28.10.2018 10:06 |

Bluttat in US-Synagoge

Antisemitischer Täter: „Alle Juden müssen sterben“

Schock und Entsetzen in den USA: Ein 46-jähriger Mann tötete in einer Synagoge während einer Namensgebungszeremonie für ein Baby elf Menschen. Das Blutbad dauerte nach Augenzeugenberichten 20 Minuten! Zuvor hatte der Mörder in sozialen Medien antisemitische Postings veröffentlicht, beim Betreten des Gebäudes rief er: „Alle Juden müssen sterben!“ Für seine Wahnsinnstat benutzte der Täter offenbar ein halb automatisches AR-15-Gewehr, das von vielen Amokläufern benutzt wird.

Bei dem Schützen, der von der Polizei verhaftet werden konnte, handelt es sich offenbar um den 46-jährigen Robert Bowers. Beim Betreten der Synagoge rief er: „Alle Juden müssen sterben!“ Das Massaker danach habe etwa 20 Minuten gedauert. Neben dem Sturmgewehr soll Bowers drei Handgranaten bei sich gehabt haben, Medien sprechen auch von drei Handfeuerwaffen.

Gemeindemitglied Stephen Weiss berichtete, er habe Dutzende Schüsse aus der Lobby des Gotteshauses gehört. Eine Frau am Tatort sagte, ihre Tochter sei mit anderen Synagogenbesuchern die Stiegen hinunter gerannt und habe sich im Erdgeschoß verbarrikadiert, als die ersten Schüsse gefallen seien. Der Leiter der städtischen Sicherheitsbehörden, Wendell Hissrich, berichtete von einem „fürchterlichen“ Anblick in dem Gotteshaus nach der Bluttat. Ein Polizist sei ebenfalls verletzt worden.

„Scheiß auf eure Sichtweise, ich gehe rein“
Die Polizei geht klar von einem „Hassverbrechen“ aus. Laut dem Fernsehsender CBS soll Bowers kurz vor seiner Tat antisemitische Postings unter anderem auf Twitter veröffentlicht haben. Diese wurden mittlerweile aber gelöscht und sind nicht mehr zugänglich. In einem Eintrag in einem rechtsgerichteten Portal, der von ihm stammen soll und nur wenige Stunden vor dem Attentat gepostet wurde, wird die jüdische Flüchtlingshilfeorganisation Hias angegriffen: „Hias holt gerne Eindringlinge, die unsere Leute töten. Ich kann nicht sitzen bleiben und zusehen, wie meine Leute abgeschlachtet werden. Scheiß auf eure Sichtweise, ich gehe rein.“ 

Trump: „Mörder sollten ultimativen Preis zahlen“
US-Präsident Donald Trump forderte nach den tödlichen Schüssen von Pittsburgh schnellere Todesurteile für Mörder von Gläubigen in Gotteshäusern. „Sie sollten wirklich den ultimativen Preis zahlen. Sie sollten nicht Jahre über Jahre darauf warten.“ Der Präsident sprach sich zudem statt für schärfere Waffengesetze für bewaffnetes Sicherheitspersonal bei Gottesdiensten aus. „Ein Verrückter ging hinein, und die Gemeindemitglieder hatten keinen Schutz. Bewaffnete Posten hätten ihn sofort stoppen können“, so der Präsident gegenüber Journalisten, bevor er die Air Force One bestieg.

Bundeskanzler Kurz „zutiefst schockiert“
Der Angriff wurde auch international scharf verurteilt. „Ich trauere um die Toten von Pittsburgh, die offenbar Opfer von blindem antisemitischem Hass wurden“, ließ die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel rklären. „Wir alle müssen uns dem Antisemitismus entschlossen entgegenstellen - überall.“ Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich „zutiefst schockiert über das abscheuliche antisemitische Verbrechen in Pittsburgh, das ich auf das Schärfste verurteile“.

Auch der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu äußerte sich erschüttert über die „schreckliche antisemitische Brutalität“. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres und der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilten die Tat ebenfalls. Die Sicherheitsvorkehrungen um Frankreichs Synagogen sollen verstärkt werden. Der Jüdische Weltkongress (WJC) bezeichnete die Tat als „abscheulichen Terrorakt“.

Neben Briefbomben zweiter politisch motivierter Gewaltakt
Es handelt sich bereits um den zweiten offenbar politisch motivierten Gewaltakt, der die USA in der Schlussphase des Wahlkampfs für die Kongresswahlen am übernächsten Dienstag erschüttert. In den Vortagen waren 13 Briefbomben abgefangen worden, die an prominente Trump-Kritiker gerichtet waren, unter ihnen Ex-Präsident Barack Obama und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Der mutmaßliche Versender der Sprengsätze, ein 56-jähriger Mann aus dem US-Staat Florida, war am Freitag festgenommen worden.

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