicher Todesfälle“ in Wien laufen noch die Ermittlungen, ob ein Gewaltverbrechen vorliegt. 

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