Finanzpolizei-Chef:

„Sehr dreist, wie man hier das System ausnützt!“

Wilfried Lehner, MLS, der Leiter der Finanzpolizei im Bundesministerium für Finanzen, kämpft derzeit besonders mit dubiosen Personalleasingunternehmen. Im Interview gibt er Einblick in aktuelle Entwicklungen der Schattenwirtschaft, siehe auch unseren Bericht hier.

„OÖ-Krone“: Was ist für Sie das Besondere am Linzer Großfall?
Wilfried Lehner:
Eigentlich die Dreistigkeit, wie man das System ausnutzt. Die Möglichkeit, dass man geringfügig Leute beschäftigt, die gleichzeitig Arbeitslosenbezug haben, ist ja an sich nichts Neues.

„OÖ-Krone“: Nur, dass man das zum betrügerischen Aufstocken schwarz bezahlter Lohnteilenutzt…
Lehner:
…das ist natürlich schon etwas Anderes.

„OÖ-Krone“: Ist das nur ein Einzelfall?
Lehner:
Das Schlimme ist, dass wir gegenwärtig eine geradezu unerklärliche Steigerung von geringfügig Beschäftigten im Raum Oberösterreich haben. Wir haben jetzt in dem Bereich bereits zwei weitere Verdachtsfälle von Unternehmen, die offensichtlich ähnliche Methoden anwenden. Im Umkreis von Linz.

„OÖ-Krone“: Sind die auch im Personalleasing tätig?
Lehner:
Es gibt leider einen ganzen Haufen dubioser Personalleasingfirmen derzeit am Markt, das ist für uns ein recht intensiver Bereich. Da werden teilweise Gehaltsbestandteile, die eigentlich steuerfrei sind, zu Unrecht auf die Lohnzettel genommen. Oder der Arbeiter kriegt Teile des Bezugs überhaupt schwarz.

„OÖ-Krone“: Das sind lauter Systeme, die man wohl schwer schon vorbeugend in den Griff bekommen kann.
Lehner:
Ja, stimmt. Man kann aber bei solchen Modellen sagen: Sie bedeuten ein enormes Haftungsrisiko für den, der sich solcher Personalleasingfirmen bedient. Weil wenn das auffliegt, haftet nämlich der Auftraggeber nach dem Arbeitskräfteüberlassungsgesetz für die Sozialversicherungsbeiträge und den (nach außen hin) zu wenig bezahlten Lohn.

„OÖ-Krone“: Übrigens: Ist Linz im Zuge der Aktenaffäre nun ein häufiger benutzter Standort für Modelle des Lohn- und Sozialdumpings geworden?
Lehner:
Das ist schwer zu beantworten. Wie alle Ballungsräume eignet sich natürlich Linz auch für solche Konstruktionen. Alles ist ein bisschen anonymer und da gehen die Dinge öfter einmal einfach unter. Aber nicht immer, Gott sei Dank.

Interview: Werner Pöchinger, Kronen Zeitung

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