Übergewicht-Sager

Lindsey Vonn ist immer noch sauer auf den ÖSV

Sport
12.01.2010 19:09
Lindsey Vonn, 70 Kilogramm schwer, hat sich wegen der Kommentare um ihr Gewicht immer noch nicht ganz beruhigt. Obwohl eine klärende Aussprache mit ÖSV-Damenchef Herbert Mandl längst erfolgt ist, legte die Weltcup-Führende nun in den Medien noch nach. Sowohl in ihrer Kolumne in der "Denver Post" als auch bei einer Telefonkonferenz vor dem Nachtslalom in Flachau beklagte sich Vonn bitter, erklärte aber auch, dass die Kommentare der ÖSV-Coaches für sie eine zusätzliche Motivation waren.

Das Ergebnis ist bekannt: Vonn gewann in Haus beide Abfahrten und den Super-G und damit als Erste seit Katja Seizinger 1997 drei Rennen an drei aufeinanderfolgenden Tagen an einem Ort. Über 71.000 Euro Preisgeld, vor allem aber die 300 Weltcuppunkte in 72 Stunden haben die derzeitige Sonderstellung der US-Amerikanerin, die ohne Verletzungen im kommenden März wohl zum dritten Mal in Folge als Gesamtsiegerin dastehen wird, unterstrichen.

Vonn nutzte jedenfalls jeden medialen Kanal, um ihrer Enttäuschung über die alles andere als neue und wohl auch missverstandene Diskussion (Renate Götschl: "Schon zu meiner Zeit war klar, dass über 75 Kilo in der Abfahrt ideal sind"), wonach größere und schwerere Abfahrerinnen vor allem in Gleitabfahrten Vorteile hätten, Luft zu machen.

"Übergewicht? - Das kann nur ein Scherz sein" 
Auf Facebook verwies die 1,78 Meter große und nach eigenen Angaben 70 Kilo wiegende Wahlösterreicherin auf ihren Artikel in der mit "Übergewicht? - Das kann nur ein Scherz sein" übertitelten Story der "Denver Post". Im Telefonat mit mehreren US-Medien alterierte sich Vonn: "Beim Skifahren geht es darum, dass du Kraft hast und beweglich bist. Wenn bloß Gewicht das Erfolgsgeheimnis wäre, würden sich alle nur noch die Bäuche vollstopfen."

Die im Salzburger Red-Bull-Trainingszentrum unter "Laktatpapst" Bernd Pansold wahrscheinlich härter als jede andere trainierende Skirennfahrerin, die bei Olympia in Vancouver fünf Medaillenchancen hat und dort zu einem der Superstars der Spiele werden kann, strapaziert mittlerweile auch gar nicht mehr das Wort Übergewicht. Vielmehr stemmt sie sich generell gegen die Gewichtsdiskussion bei Frauen, die einfach höchst unpassend sei.

Vonn nimmt Riesch in Schutz
Spätestens da hakt Lindsey freilich selbst ein, nämlich dort wo sie schreibt: "Es gibt definitiv Mädchen im Rennzirkus, auf die man mit dem Finger zeigen könnte. Aber sicher nicht auf mich!" Gleiches gelte für ihre Hauptrivalin und beste Freundin Maria Riesch. Das Match zwischen Vonn und der 1,80 Meter großen Deutschen hatten Medien als "Riesenduell" bezeichnet.

Die Thematik bekommt freilich spätestens dann einen seriösen Charakter, wenn man weiß, dass die derzeit größten österreichischen Speed-Fahrerinnen (Regina Mader sowie die verletzte Maria Holaus) gerade einmal 1,68 Meter groß sind. Was die ÖSV-Coaches also in Wahrheit anprangern, ist - wenn schon - dann das umgekehrte und wahrscheinlich hausgemachte Problem.

Denn womöglich hat die seit Jahren gepflegte ÖSV-Strategie, die Rennläufer über die Technik zu potenziellen Gesamtsiegerinnen aufzubauen, leichte und bewegliche Typen bevorzugt. Das vermutet auch die zurückgetretene Doppel-Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister. Ein ähnliches Problem hat man - abgesehen von vielen Verletzungen - auch im Herren-Bereich, wo die klassische Abfahrtsmannschaft vor einigen Jahren aufgelöst und durch eine Speed-Kombigruppe ersetzt wurde.

Schröcksnadel: "Es wird zu viel analysiert"
Die Folgen sind da wie dort ersichtlich. Nach den Serien-Rücktritten der vergangenen Jahre war es bei den Damen schon lange nicht mehr so leicht, ins Speed-Weltcupteam oder selbst zu Olympia zu kommen. Mandl kann mangels qualifizierter Läuferinnen nicht einmal mehr die volle Quote ausschöpfen, "dabei arbeiten wir akribischer als vor fünf Jahren", versicherte er. Das wiederum veranlasste ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel in Haus ungefragt zum Kommentar, im Damenteam würde "zu viel analysiert" und zu wenig "einfach Ski gefahren".

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Sport
12.01.2010 19:09
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung