Sa, 17. November 2018

„Grausames“ China

19.10.2018 12:06

Frau von Ex-Interpol-Chef fürchtet um dessen Leben

Die Festnahme des ersten chinesischen Interpol-Präsidenten Meng Hongwei sorgte für internationale Schlagzeilen. Sein Schicksal ist seither ungewiss, über die Hintergründe wird heftig spekuliert. Offiziell wird ihm Bestechlichkeit unterstellt. Aber war er auch in Machtkämpfe verwickelt? Die Frau des Verschwundenen fürchtet jedenfalls um sein Leben und um die eigene Sicherheit. In einem BBC-Interview sagte Grace Meng, ihrer Meinung nach gehe es in dem Fall um „politische Verfolgung“. Mengs Aufstieg und Fall offenbart, wie China sich ungeliebter Funktionäre entledigt.

Sie sei sich nicht sicher, ob ihr Mann noch lebe. Ihren Kindern sage sie, dass sich ihr Vater auf einer „langen Geschäftsreise“ befinde, sagte Mengs Frau in dem in Frankreich geführten Interview mit der britischen BBC. Sie führte auch aus, dass sie am Telefon bedroht worden sei. „Sie sind grausam. Sie sind schmutzig“, fügte sie hinzu.

China kenne bei der Verfolgung von Gegnern „keine Grenzen“, ist sich die Gattin des festgenommenen Funktionärs der äußerst gefährlichen Lage für ihre Familie bewusst. Dagegen müsse sie sich erheben, das sei sie auch anderen Frauen und Kindern schuldig. Aus Angst um ihre Sicherheit führte Grace Meng das Interview so, dass nur ihre Umrisse zu sehen waren. Ihre Äußerungen gelten als mutig. Es ist selten, dass sich Angehörige von kaltgestellten Funktionären überhaupt öffentlich äußern.

Interpol-Chef bei Landung in China festgenommen
Der Fall Meng Hongwei sorgt seit Ende September für internationale Schlagzeilen. Der erste chinesische Interpol-Chef war am 25. September von Frankreich nach China gereist. Seine Frau meldete ihn kurz darauf als vermisst. Erst am 7. Oktober dann die Gewissheit: Der 64-Jährige war nach der Landung in China festgenommen worden - ohne dass die chinesischen Behörden die internationale Polizeiorganisation zunächst unterrichtet hatten.

Die chinesische Justiz ließ also erst nach knapp zwei Wochen wissen, dass Meng „unter Aufsicht“ genommen worden sei und gegen ihn wegen des „Verdachts auf Gesetzesverstöße“ ermittelt werde. Kurze Zeit später ging dann am Interpol-Sitz im französischen Lyon eine Erklärung ein, in der Meng „mit sofortiger Wirkung“ seinen Rücktritt als Chef der internationalen Polizeibehörde erklärte.

Später hieß es, gegen Meng werde wegen des Verdachts auf Korruption ermittelt. Meng hatte in China hohe Ämter bekleidet, bevor er 2016 an die Spitze von Interpol wechselte. Die Regierung in Peking geht seit einiger Zeit hart gegen Korruption vor. Unter Präsident Xi Jinping sind in China bereits mehrere ranghohe Beamte verschwunden. Oft tauchten sie nach einigen Monaten als Angeklagte vor Gericht wieder auf.

Spekulationen um Machtkämpfe hinter den Kulissen
Das Vorgehen gegen den international prominentesten chinesischen Polizeirepräsentanten löste Spekulationen aus, ob der 64-Jährige vielleicht in Machtkämpfe hinter den Kulissen verwickelt gewesen sein könnte. Meng Hongwei hat Karriere im Polizeiministerium gemacht, als es noch unter Führung des später gestürzten und 2015 zu lebenslanger Haft verurteilten Sicherheitschefs Zhou Yongkang gestanden war, der als Rivale von Xi Jinping galt. Der Präsident äußerte später sogar den Verdacht einer Verschwörung.

Der Sturz des eigenen Interpol-Chefs ist ungewöhnlich. Experten sahen auch einen Schlag für die Reputation Chinas und seine Bemühungen, durch eigene Vertreter in internationalen Organisationen eine größere Führungsrolle weltweit zu übernehmen. So galt die Berufung Meng Hongweis an die Spitze von Interpol 2016 als Erfolg Chinas, sich mit seinem gewachsenen Gewicht auf der globalen Bühne durchzusetzen.

Die Personalie war international umstritten und hatte auch Menschenrechtler besorgt. Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach chinesischen Dissidenten und Aktivisten zu benutzen. Die wichtigste internationale Polizeiorganisation hat ihren Sitz im französischen Lyon. Die 192 Mitgliedstaaten tauschen unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus.

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