16.01.2019 17:00 |

Markt boomt

Viele Chancen für Tirol als Natur-Apotheke

Medikamente und Kosmetika mit natürlichen Inhaltsstoffen boomen. Doch bis aus einem Hausmittel ein markttaugliches Präparat wird, muss viel geforscht werden. Tiroler Wissenschafter gehören zu den Vorreitern. Bei einem Kongress in Seefeld führte Günther Bonn von der Universität Innsbruck aus, warum Tirol auch beim Anbau von natürlichen Wirkstoffen Weltspitze werden könnte.

200 Milliarden Euro setzt allein die Kosmetik-Industrie mit natürlichen Wirkstoffen um. „In wenigen Jahren wird sich das verdoppeln“, erklärt Günther Bonn, Leiter des Innsbrucker Instituts für Analytische Chemie und Radiochemie. Bonn ist einer der Architekten des „Phytovalley Tirol“ - ein Zusammenschluss von universitären und außeruniversitären Einrichtungen, die pflanzliche Wirkstoffe für Pharmazie, Kosmetik und Lebensmittelzusatzstoffe suchen und erforschen. Zu tun gibt es genug. Rund 400.000 Pflanzenarten sind weltweit bekannt. „Erforscht sind aber erst 10 Prozent“, sagt Bonn und verweist darauf, dass in Österreich bisher nicht mehr als 200 Pflanzenextrakte für den Markt zugelassen sind.

Warum erst so wenige, erklärt der Wissenschafter anhand einer Familiengeschichte: „Früher ging meine Oma Kräuter sammeln, weil sie die Wirkstoffe aus Überlieferung kannte. Das Problem dabei: die Oma handelte intuitiv. Sie wusste nichts davon, dass es einen Unterschied macht, wo und wann sie die Pflanzen sammelt. Die moderne Medizin braucht aber gleichbleibende Qualität der Inhaltsstoffe. Das ist derzeit ein wichtiges Forschungsfeld.“

Vom Schnaps in das Erkältungsmittelchen
Tirol ist reich an Pflanzen für die Hausapotheke. Bonn nennt als Beispiele den gelben Enzian, der seit jeher für Schnaps verwendet wird. Seine Bitterstoffe lindern so manches Leiden. Gemeinsam mit anderen alpinen Kräutern wie der Schlüsselblume ist Enzian auch in einem der meistverkauften Erkältungsmittel zu finden. „Dafür kann man aber nicht einfach in der Natur sammel. Es braucht professionellen Anbau“, erklärt der Fachmann. Gebiete dafür gebe es in Tirol einige. Bonn denkt da etwa an Osttirol. Dort will man Bauern für diesen Erwerbszweig erwärmen. Die Chancen am Weltmarkt sind auf jeden Fall groß.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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