19.05.2004 11:39 |

Tschüss und baba

Hitzfeld geht, Magath kommt

Es ist endlich offiziell: Die Ära Ottmar Hitzfelds beim FC Bayern München ist am Samstag nach sechs Jahren und acht großen Titeln zu Ende. Und Felix Magath wird sein Nachfolger. Hitzfeld, der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer, bestätigte die vorzeitige Trennung am Dienstagabend nach einem Freundschaftsspiel des Fußball-Rekordmeisters in Ungarn.
Manager Uli Hoeneß habe ihm mitgeteilt,"dass der Verein anders plant. Somit ist mein Vertrag am 30. Juni2004 beendet", sagte Hitzfeld nach dem Spiel beim Club FC ETOGyör im Deutschen Sportfernsehen (DSF).
 
Hitzfeld "zu brav"
Hoeneß erklärte: "Es ist total richtig,jetzt den Schnitt zu machen." Hitzfeld sei "zu brav" gewesen zuden Spielern. Gleichzeitig bestätigte Hoeneß in Györdie Einigung mit dem Noch-Teammanager des VfB Stuttgart. "Wirhaben mit Felix Magath bereits seit einigen Wochen einen Vertragab 1. Juli 2005", sagte Hoeneß. Man werde nun versuchen,ihn früher zu bekommen. Man habe die "Hausaufgaben" gemacht.
 
"Ich muss die Entscheidung akzeptieren", sagte Hitzfeld.Er sei von Hoeneß immer über den Stand der Dinge informiertgewesen. "Es waren tolle Jahre mit großartigen Erfolgen.Das Positive wird überwiegen." Vorerst will der Trainer trotzeiniger Angebote für ein Jahr "definitiv" keinen neuen Vereinübernehmen: "Ich muss erst Abstand gewinnen."
 
Der nach dem Hick-Hack der letzten Wochen nichtmehr unerwartete Trainerwechsel war zuvor nach Berichten von "Bild"und "Abendzeitung" bekannt geworden. Bei einem Essen in Hoeneß'Privathaus mit den Familien von Hitzfeld und dessen AssistentMichael Henke wurde dem 55-jährigen Fußball-Lehrereröffnet, dass der FC Bayern trotz eines bis 2005 laufendenVertrages nicht mehr mit ihm plant.
 
Niederlage gegen Werder ausschlaggebend
Ausschlaggebend war laut Hoeneß das 1:3 gegenWerder Bremen vor zehn Tagen. "Das Spiel hat die Welt verändert.Da ist mir klar geworden, dass wir nicht noch ein Jahr durchstehen.Nach dem Spiel fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es gehtnicht", sagte Hoeneß der "AZ". Bayerns MinisterpräsidentEdmund Stoiber (CSU) würdigte in Györ die VerdiensteHitzfelds, begrüßte aber den Wechsel. Hitzfeld seiein "großer Trainer, dem der FC Bayern ungeheuer viel zuverdanken hat". Aber: "Es ist nicht zu verkennen gewesen, dassdiese Mannschaft an Feuer und Leidenschaft verloren hatte. Ichhoffe, dass das wieder entfacht wird."
 
Kritik an Bayern-Führung
Für den unwürdig wirkenden Umgang mit demGentleman Hitzfeld erntete die Bayern-Führung scharfe Kritik.Lothar Matthäus bezeichnete die Vorgänge bei seinemEx-Verein als "traurige Geschichte" und Hitzfeld als "Bauernopfer".Der ungarische Nationaltrainer erklärte in Györ: "Wiedie Sache abgelaufen ist, zeigt die fehlende Souveränitätdes FC Bayern in den letzten zwölf Monaten. Ist nur der Trainerschuld an der Situation? Der Fisch fängt immer am Kopf zustinken an." Bayern-Kapitän Oliver Kahn sagte: "Ich denke,es wäre klüger gewesen, zu einem früheren Zeitpunktklar Schiff zu machen."
 
Hitzfeld wird im "Endspiel" um die direkte Champions-League-Qualifikation am Samstag gegen den SC Freiburg zum letzten Malbei einem Bundesliga-Spiel als Trainer auf der Bayern-Bank sitzen.Nach Tagen der Spekulationen war dies schon länger klar.Doch offizielle Erklärungen von Bayern-Seite gab es bis nachdem Györ-Spiel trotz eines TV-Auftritts von Hoeneßnicht.
 
4,5 Millionen für Hitzfeld?
Hitzfeld soll angeblich eine Abfindung von rund 4,5Millionen Euro erhalten. Er war seit 1998 in München engagiert.In sechs Jahren holte er mit den Bayern den Weltpokal (2001),die Champions League (2001), vier Meistertitel sowie zwei Malden DFB-Pokal.
 
Spieler-Lob für Hitzfeld
Der Trainer erntete für sein loyales Verhaltenviel Lob. "Er reagiert auch hier mit unglaublich viel Charakter,mit sehr viel Stil", sagte Kahn. Michael Ballack fand: "Man mussden Hut vor ihm ziehen, wie er die Situation wegsteckt." Ähnlichäußerte sich Nachfolger Magath: "Ich bewundere OttmarHitzfeld, wie er mit dieser Situation umgeht. Dem gebührthöchster Respekt."
Samstag, 19. Juni 2021
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