So, 16. Dezember 2018

Taktische Fehler

11.10.2018 06:30

Wie tief sinkt die SP noch?

Das „Karl-Steinocher-Archiv“ forscht in der Geschichte der Salzburger Sozialdemokratie. Der Namensgeber der einmaligen Einrichtung kam bei der Wahl 1969 der ÖVP bis auf 664 Stimmen nahe. 35 Jahre später errang Gabi Burgstaller den Sieg - und ging dann im Strudel der Finanzaffäre unter. Aber Walter Steidl schaffte 2018 ein noch schlechteres Ergebnis, das Ärgste seit 1945.

Es klang wie eine gefährliche Drohung: Walter Steidl kündigte an, volle fünf Jahre an der Spitze der Salzburger Partei bleiben zu wollen.

Hinter den Kulissen werden die taktischen und inhaltlichen Fehler diskutiert, Funktionäre sprechen von einem Stillstand:

  • Steidl führte einen falschen Wahlkampf. Er setzte auf den Slogan vom „frischen Essen“ in den Schulen und Horten.  Zu spät kamen seine Manager darauf, dass in der SP-regierten Stadt Salzburg das Essen für diese Einrichtungen geliefert und gewärmt wird.
  • Steidl setzte sich für Christian Kern als neuen Parteivorsitzenden und Kanzler ein, ohne die offensichtlichen Schwächen im Nervenkostüm des früheren Bahn-Managers zu kennen.
  •  Taktisch ungeschickt ging Steidl auch bei der Regierungsbildung nach der Wahl im Frühjahr 2018 in Salzburg vor: Die Gespräche mit Wilfried Haslauer waren rasch beendet. Insider meinen: Steidl hätte dem ÖVP-Chef eine neue Person als Partner anbieten müssen, dann wäre es nicht zum „Dreier“ mit Pink und Grün gekommen.
  • Die Geschichte mit der Zahnspange wäre für die Sozialdemokraten ein „aufgelegter Elfer“ gewesen, doch Steidl beschränkte sich auf Aussendungen, während der neue Arbeiterkammer-Chef Peter Eder verhandelte und Mittwoch einen großen Erfolg verbuchen konnte.
  • Taktisch ein Patzer war Steidls Entscheidung, die von der FPÖ beantragte Volksbefragung über die Windräder im Lungau nicht zu unterstützen.

Dass die Sozialdemokratie in Salzburg auch siegen kann, beweisen die Ortschefs in Bischofshofen oder Lend, Bernhard Auinger verfehlte den Bürgermeister nur minimal um 294 Stimmen. Ein großer Erfolg, denn vorher war der Kandidat praktisch unbekannt.

Hans Peter Hasenöhrl

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