02.01.2019 15:00 |

Oper Graz:

Ein Neujahrskonzert mit ganz viel Humor

Am Vormittag des 1. Jänner hatte Christian Thielemann dem Wiener Neujahrskonzert eine recht ernsthafte Note verliehen. Wenige Stunden später ging das Neujahrskonzert der Grazer Philharmoniker unter Wolfgang Bozić locker über der Bühne: Dem „Humor in der Musik“ war der Abend in der Grazer Oper gewidmet.

„10 Märsche, um den Sieg zu verfehlen“ - diesen wunderbaren Titel hat Mauricio Kagel Ende der 1970er seinen Kompositionen für ein Hörspiel gegeben, in denen er ein Orchester durch die Ruinen der Repräsentationsmusik stolpern lässt. Denn auch in der Musik funktioniert der Humor vor allem dann wirklich gut, wenn er sich der Normalität und den Erwartungshaltungen entgegenstemmen darf.

Musikalische Scherzereien
Diese Erkenntnis hat auch Wolfgang Bozić als musikalischen Leiter des heurigen Neujahrskonzerts geleitet. Denn neben Klassikern wie Offenbachs Ouvertüre zu „Orphée aux anfers“ und prickelnden Polkas von Johann Strauß (Vater und Sohn), standen hintergründige musikalische Scherze auf dem Programm: In Zimmermanns „Rheinischen Kirmestänzen“ scheppern und kreischen die Bläser um die Wette, Joseph Lanner zitiert sich in „Die Mozartisten“ pointenreich durch das Werk des großen Wolferls, und Leroy Anderson setzt in seinen Kompositionen dem Alltag die Narrenhaube auf - etwa im berühmten „Typewriter“: Jerry Lewis hat das Stück mit der Schreibmaschine zum unsterblichen Moment der Filmgeschichte geformt. In Graz hämmerte Leonhard Königseder den Klassiker in die Tasten.

Ernsthafte Momente
In diesem heiteren Reigen stachen naturgemäß die wenigen ernsthaften Momente besonders heraus: das bewegende Canzonetta aus Brittens sonst so humorigen „Soirées musicales“ etwa oder das zärtliche „Baïlèro“ aus Malarets „Chants d’Auvergne“. Und auch Aurelia Florian, die dem Abend ihre Stimme und einen kräftigen Hauch Pathos verlieh, lief in den getragenen Arien von Dendrino und Grigoriu zu absoluter Topform auf.

Mit großer Spielfreude lieferten die Grazer Philharmoniker einmal mehr eine variantenreiche Ergänzung, zum doch eher rigiden Programm ihrer Wiener Kollegen.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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