29.01.2019 10:21 |

Keine dickeren Anzüge

Mehr Sicherheit im Weltcup? „Passiert ist nichts“

Die Damenbewerbe in Garmisch-Partenkirchen haben am Wochenende eine Schneise durch das Starterfeld gezogen. Zumindest zwei Läuferinnen müssen ihre Saison als Resultat von Stürzen vorzeitig beenden, alleine in der Abfahrt am Sonntag gab es zahlreiche Crashs. Doch selbst die simpel klingende Forderung nach Einheitsanzügen aus dickerem Material scheint im Ski-Weltcup derzeit nicht realisierbar.

Hannes Reichelt hatte dieses Thema schon beim FIS-Kongress im Mai in Griechenland aufgebracht - und war abgeblitzt. „Ich habe der FIS vorgeschlagen, dass wir dickere Anzüge mit anderen Schnitten und Protektoren bekommen aus einem Einheitsmaterial. Aber passiert ist nichts“, erklärte Reichelt, laut dem die Sportler mehrheitlich dafür plädiert hätten. In den FIS-Gremien sei der Widerstand zu groß gewesen.

Weirather: „Dann sinkt die Verletzungsgefahr“
Athletensprecherin Tina Weirather wiederholte am Wochenende die alte Forderung nach einem dickeren Anzug. „Jeder, der sich mit Rennanzügen beschäftigt, weiß, dass das gleich mal eineinhalb Sekunden ausmacht. Und wenn man eineinhalb Sekunden langsamer ist, dann sinkt die Verletzungsgefahr“, sagte die Liechtensteinerin.

Eine geschlossene Front gibt es aber auch unter den Athleten nicht. Man wisse, „dass wenn man so eine Materialrolle kriegt, wo dann die Rennanzüge daraus geschneidert werden, dann ist der Anfang von so einer Rolle teilweise brutal gut, also schnell, und das Ende vielleicht schlecht“, äußerte der Deutsche Thomas Dreßen im Bayerischen Rundfunk (BR) seine Vorbehalte. Es sei „extrem schwierig, dass du das Material dann auch gleichwertig für jeden machst.“

Puelacher gegen „Einheitspartie“
Kritisch sieht auch ÖSV-Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher einen Anzug, der für alle gleich ist. „Ich muss ganz klar sagen, ich bin nicht für die Einheitspartie. Wir sollten auch jedem Verband überlassen, wo man sich entwickeln kann. Wenn man alles einheitlich macht, gibt es ja keine Weiterentwicklung“, sagte Puelacher. Von einer Airbag-Vorschrift halte er ebenso wenig. „Man muss dem Athleten auch Eigenverantwortung übertragen, und das gehört für mich dazu.“

Zahlreiche Stürze in Garmisch
Während bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel in diesem Jahr im historischen Vergleich relativ wenig gravierende Verletzungen passiert sind, schlug die Schattenseite des alpinen Rennsports in Oberbayern brutal zu. Und das fast exakt 25 Jahre nach dem tödlichen Unfall der Österreicherin Ulrike Maier in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen.

Die Schweizerin Michelle Gisin erlitt im Training ohne Sturz schwere Knieverletzungen und muss ihre Saison vorzeitig abschreiben, ÖSV-Ass Cornelia Hütter trug am Sonntag unter anderem eine Knieverletzung davon. Am schlimmsten erwischte es aber Federica Sosio: Die Italienerin zog sich einen Schien- und Wadenbeinbruch zu, auch für die 24-Jährige ist die Saison vorbei. Bei der Siegerehrung hatten ihre Teamkolleginnen Tränen in den Augen.

Die Sicherheitsdiskussion wird im Ski-Weltcup zwar laufend geführt, handfeste Resultate lassen aber auf sich warten. „Ich glaube schon, dass sich eine Menge getan hat“, meinte Atle Skaardal, der Renndirektor des Ski-Weltverbands (FIS) für die Frauen. „Es gibt ständig eine gewisse Entwicklung, etwa wie viele Netze man aufstellt oder die Qualität der Sicherheitsinstallationen.“

Viele verschiedene Interessen
Tatsächlich sind die Interessenslagen und Abhängigkeiten divers. Sportler, Trainer, Herstellerfirmen, Funktionäre, Veranstalter, Medien, Vermarkter - die unterschiedlichen Ziele zu vereinen und alle auf einen Nenner zu bringen, kommt der Quadratur des Kreises gleich. Die Forderung nach weniger Rennen und längeren Pausen dazwischen, um die Belastung zu verringern, wird somit ebenfalls kaum umzusetzen sein.

krone Sport
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