Financial Fair Play

Hat FIFA-Boss Infantino ManCity und PSG gerettet?

Das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet in seiner neuesten Ausgabe über die Machenschaften von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Dieser soll demnach persönlich Einfluss auf die Aufweichung des Ethik-Codes des Fußball-Weltverbandes genommen haben. Und in seiner Zeit als UEFA-Generalsekretär soll er mit den Scheichclubs Manchester City und Paris St. Germain paktiert haben.  Das ergibt sich aus internen Papieren der FIFA, die von der Enthüllungsplattform Football Leaks zur Verfügung gestellt wurden.

Schon als UEFA-Generalsekretär soll Infantino im Jahr 2014 die Arbeit von verbandsinternen Kontrollgremien hintertrieben haben, so der „Spiegel“. Demnach habe Infantino den Scheich-Klubs Manchester City und Paris St. Germain zu sehr milden Sanktionen für ihre massiven Verstöße gegen die Regeln des Financial Fair Play (FFP) verholfen. Diese Budgetregeln legten fest, dass das Defizit eines Klubs in den Spielzeiten von 2011 bis 2013 nur noch bei insgesamt 45 Millionen Euro liegen durfte.

218 satt 45 Millionen Euro
UEFA-Ermittler und unabhängige Wirtschaftsprüfer bezifferten jedoch das über diese 45 Millionen Euro hinausgehende schuldhafte Defizit bei PSG auf 218 Millionen, bei ManCity auf 188 Millionen Euro. Daraufhin drohte beiden Vereinen die empfindlichste Strafe: ein Ausschluss aus der Champions League. Sowohl die katarischen Eigentümer von PSG als auch die Besitzer von Manchester City, die aus Abu Dhabi kommen, versuchten das mit massivem Druck gegen die UEFA-Führung zu verhindern.

Geheimgespräche
Aus den Unterlagen von Football Leaks geht auch hervor, dass sich Infantino „als Generalsekretär des ermittelnden Verbandes auf die Seite der Klubs schlug. Während der laufenden FFP-Verfahren traf sich Infantino mehrmals zu Geheimgesprächen mit den Klubbossen aus Paris und Manchester, fütterte sie mit vertraulichen Details und schlug Kompromisse vor, zu denen er nicht befugt war“, heißt es in dem Bericht.

Geheimes Mail
„Der Spiegel“ zitiert dabei aus einer E-Mail vom 2. Mai 2014, in der Infantino dem Klubchef von Manchester City, Khaldoon Al-Mubarak, Vorschläge für einen Vergleich mit dem Verband, ein sogenanntes Settlement, skizziert habe: „Du wirst sehen, dass ich manchmal einen Ausdruck gewählt habe, der etwas ‘strenger‘ aussieht“, schrieb Infantino, an der einen oder anderen Passage könne man durchaus noch feilen: Sein Appell deshalb: „Bitte lies das Dokument in genau diesem Geist.“ Selbstverständlich, fuhr Infantino fort, sei dieses Schreiben „nur zwischen uns“, streng geheim also.

Resultat: Milder Vergleich
Im Mai 2014 unterzeichneten beide Vereine dann Settlement Agreements mit der UEFA, die ihr Geschäft kaum beeinträchtigten. Wenige Tage zuvor war der schottische Wirtschaftsexperte Brian Quinn, der als Leiter der FFP-Untersuchungskommission das Verfahren gegen beide Klubs unabhängig von der UEFA-Führung hätte führen sollen, von seinem Amt zurückgetreten. Er hatte laut „Spiegel“ die Vergleiche angesichts des Ausmaßes der Regelverstöße für zu milde erachtet. In den Jahren nach den Einigungen mit der UEFA haben PSG und Manchester City zusammen über eine Milliarde Euro für neue Spieler ausgegeben.

Infantino selbst gab vorerst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen ihn ab.

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