16.12.2018 15:00 |

Kommentar

Fall Dornauer: Ein Fehler, aber kein Weltuntergang

Georg Dornauers Aussagen im Landtag waren ein Fehler. Wie sich die Story aber dann mit Hilfe der ÖVP entwickelte, ist maßlos übertrieben. Ein Kommentar von Markus Gassler.

Ja, es war ein Fehler. Zu sagen, dass man sich - welche Frau auch immer - nicht in der Horizontalen vorstellen möchte. Vor allem in Zeiten von #metoo. Der designierte Tiroler SP-Obmann Georg Dornauer wäre an und für sich ja ein kluger Mann. Nicht nur wegen seines Doktortitels. Doch ab und zu gehen mit ihm die Pferde durch. Und dann passieren eben Dinge, wie sie an jenem späten Donnerstagabend im Landtag passiert sind. Aber wer den „Schorschi“ besser kennt, der weiß: Um einen lockeren Spruch ist der Sellrainer Bürgermeister nie verlegen. Und an Selbstbewusstsein mangelt es ihm auch nicht - ganz im Gegenteil. Was am Stammtisch gut ankommt. Aber im Landtag? Wobei man der Bevölkerung hier auch einmal reinen Wein einschenken muss. „Der Landtag ist ein Querschnitt der Bevölkerung“, pflegte der legendäre frühere LHStv. Ferdinand Eberle immer zu sagen. Was heißen soll: Da sind alle Schichten vertreten. Zu glauben, dass es im Landtag vornehm wie in einem Mädchenpensionat zugeht, ist ein Irrglaube. Zu behuapten, das wäre eines Landtages nicht würdig, ist lächerlich. Zumal sich bei Dornauers Rede fast alle Anwesenden vor lachen gebogen haben.

Ein Getriebener seiner Coolness
Trotzdem hätte sich Dornauer seinen Sager verkneifen müssen. Aber er ist ein Getriebener seiner Coolness - und das wurde ihm zum Verhängnis. Dabei hatte er noch großes Glück und kam mit einem blauen Auge davon. Wobei die Gegner - in erster Linie ÖVP und Grüne - das Thema immer wieder aufköcheln werden.

Entschuldigung wird verschwiegen
Dass sich Dornauer unmittelbar nach seinem Fehltritt im Landtag entschuldigte, wird gerne verschwiegen. Doch das ist Politik - ein schmutziges Geschäft. Das wurde einmal mehr bewiesen. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn die Politikverdrossenheit steigt. Weniger Dornauers Auftritt, als viel mehr wegen des Umstandes, wie seitens der ÖVP versucht wurde, billig politisches Kleingeld zu verdienen. Die stellte nämlich nur jene Sequenz ins Netz, in der Dornauers „horizontaler Sager“ fiel. Seine - von den Grünen eingeforderte - Entschuldigung wurde geflissentlich weggelassen. Dass Dornauer am Mittwoch bei der Angelobung jenes Abgeordneten, der das Filmchen ins Netz stellte, demonstrativ sitzen blieb, dafür haben sicher die meisten Tiroler Verständnis. Alles andere wäre nämlich heuchlerisch gewesen. So heuchlerisch und übetrieben, wie übrigens die aufgesetzte Empörung der Tiroler Schwarzen!

Denken, dann reden
Dass Dornauer im Zuge seiner Entschuldigung erneut sinnlos nachlegte („Sexismus entsteht beim Empfänger!“) - das hat allerdings niemand verstanden. Und hoffentlich hat er - im eignen Interesse - nun auch ein für allemal kapiert: Zuerst denken, dann sprechen!

Markus Gassler
Markus Gassler
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