24.01.2019 20:22 |

Weltweite Anteilnahme

Das letzte Kapitel im Drama um den kleinen Julen

Letztes Kapitel bei der Bergung des kleinen Julen aus einem Brunnenschacht im spanischen Totalan: Seit Donnerstagnachmittag graben sich abwechselnd acht Minenarbeiter in einem gesicherten Eisenkäfig zu der Stelle, an der der Zweijährige vermutet wird. Mindestens 20 Stunden wird es dauern - außer es gibt erneut Rückschläge, die Zeit in Anspruch nehmen. Reporter Alexander Lechner ist für die „Krone“ und ServusTV vor Ort.

Die Zeit, um den Zweijährigen lebendig aus dem Bohrloch zu retten, ist wohl schon abgelaufen. Selbst Feuerwehrleute, die an der Rettungsaktion beteiligt sind, hört man abends in der Bar sagen, dass sie nicht mehr glauben, den Buben lebend bergen zu können. Nicht ohne anzufügen: Alles andere wäre ein Wunder.

35.000 Kubikmeter Erde ausgehoben
Dieser kleine Funke Hoffnung erklärt hier auch die Hingabe und Entschlossenheit, mit der die 300 Helfer zwölf Tage nach dem Unglück ans Werk gehen. Nachbarn und Freiwillige bekochen sie. Firmen aus der Gegend stellen Fahrzeuge zur Verfügung und lassen Aufträge liegen, um die Metallrohre zusammenzuschweißen. Helfer nehmen Urlaub, weil sie bei der Rettung gebraucht werden. Die Unglücksstelle gleicht einer Baustelle, auf der schon seit Monaten gearbeitet wird. 35.000 Kubikmeter Erde sind ausgehoben worden, das Gelände wurde für die großen Fahrzeuge angepasst.

Notfallteam betreut geschockte Eltern
„Wir gehen nicht ohne den Buben“, sagte Julian Diaz, Sprecher der Zivilgarde, in die Kameras. Eine Ansage an die Eltern, aber auch an die Zweifler. Denn seit dem mutmaßlichen Sturz in den Schacht hat es von Julen kein Lebenszeichen gegeben. Der Vater, der am Sonntag vor einer Woche gerade eine Paella zubereiten wollte, als Julen in den Schacht gestürzt sein soll, wird rund um die Uhr von einem psychologischen Notfallteam betreut. „Niemand kann sich in die Haut der Eltern hineinversetzen“, fügt der Zivilgarde-Beamte hinzu.

Welle der Solidarität
Die Welle der Solidarität und des Mitgefühls ist riesig - weltweit, aber vor allem in Totalan selbst. Einheimische wie Juan Aguilar berichten von dramatischen Szenen bei einem Rosenkranz-Gebet für Julen in seinem Heimatort El Palo, bei dem viele Tränen geflossen sein sollen.

Spanier stellen wilde Theorien über Unfall auf
Am Donnerstag haben sich Hunderte Menschen aus der ganzen Region einer Mahnwache angeschlossen. Sie wollen dem Buben und seinen Rettern viel Kraft zusprechen und hoffen, dass es die letzte Nacht für Julen in dem Bohrloch war. Je weiter man sich von Totalan entfernt, etwa im 30 Minuten entfernten Malaga, desto wildere Theorien stellen die Spanier über das Unglück an. Sie reichen von Entführung bis zu einem Gewaltverbrechen.

„Etwas mehr Respekt wäre angebracht“
Dafür gibt es im Moment aber nicht die geringsten Hinweise. Juan Jose Cortez, der als Leiter einer Organisation für verschwundene Kinder diese schweren Tage mit Julens Familie verbringt, verurteilt diese Gerüchte aufs Schärfste und droht mit Klagen. „Die Eltern haben es schwer genug. Etwas mehr Respekt wäre angebracht“, sagt Cortez an die spanischen Medien gerichtet. Die Retter lassen sich auf solche Spekulationen ohnehin nicht ein. Sie haben einen klaren Auftrag: Julen aus dem Bohrschacht zu befreien. Tot oder lebendig.

Alexander Lechner aus Totalan, Kronen Zeitung/ServusTV 

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