Mi, 20. Februar 2019
03.02.2019 06:10

Bereits Aufnahmestopps

Ärztemangel spitzt sich dramatisch zu!

Die Arbeitsbedingungen werden schwieriger. Warum sich zwei Wiener dennoch für den niedergelassenen Bereich entschieden haben.

Der rote A4-Zettel sticht einem sofort beim Eintritt in die Ordination ins Auge. „Derzeit nehmen wir keine neuen Patienten auf“, steht dort in großen Lettern geschrieben. Die Hausarztpraxis liegt inmitten eines Stadtentwicklungsgebiets im 22. Bezirk. In den vergangenen Jahren wurden dort Hunderte Wohnungen aus dem Boden gestampft. Bis 2020 wird noch kräftig weitergebaut.

„Unser Mediziner nimmt bis Mai auch keine neuen Patienten auf“, weiß Sanaz Ahmadi. Angesichts des Zuzugs in die Donaustadt befürchtet die Angestellte, dass die Suche nach einem Hausarzt von Jahr zu Jahr schwieriger wird. Zwei Monate lang hat sich Mihaly Mezei um einen passenden Arzt für seine betagte Mutter bemüht. „Das Problem wird noch größer werden“, glaubt auch der Busfahrer.

734 Allgemeinmediziner gibt es derzeit in Wien
2008 waren es noch 810 mit Kassenvertrag. Im selben Zeitraum ist die Bevölkerung aber von 1,67 Millionen auf 1,9 Millionen gewachsen. „Da muss man kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass immer weniger Hausärzte immer mehr Patienten versorgen müssen“, kritisiert Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

Pensionierungswelle verschärft Situation
Verschärft wird die Situation durch die anstehende Pensionierungswelle. Darum dürfen Mediziner in Wien auch mit über 70 noch ihren Dienst verrichten. Einer davon ist Peter Watzke. Der 72-Jährige arbeitet seit 43 Jahren in seiner Praxis in der Donaustadt. „Zum Glück ist die Altersklausel gefallen“, freut sich der engagierte Allgemeinmediziner, der nicht ans Aufhören denkt. „Außerdem hat sich kein Nachfolger für meine Praxis gefunden. Das war eine zusätzliche Motivation zu bleiben“, ergänzt Watzke. Für den Routinier ist klar: „Es braucht mehr Erleichterungen für Allgemeinmediziner“. Schon während dem Studium sollen Anreize geschaffen werden.

Medizinerin entschied sich für Kassenpraxis
Während viele Kollegen den niedergelassenen Bereich ablehnen, hat sich Mandana Valipour bewusst dafür entschieden. Anfang Jänner hat die 38-Jährige ihre Praxis in der Seestadt eröffnet. „Ich bin hier die zweite Allgemeinmedizinerin – was auch schon höchste Zeit war, da die Seestadt im Wachsen ist und bereits mehr als 6000 Einwohner zählt.“

Daten und Fakten

  • 734 Allgemeinmediziner gibt es derzeit in Wien. 2008 waren es wienweit noch 810 Mediziner mit Kassenvertrag. Im selben Zeitraum ist die Bevölkerung aber von 1,67 Millionen auf 1,9 Millionen gewachsen.
  • Für Ärzte mit Krankenkassenvertrag gilt eigentlich ein gesetzliches Pensionsalter von 70 Jahren. In Wien wurde die Grenze für Allgemeinmediziner aufgrund des Mangels kurzfristig aufgehoben. 31 erfahrene Praktiker machen aktuell davon Gebrauch.
  • Die Ärztekammer fordert bessere Bezahlung und vor allem bessere Arbeitsbedingungen für Mediziner.
  • Die Wiener Gebietskrankenkasse versucht Jungmediziner mit Anreizen zu ködern. Bis 2020 sind etwa zehn Prozent an Honorarerhöhungen vorgesehen. Außerdem werden Ordinationsgründungen gefördert. Grundsätzlich sieht die WGKK die Zukunft der Allgemeinmedizin in einer Mischung aus Einzel- und Gruppenpraxen sowie im Ausbau von Primärversorgungszentren in der Stadt.

Isabella Kubicek, Kronen Zeitung

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