Seit Jahren dominiert Lindsey Vonn die Speed-Rennen im Weltcup, alleine in diesem Winter hatte sie von den sechs Abfahrten vor den Spielen fünf gewonnen. Lediglich zwei Dinge hatten den sicher scheinenden Olympiasieg der überragenden Favoritin zuletzt aber doch etwas fraglich erscheinen lassen. Zunächst wurde sie bei der Generalprobe in St. Moritz von ihrer Busenfreundin Maria Riesch besiegt, unmittelbar vor den Spielen zog sie sich zudem im Slalomtraining eine schwere Schienbeinprellung zu, die sie über eine Woche lang vom Skifahren abgehalten hatte.
Aber offenbar hat Vonn derzeit sogar "Mutter Natur" auf ihrer Seite. Das anhaltende Schlechtwetter am Olympia-Schauplatz Whistler hatte dafür gesorgt, dass nicht nur einige Trainings verschoben wurden, sondern das erste Damen-Rennen erst am Mittwoch statt schon am Sonntag über die Bühne ging. Zeit, die Vonn zur Genesung perfekt nützte.
Denn in der Abfahrt bewies Vonn bei erstmals strahlendem Sonnenschein am Whistler Mountain ihre Extraklasse. Sie toppte trotz ihrer Probleme die überraschende Bestzeit der seit 2007 im Weltcup sieglosen Riesentorlauf-Olympiasiegerin Mancuso und schritt mit Tränen in den Augen zum ersten Interview, nachdem Anja Pärson mit einem bösen Sturz nach 60-Meter-Satz (Video dazu in der Infobox) ihre Medaillen-Chance vergeben hatte und auch Riesch als Achte überraschend klar zurückgeblieben war.
Bronze kurz vor dem 29. Geburtstag
Während Vonn endlich ihre erste Olympia-Medaille gleich in Gold abholte, war für Österreichs bisher schwer geprügelte Abfahrtsdamen der erste Saison-Podestplatz auf der schwersten Abfahrt dieses Winters gleichbedeutend mit Olympia-Bronze für Görgl. Auch die Steirerin war fassungslos ob ihrer ersten Olympiamedaille, mit der sie drei Tage vor dem 29. Geburtstag ihr zweites Edelmetall bei Großereignissen holte, nachdem sie vor einem Jahr auch in der WM-Superkombi Platz drei belegt hatte.
Auch der Riesenabstand auf Vonn und der hauchdünne Vorsprung von nur drei Hundertstel auf die schwer enttäuschte Teamkollegin Fischbacher ("Ein blöder Fehler im unteren Teil. So knapp, das ist ein bisserl hart.") konnte die Freude bei der Kapfenbergerin nicht trüben. "Es war eine Fahrt mit voller Attacke, aber ich habe nicht alle Passagen optimal erwischt", sagte Görgl und erklärte ihre Tränen. "Anja wäre ohne Sturz sicher vor mir gewesen, davon habe ich profitiert."
Schwere Stürze überschatten Abfahrt
Die Abfahrtsdamen wurden bei strahlendem Sonnenschein von der extrem anspruchsvollen, rumpeligen und gegenüber dem Training deutlich härteren Piste bis aufs Letzte gefordert. So stürzte die Schweizerin Dominique Gisin am Zielsprung und wurde anschließend von einer Welle in den Zielraum geschleudert, wo sie benommen liegen blieb und verarztet werden musste.
Dann stürzte schon vor dem Zielsprung die Italienerin Daniela Merighetti, ehe Pärson ihren unglaublichen Abflug machte. Mit Startnummer 35 stürzte auch die Rumänin Edit Miklos schwer, musste im Netz liegend erstversorgt und anschließend mit dem Helikopter ins Krankenhaus geflogen werden.
Das Ergebnis
1 | VONN Lindsey | USA | 1:44.19 |
2 | MANCUSO Julia | USA | 1:44.75 |
3 | GÖRGL Elisabeth | AUT | 1:45.65 |
4 | FISCHBACHER Andrea | AUT | 1:45.68 |
5 | SUTER Fabienne | SUI | 1:46.17 |
6 | JANYK Britt | CAN | 1:46.21 |
7 | MARCHAND-ARVIER Marie | FRA | 1:46.22 |
8 | RIESCH Maria | GER | 1:46.26 |
9 | RECCHIA Lucia | ITA | 1:46.50 |
10 | STECHERT Gina | GER | 1:46.93 |
11 | COOK Stacey | USA | 1:46.98 |
12 | STYGER Nadia | SUI | 1:47.22 |
13 | ALCOTT Chemmy | GBR | 1:47.31 |
14 | MADER Regina | AUT | 1:47.53 |
15 | RUIZ CASTILLO Carolina | SPA | 1:47.62 |
16 | BRYDON Emily | CAN | 1:47.88 |
17 | REVILLET Aurelie | FRA | 1:47.92 |
18 | MAZE Tina | SLO | 1:47.94 |
19 | KAMER Nadja | SUI | 1:48.14 |
20 | FERK Marusa | SLO | 1:48.24 |
21 | RUBENS Shona | CAN | 1:48.53 |
22 | SCHNARF Johanna | ITA | 1:48.77 |
23 | JACQUEMOD Ingrid | FRA | 1:48.85 |
24 | COLETTI Alexandra | MON | 1:48.92 |
25 | FENNINGER Anna | AUT | 1:49.95 |
26 | PROSTEVA Elena | RUS | 1:50.07 |
27 | ZAHROBSKA Sarka | CZE | 1:50.68 |
28 | GUTIERREZ Mireia | AND | 1:52.87 |
29 | SIMARI BIRKNER Maria Belen | ARG | 1:53.62 |
30 | LINDELL-VIKARBY Jessica | SWE | 1:53.76 |
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