25.11.2018 09:37 |

Preise sind im Keller

Apfelbauern: „Das Wasser steht uns bis zum Hals“

Es ist nüchterner Fakt, dass der Apfelpreis im Keller ist - zum Horror wird dieses Faktum, wenn man die Familien dahinter sieht. Und ihre Existenznöte. Ein Besuch bei Familie Zöhrer in Puch bei Weiz.

Wer derzeit durch das berühmte steirische Apfelland in der Gegend von Puch fährt, bemerkt ein Phänomen: Es hängen immer noch auffallend viele, schöne, pralle, rotfarbige Äpfel an den Bäumen. Warum das, es ist doch schon fast Winter? „Weil es sich nicht auszahlt, sie zu ernten. Die Ernte käme teurer als der Erlös, den man erzielen kann“, erklären Karin und Christian Zöhrer. Wie kann sowas sein?

„Es ist eine einfache Rechnung: Eine Semmel kostet circa 35 Cent. Und für ein Kilo Äpfel erhalten wir 20 bis 25 Cent. Dafür, dass wir ein Jahr lang dafür gearbeitet haben, bei allen Natur- und Wetterverhältnissen, und obwohl viele aufwändige Arbeitsschritte, Betriebsmittel und Maschinen notwendig sind. Und uns allein die Produktion 40 bis 50 Cent kostet“, erklärt das Paar. Da läuft doch etwas schief. Gewaltig schief.

Familie fällt immer weiter in Schuldenloch
Vier Generationen der Familie leben auf dem schmucken Hof vulgo Grabenbauer. Der Opa, der mit viel Mühen alles aufgebaut, der Vater, der ausgebaut hat, und der Sohn, der mit seiner Frau schuftet wie verrückt, dazu die herrlichsten Säfte und Brände erzeugt - und dennoch immer nur weiter ins Schuldenloch fällt!

Das vierte Katastrophenjahr hintereinander ist das schon. 2015 der Einbruch wegen des Russland-Embargos. 2016 und 2017 der Frost, der 70 Prozent der Ernte kaputt fror. Und jetzt der Spitzenertrag. Den allerdings EU-weit alle hatten. Und der den Preis tief in den Keller rasseln ließ. Vier Jahre intensive Arbeit - für null Lohn? Ja sogar für Schulden, die man machen musste, um überhaupt arbeiten zu können, um die Familie zu ernähren? Das würde doch kein Angestellter jemals machen.

Einen Versuch starten sie noch
„Einfach ,zudrehen‘ und auf den Arbeitsmarkt strömen, das können wir nicht“, sagen die Zöhrers. „Der Bauer plant schließlich langfristig.“ Aber zu ihrem Entsetzen müssen sie sich selber eingestehen: „Das nächste Jahr, das haben wir uns vorgenommen, wollen wir noch irgendwie durchkämpfen. Wenn es dann nicht besser wird, müssen wir aufgeben.“ Aber ob’s nächstes Jahr besser wird? Wo noch mehr billige polnische Äpfel den berühmten steirischen Apfel-Markt fluten werden?

Die Zöhrers finden klare Worte: „Die lassen uns sterben. Die haben gar kein Interesse daran, dass der steirische bäuerliche Mittelstand erhalten bleibt. Die brauchen uns nur noch für die Werbung, wenn das herziges Schweinderl herum rennt. Was übrigens vollkommen unrealistisch ist. Die Leute sollten sich die Wahrheit einmal anschauen.“

„Man kann doch nicht tatenlos zuschauen“
Mit „die“ meinen sie alle, den Handel genauso wie die Politik. Christian Zöhrer: „Ich weiß von polnischen Kollegen, dass dort ganz andere Förderungsakzente gesetzt werden als bei uns. Bei uns heißt es immer nur, das ist halt die EU, das ist freie Marktwirtschaft. Aber wenn sogar heimische Safterzeuger Äpfel aus dem Ausland nehmen, kann man doch nicht tatenlos zuschauen.“

Früher war alles besser
Vater Hans versteht die Welt auch nicht mehr: „In den 70er-Jahren waren die Zeiten viel, viel besser. Damals haben wir umgerechnet 50 Cent für den Kilo gekriegt! Der Diesel war billig, die Flächen waren kleiner, so konnten wir sie mit der Familie bewirtschaften. Damals haben wir einen Traktor um 40.000 Schilling kaufen können - heute kostet er 90.000 Euro!“ Der Altbauer stellt die entscheidende Frage: „Wie kann man so viele Äpfel ins Land holen, wenn wir selber eh genug haben?"

„Das würden wir ihm derzeit verbieten“
Der jüngste Sprössling, der täte auch gern Apfelbauer werden. Aber da sind die Eltern sich einig: „Das würden wir ihm in der derzeitigen Situation strikt verbieten.“ Bitterer Nachsatz: „Falls es dann überhaupt noch heimische Bauern gibt.“ Was wir, die Kunden tun können? „Steirische Äpfel nachfragen! Immer und immer wieder. Und keine anderen kaufen.“

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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