16.02.2010 18:24 |

"Bruchlandung"

Eurofighter-Panne: 15.000 € Schaden durch Fanghaken

Master-Alarm über den Wolken: Während Flugexperten und Politiker derzeit heftig darüber streiten, inwieweit Österreichs Luftwaffe einsatzbereit ist, sickerte aus Piloten-Kreisen ein weiteres Kapitel der endlosen Pannengeschichte durch: In Zeltweg wurde ein Eurofighter bei einer Art "Bruchlandung" beschädigt.

Nervenkitzel im Höllentempo bei mehr als 2.000 km/h. Blinkende Rotlichter auf dem Armaturenbrett, dazu der warnende Master-Alarm: "Das Fahrwerk ist nicht ausfahrbar." Dieses Horrorszenario im Cockpit eines Eurofighters ließ beim Piloten eines Militär-Jets und beim Bodenpersonal im Fliegerhorst in Zeltweg gleichermaßen die Alarmglocken schrillen, wie die "Krone" erfuhr.

Während die Kameraden des Militärflughafens Hinterstoisser fieberhaft alles für eine Notlandung vorbereiteten, versuchte der Jet-Pilot trotz rasenden Pulsschlages cool zu reagieren: Punkt für Punkt ging er die Befehle der Not-Checkliste durch. Auch das Kapitel "Fanghaken". Also jene Einrichtung, die vorwiegend auf Flugzeugträgern verwendet wird, um Jets per Stahlhaken vorm Absturz ins Meer zu retten.

Fanghaken schleuderte zurück - 15.000 Euro Schaden
Während also das gesamte Zeltweger Bodenpersonal angespannt auf die Notlandung wartete und sich der Jet-Pilot auf das Schlimmste vorbereitete, passierte das unerwartete "Flugwunder": Trotz Master-Alarm klinkte sich das Fahrwerk aus!

Doch damit war die Horrorlandung noch nicht abgewandt: Der ausgefahrene Stahlhaken schlug auf dem Asphalt der Landepiste auf, prallte zurück und schlug gegen den Rumpf des Jets. Der Sachschaden - Beschädigung einer Klappe - betrug 15.000 Euro. "Da es keine Verletzten gab, wurde die Öffentlichkeit nicht informiert", heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Es sei schlicht kein Flugunfall gewesen.

Auch politischer Wirbel um Bundesheer
Auch politisch sorgt das Bundesheer derzeit für Turbulenzen. BZÖ und Grüne verlangten am Dienstag wegen der angeblich fehlenden Einsetzbarkeit ganzer Truppenteile die Einberufung des nationalen Sicherheitsrates oder eine Sondersitzung des Landesverteidigungsausschusses. Ausschuss-Vorsitzender Peter Fichtenbauer erklärte sich dazu bereit. Es sei ohnehin hoch an der Zeit, dass Darabos endlich dem Parlament Rede und Antwort stehe.

Grünen-Sicherheitssprecher Peter Pilz forderte von Darabos Aufklärung über den "Schrottplatz Bundesheer". "Wie gedenkt der Minister damit umzugehen, dass es nur fünf einsatzfähige Eurofighter gibt und auch andere Systeme baufällig sind?", fragte Pilz in Anspielung auf Berichte, wonach Panzer nur eingeschränkt einsatzfähig sind und zehn der 15 Abfangjäger hauptsächlich am Boden stehen und als eine Art Ersatzteillager dienen. Grund dafür sollen Probleme mit Materiallieferungen sein, wodurch benötigte Ersatzteile von einem Teil der Flugzeuge ausgebaut werden, um die anderen betriebsbereit zu halten. Das Verteidigungsministerium argumentiert, es würde zu einer unglaublichen Kostenexplosion führen, wenn man alle Jets und Panzer dauerhaft einsatzbereit halten würde. Soetwas leiste sich kein Land mit einer vergleichbaren Sicherheitssituation wie Österreich. Bei Bedarf sei eine höhere Einsatzbereitschaft außerdem leicht herzustellen. Bei der Luftraumüberwachung im Zuge des Weltwirtschaftsforums in Davos waren kürzlich elf österreichische Eurofighter im Einsatz.

Das BZÖ sprach sich bei einer Pressekonferenz ebenfalls für die Einberufung des nationalen Sicherheitsrates aus. Darabos soll dabei einen klaren Bericht über den wahren Zustand des Bundesheeres liefern, so Klubobmann-Stellvertreter Herbert Scheibner. "Es ist notwendig, dass alle Verantwortlichen an einem Tisch sitzen und über die Zukunft der Sicherheits- und Landesverteidigungspolitik diskutieren", so der frühere Verteidigungsminister.

Strache ortet "Samenspende"-Skandal
Einem neuen Bundesheer-Skandal meint indes FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf der Spur zu sein. Er berichtete in einer Aussendung von einer "Samenspende-Aktion" des Ministers anlässlich des heurigen Valentinstages, bei der alle weiblichen Angestellten des Verteidigungsministeriums mit Blumensamen, besten Grüßen und Dank des Ministers beglückt worden seien. Zur Verpackung der 3.000 Stück umfassenden Briefsendung habe sich der Verteidigungsminister kurzerhand der Hilfe von 20 Bundesheer-Rekruten bedient. Für Strache gar eine "skandalträchtige Sache"...

Von Christoph Matzl (Kronen Zeitung) und krone.at

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