17.10.2018 06:30 |

Arzt ist beurlaubt

Fall David: Nun werden erste Konsequenzen gezogen

Der Tod Davids nach einer Mini-Operation im Landeskrankenhaus schockt Salzburg - und rüttelt selbst die Politik auf. Landeschef und Vize nehmen sich nun des Falles an. Gespräche wurden geführt. Erste Maßnahmen scheinen, bereits getroffen zu sein. Währenddessen arbeitet die Kripo - mit neuen Erkenntnissen.

Es sind 173 Tage vergangen, als Edda P. und Thomas G. ihrem Sohn das letzte Mal ins Gesicht blickten. Genau ein halbes Jahr als der Wonneproppen in den OP-Raum kam. Seit dem 27. April ist David tot - er wurde nur 17 Monate alt. Außer Beileidsbekundungen passierte monatelang nichts. Bis die Eltern gemeinsam mit ihrem Anwalt Stefan Rieder die „Krone“ um Unterstützung baten.

Landespolitik schaltet sich ein

Nun, fast zwei Monate und etliche Berichte später, scheint es, dass nun endlich erste Schlüsse gezogen werden. Konkrete Maßnahmen sollen folgen. Mit dem Ziel, dass ein derartig tragischer Vorfall in Zukunft nie mehr wieder passieren darf. Dementsprechend führte sogar die oberste Führung des Landes, Landeshauptmann Wilfried Haslauer und Vize Christian Stöckl, Gespräche mit Davids Eltern wie auch mit der Führung des Landesspitals. „Uns ist ganz wichtig, dass dieser Fall sauber, transparent und lückenlos aufgeklärt wird“, sagt Stöckl gegenüber der „Krone“ und bestätigt laufende Gespräche. Auf Maßnahmen bzw. den Fall David wollte der für die SALK zuständige Landespolitiker nicht eingehen. Nur: „Wir beobachten.“

Im Hintergrund sind aber bereits einige Maßnahmen angedacht, wie aus einem der „Krone“ vorliegenden Schreiben hervorgeht.

Geplant sind:

  • Verbesserungen in puncto Kommunikation und Krisenmanagement.
  • Bauliche Maßnahmen, damit Eltern nicht mehr im OP-Bereich warten müssen.
  • Unterbringungsmöglichkeiten für Eltern, deren Kinder auf der Intensivstation liegen.
  • Verpflichtende - statt wie bisher freiwillige - Schulungen für das Klinikpersonal betreffend der Kommunikation mit Angehörigen.

Keine Entschuldigung

Auf ein Eingeständnis und eine Entschuldigung von der SALK werden Mama Edda P. und Papa Thomas G. noch länger warten müssen: Dies sei allein aus „rechtlichen Gründen“ nicht möglich, heißt es. Zuerst soll nämlich juristisch aufgeklärt werden: Wie berichtet ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die zwei behandelnden Ärzte - einen Oberarzt der Kinderchirurgie und einen Anästhesisten. Die Gerichtsmedizin stellte die Todesursache fest: Hirntod-Syndrom in Folge der OP. 

Neue Ermittlungserkenntnisse

Vor kurzem führten Kripobeamte Zeugenbefragungen durch: Schwestern, OP-Assistenten und eine Ärztin sagten aus. Weitere folgen dieser Tage. Aus der bisherigen Ermittlungsarbeit gingen einige Erkenntnisse hervor, wie „Krone“-Recherchen ergaben: So war das EKG scheinbar während des Eingriffs nicht angeschlossen - erst bei der Reanimation wurde es angelegt. Eine Intubation gelang dem Anästhesisten anfangs nicht, sondern erst als eine Oberärztin übernahm. Der Anästhesist sagte Sekunden nach dem Eingriff, dass „etwas nicht stimmt“ - er mutmaßte eine allergische Reaktion auf den Verband. Es wurde auf seine Anordnung Propofol nachgespritzt. Und: Die Frage nach einem „erhöhten Aspirationsrisiko“ wurde mit „Nein“ beantwortet - obwohl die Beteiligten wussten, dass David nicht nüchternen Magens war. Vor allem wirkte das Ganze überhastet: Um 20.13 Uhr kamen die Eltern ins LKH, um 21.05 Uhr war die OP vorbei, Minuten später begann schon die Reanimation.

Konsequenzen für die zwei Mediziner?

Unbestätigten Informationen zufolge wurde der Anästhesist beurlaubt. Und der Kinderchirurg steht offenbar kurz vor der vorgezogenen Pensionierung.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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