16.01.2019 11:15 |

Übernatürliches Finale

„Glass“: Shyamalans Helden als Scherbenhaufen

Du kannst nicht verbergen, wer du wirklich bist: M. Night Shyamalans („The Sixth Sense“, „Signs“) einzigartige Erzählung über Helden und Schurken kommt jetzt in „Glass“, der Fortsetzung von „Unbreakable“ und „Split“ zu seinem spannungsgeladenen Höhepunkt, wenn der scheinbar unkaputtbare und superstarke David Dunn (Bruce Willis), die übermenschliche Bestie (James McAvoy) und Superhirn Elijah Price alias Mr. Glass (Samuel L. Jackson) zur gemeinsamen Therapiestunde verpflichtet werden. Das Kammerspiel rund um die brennende Frage, ob denn Superhelden real sind, läuft ab 17. Jänner in den heimischen Kinos.

Nur wenige ahnten vor zwei Jahren, dass sich M Night Shyamalans mörderischer Thriller „Split“ als Fortsetzung von „Unbreakable“ aus dem Jahr 2002 entpuppen würde. In einer überraschenden Wendung ließ der Regisseur, der für seine „Twists“ (man denke nur an „The Sixth Sense“) berühmt wurde, am Ende von „Split“ die Geschichte des mit multiplen Persönlichkeiten ausgestatteten Kevin Wendell Crumb (James McAvoy, Professor X in der aktuellen „X-Men-Filmreihe“) mit jener von David Dunn (Bruce Willis) und Elijah Price (Samuel L. Jackson) kollidieren.

Es dauert nicht lange, bis Dunn, Price und Crumb - wenige Wochen nach den Ereignissen von „Split“ - in „Glass“ gemeinsam in einer Anstalt weggesperrt werden, beaufsichtigt von Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson), einer Spezialistin für Wahnvorstellungen, die von Comics inspiriert sind. Was wie das Ende einer Geschichte anmutet soll erst der Anfang einer Reihe von Enthüllungen sein: die lang verborgenen Geheimnisse von Mr. Glass und sein wahnwitziger Plan kommen langsam ans Tageslicht - und seine dunklen Absichten für die beiden Männer, deren Leben er für immer verändert hat.

Geschichte endet 17 Jahre nach „Unbreakable“
Mit „Glass“ will Shyamalan seine ganz eigene Interpretation des Superhelden-Mythos 17 Jahre nach „Unbreakable“ zum Abschluss bringen - mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Blockbuster-Filmwelt 2002 noch nicht von Spider-Man, Batman & Co. dominiert wurde. Damals war die Erfolgszeit der Superhelden im Kino gerade erst angebrochen, heute sind die Quasi-Götter und ihre modernen Heldenepen aus den Multiplexen unserer Welt nicht mehr wegzudenken.

Shyamalans düstere, in der realen Welt angesiedelte Comic-Version wirkt an der Oberfläche durchaus ambitioniert, zerbricht aber letztlich unter der Last seiner viel zu zahlreichen Einzelteile, statt sich zu einem passendem Ganzen zusammenzusetzen. So bringt der Filmemacher, der auch für das Drehbuch von „Glass“ verantwortlich zeichnet, zwar seine in „Unbreakable“ begonnene Meditation über Comic-Geschichten zu einem unvermeidlich brutalen Showdown - der regelrecht Superhelden-besessenen Unterhaltungsgesellschaft der Gegenwart kann er dabei aber nur oberlehrerhaft einen blinden Spiegel vorhalten.

Shyamalan hinterlässt Scherbenhaufen
Leider erweist sich die in mystische Bilder getauchte aber gänzlich ironiebefreit erzählte Saga über Helden und Schurken - ganz dem Titelcharakter von Sam Jackson entsprechend - am Ende als zu brüchig. Was von der vielversprechenden Konfrontation der drei Übermenschen bleibt, ist ein Superhelden-Film, der eigentlich keiner sein will und sich selbst und seine geheime Geschichte der Menschheit etwas zu ernst nimmt. Regisseur Shyamalan kann letztlich nicht verbergen, was „Glass“ wirklich ist: nämlich ein großer Scherbenhaufen.

Kinostart von „Glass“: 17. Jänner

Harald Dragan
Harald Dragan

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