13.12.2018 07:21 |

Maria Alm

Ein „Geister-Hotel“ für Zweitwohnsitze

Wird ein „Großbeherbungsbetrieb“ als Deckmantel benutzt, um reichen Briten und Niederländern einen Zweitwohnsitz in Maria Alm zu verschaffen? Zumindest liegt dieser Verdacht beim „Clubhotel Hinterthal“ nahe. Der Betreiber sitzt in den Niederlanden, Mitarbeiter gibt es vor Ort keine. Und bald wird ausgebaut.

Gähnende Leere im schmucken Hauptgebäude mit seinen 19 Appartements, es scheint niemand da zu sein. Weder das Hotel-Personal, noch Urlauber. Auch die acht Chalet-Häuser wirken lebensleer. Die „Krone“ griff zum Hörer und wählte die Nummer, die im Internet angegeben ist: Der Hausmeister hebt ab. Für Buchungen solle man eine Mail schreiben, rät er.

Trotz Luxus ist kein Hotel-Personal vor Ort

Vor Ort gibt es jedenfalls keine Rezeption oder derartiges, die Betreiberfirma - die „Clubhotel Hinterthal GmbH“ - wird laut Firmenbuch von einem niederländischen Architekten geführt. Hierzulande hat dieser jedenfalls keinen Wohnsitz.

Dem Flächenwidmungsplan nach ist das ganze Areal am kleinen, malerischen Florysee als „Beherbergungsgroßbetrieb“ ausgewiesen, teilt die Gemeinde auf Nachfrage mit. Errichtet wurden die Gebäude zwischen 2005 und 2006. Zwei Jahre vor Baubeginn wurde die Gesellschaft gegründet. 2007 startete der Betrieb.

Jedes Jahr zahlt „Hotel“ 13.000 Euro Ortstaxe

Der „Krone“ vorliegenden Informationen nach wurden alle Chalets verkauft: eine der hölzernen Luxus-Bauten kostete beispielsweise 900.000 Euro. Unter den Eigentümern findet sich kein einziger Österreicher: Es sind vorwiegend Briten und Niederländer mit großer Geldbörse. Die sind zudem auch Gesellschafter der „Hinterthal Development GmbH“. Der Name eines Geschäftsführers tauchte laut der „Offshore Leaks Database“ (einer Enthüllungs-Datenbank) sogar in den Panama Papers auf.

Und es wird noch dubioser:13.000 Euro an Ortstaxe zahlt die Betreiberfirma. Jedes Jahr immer den gleichen Betrag, es werden offenbar auch immer die gleichen Nächtigungszahlen gemeldet. Schwer vorstellbar bei einem normalen „Beherbergungsgroßbetrieb“.

Hinsichtlich der Ortstaxe und den Nächtigungszahlen verweist die Gemeinde aber auf den Datenschutz. Eine „Besondere Ortstaxe“ für Ferienwohnungen wird aber nicht eingehoben. Dabei könnte Maria Alm ordentlich etwas mitverdienen: 456 Euro sind es beispielsweise bei Ferienwohnungen mit mehr als 130 Quadratmeter Nutzfläche.

Aber es wird noch seltsamer: Im Zuge eines Bau- und Gewerbeverfahrens kam 2017 auf, dass das „Clubhotel Hinterthal“ überhaupt keine Gewerbeberechtigung als Hotel besitzt.

Gewerbeberechtigung fehlte über zehn Jahre

Das wurde rasch geändert, wie online beim Firmen-ABC der Wirtschaftskammer Österreich nach zu lesen ist: Seit dem 25. Jänner 2018 besitzt die Anlage die Konzession als Hotel.

Es stellt sich die Frage, wie legal das Ganze ist? Oder ist es gar ein System, welches Schlupflöcher nutzt, um noch mehr Zweitwohnsitze zu ermöglichen?

Indessen wird beim Hinterthaler „Chalet-Dorf“ weiter gewerkt: Erst am Mittwoch fand eine Bauverhandlung statt. Dabei ging es um den Umbau von drei Chalets, die baulich zu einem großen zusammengefasst werden sollen. Nebenbei starteten nun im Dezember 100 Ferienwohnungen ihren Betrieb, und das im Ortszentrum. Nicht ohne Frust bei den Einheimischen, die unter den immer steigenden Bau- und Grundstückspreisen verzweifeln. Ab Jänner soll eine Task-Force des Landes die Zweitwohnsitz-Praktiken unter die Lupe nehmen. Hier, in Maria Alm, könnte man anfangen.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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